Rezept gegen Ärztemangel?. In Jennersdorf gehen in den nächsten zwei Jahren zwei praktische Ärzte in Pension. Die Liste JES will jetzt mit einer Gemeinschaftspraxis eine Lösung finden.

Von Carina Fenz. Erstellt am 05. September 2018 (04:20)
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Der Hefepilz lässt sich nur schwer bekämpfen
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APA (dpa)

Drei Hausärzte hat die Stadtgemeinde Jennersdorf aktuell, aber nicht mehr lange. Zwei davon gehen nämlich in den nächsten zwei Jahren in Pension. Ein Schauder für die Jennersdorfer Stadtpolitik, ein akuter Ärztemangel könnte der Stadt drohen.

„Damit könnten bis zu 200 Patienten pro Tag versorgt werden“

Bereits vor rund eineinhalb Jahren, ziemlich genau als die Liste JES in den Wahlkampf gestartet ist, hat sich rund um JES-Sprecher Hannes Würkner eine Arbeitsgruppe gebildet, die dem drohenden Ärztemangel in der Stadt entgegenwirken will und seitdem nach Lösungen dagegen sucht. Die Idee: Eine Gemeinschaftspraxis von drei bis fünf Ärztinnen, die gemeinsam die zwei Kassenstellen bedienen. „Damit könnten bis zu 200 Patienten pro Tag versorgt werden“, meint Würkner.

„Das JES-Ärzteteam würde gerne jungen Ärztinnen ermöglichen, gemeinsam eine oder gar beide der frei werdenden Stellen zu besetzen“, so Würkner. Arbeit und Familienleben sollen so leichter vereinbar sein — so der Plan. Deshalb will man mit der Idee „Gemeinschaftspraxis“ vor allem Frauen ansprechen.

Ärztekammer ist skeptisch

Aber so einfach funktioniert das nicht. „Wir haben vor mehreren Monaten mit allen Ärzten, die in der Region Matura gemacht haben, Kontakt auf genommen“, erklärt Würkner. Mehr als 20 Personen waren das, 97 Prozent davon waren Frauen. Vier Ärztinnen würden mitarbeiten, möchten aber ihren Job nicht aufgeben. Eine würde eine der frei werdenden Kassenstellen übernehmen. „Sie hat aber den Turnus noch nicht abgeschlossen“, sagt Würkner. Bis dahin hofft man, die Zeit überbrücken zu können — und sucht weiter. Interessierte sollten sich auf der Gemeinde melden. Die Burgenländische Gebietskrankenkassa und das Land zeigen sich laut JES von der Idee interessiert, die Ärztekammer hingegen ist skeptisch.

Ursachen für die Probleme bei der Nachbesetzung von Kassenarztstellen gebe es, so Würkner, viele. Eine liege in der Selektion im Medizinaufnahmeverfahren. „Es wird viel Wert auf kognitive Intelligenz gelegt, aber wenig darauf, ob der Student sich mit den Menschen beschäftigen und auf’s Land gehen möchte“, kritisiert Würkner.

Förderprogramm für Landärzte

Im Burgenland gibt es ein Förderprogramm für Landärzte. Die Unterstützung besteht aus einem Sockelbetrag und Zuschlägen bis zu einer Höhe von insgesamt 60.000 Euro. Gefördert wird, wer die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin abgeschlossen hat; über einen aufrechten Kassenvertrag für eine Planstelle im Burgenland verfügt; sich bereit erklärt, die Tätigkeit als Arzt für Allgemeinmediziner im Burgenland mindestens fünf Jahre aufrecht zu erhalten.