S7: „Wettbieten“ der Gemeinden fällt weg. Durch die interkommunale Entstehung des Businessparks soll auch der Konkurrenzkampf zwischen Gemeinden entfallen.

Von David Marousek. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:39)
HEILIGENKREUZ Alle zwölf Bürgermeister und Landesrat Leonhard Schneemann trafen sich am Heiligenkreuzer Industriegelände und berieten sich über die Chancen des geplanten interkommunalen Gewerbeparks in Rudersdorf und Deutsch Kaltenbrunn.
David Marousek

Mit Fertigstellung der S7 im Jahr 2023/2024, sollen im in der Entstehung befindlichen Businesspark bereits die ersten Unternehmen ihren Sitz bezogen haben. „Es ist unser erklärtes Ziel im Regierungsprogramm, dass wir den regionalen Ausgleich schaffen. Im Burgenland gibt es Ballungszentren, dafür haben wir den Businesspark geschaffen“, erklärte Landesrat Leonhard Schneemann. Am Heiligenkreuzer Technologiepark wurden alle Bürgermeister der zwölf Gemeinden versammelt, um das Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund 7,2 Millionen Euro noch einmal zu präsentieren. Nicht unweit liegt das 1997 errichtete Lenzing-Werk, das damals als Leuchtturmprojekt für die Region galt.

Werben der Länder um den Industriestandort

Das Heiligenkreuz im Lafnitztal vor der Jahrtausendwende den Zuspruch für den Standort bekam, lag nämlich nicht nur an den EU-Fördergeldern für die Südregion. Das Bundesland Oberösterreich und sogar ein Standort in Deutschland haben sich laut Altbürgermeister Franz Mahr um das Lenzing-Werk bemüht: „Da waren die Förderungen zum Teil größer, aber es gab auch Altlasten in Deutschland. Die Oberösterreicher hatten die Betriebsstättengenehmigung sogar schneller als wir.“ Doch warum bekam das damals beschauliche Lafnitztal den Zuschlag?

„Wir haben uns Aktien der Firma gekauft“

Um die eigenen Anliegen möglichst gut vorzubringen und immer im Bilde zu sein, griff die Lokalpolitik zu einem kuriosen Mittel. „Wir haben uns damals Aktien von Lenzing gekauft, damit wir bei der Aktionärsversammlung dabei sein können“, erinnert sich der Altbürgermeister. Dem damaligen Betriebsrat, dem der oberösterreichische Standort lieber gewesen sein soll, wäre das zuwider gewesen. Auch der ehemalige Landeshauptmann Karl Stix habe eine große Rolle gespielt: „Wir konnten ihm da sehr dankbar sein.“

Dennoch kam es zu einem regelrechten „Wettbieten“ zwischen Oberösterreich und dem Burgenland, wer dem Unternehmen eine bessere Perspektive anbieten könne. „Ja, von einem Wettbieten kann man schon sprechen“, erklärte Mahr. Zuerst sei der Standort in Parndorf angedacht gewesen, dann Siegendorf und auch Pinkafeld war im Gespräch. Immer scheiterte es an den fehlenden Wassermassen. „Es gab immer zu wenig Wasser für das Unternehmen, aber wir hatten da die Lafnitz“, erinnert sich der Heiligenkreuzer. So sei damals die Wahl auf das Lafnitztal gefallen. „Ich wurde damals von meinen Bürgermeisterkollegen beneidet, aber das hat ja auch was gekostet. Ich habe immer gesagt, sie können sich ja gerne an den Kosten beteiligen“, lachte Mahr. Heute arbeiten über 500 Personen im Industriepark.

Ein Wettbieten fiel durch die interkommunale Variante in Rudersdorf und Deutsch Kaltenbrunn weg. 70 Prozent des Geldes zahlt das Land, 30 Prozent die Gemeinden. Anschließend werden die Erträge refinanziert und dann die Kommunalsteuern auf die Gemeinden aufgeteilt. Somit sollen auch entfernte Gemeinden wie beispielsweise Mühlgraben vom Standort an der Schnellstraße profitieren können.