Frau im Bezirk Jennersdorf ans Bett gefesselt. Staatsanwaltschaft ließ Angeklagten in Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einweisen.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 11. Oktober 2020 (05:22)
Symbolbild
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Am 26. Oktober 2019 war ein 32-jähriger Mann trotz eines Betretungsverbots bei seiner Ex-Freundin im Bezirk Jennersdorf aufgetaucht und durch ein Fenster in deren Wohnung geklettert. Er fesselte und knebelte die Frau und behob später mit deren Bankomatkarte 1040 Euro von ihrem Konto.

Sie sei eineinhalb bis zwei Stunden ans Bett gefesselt gewesen, berichtete die Ex-Freundin bei ihrer gerichtlichen Einvernahme. Ihr Ex-Freund habe ihr Socken in den Mund gestopft und sie damit geknebelt.

Außerdem drohte der Mann, dass aus ihrem Umkreis Menschen „verschwinden und leiden“ würden, wenn sie eine Anzeige vom August 2019 gegen ihn nicht zurücknehmen würde.

Er würde „jemanden anweisen, diesen Personen Gift zu geben“, hatte der Angeklagte angekündigt.

Die wegen früherer Vorfälle ohnehin schon eingeschüchterte Frau litt daraufhin noch mehr unter Schlafproblemen.

Der Angeklagte hatte bei dem folgenden Prozess wegen gefährlicher Drohung und Freiheitsentziehung mit seinen Behauptungen aufhorchen lassen, er sei selbst Opfer von Bedrohungen, habe „nachweislich 600 Leute angezeigt und sei an der Anzeige gegen 800 weitere Personen beteiligt gewesen“.

Er behauptete, von WEGA-Beamten ausgebildet worden zu sein und „ehrenamtlich“ Observationen durchgeführt zu haben.

Wegen seiner wirren Schilderungen wurde ein psychiatrischer Sachverständiger beigezogen, der bei dem Angeklagten eine geistig-seelische Abartigkeit höheren Grades und eine hohe Gefährlichkeit feststellte.

Es sei zu befürchten, dass der Mann weitere Straftaten begehen würde, zumal er keine Krankheitseinsicht zeige, so der Gutachter.

Angeklagter erstellte Täterprofil von sich

„Ich habe ein Täterprofil von mir selbst erstellt“, sagte der Angeklagte in seinen langatmigen Ausführungen am Ende des Prozesses in der Vorwoche. „Ich weiß, das klingt lustig.“

„Am Nationalfeiertag soll ich durchs Fenster gestiegen sein? Ich habe die Erfahrung, jede Türe zu öffnen!“, versuchte er die Anklage ins Wanken zu bringen.

Außerdem habe er in einem Selbstversuch die von seiner Ex-Freundin geschilderte Fesselungsmethode mit Hemden ausprobiert.

„Ich habe mir das immer wieder durch den Kopf gehen lassen, wie sie sich das vorstellt“, berichtete der Angeklagte. „Ich habe selbst versucht, die Hemden zusammenzurollen. Es geht sich nicht aus, vorne und hinten einen Knoten zu machen.“

„Ich weiß, das klingt uneinsichtig“, fügte der Mann hinzu.

Richterin Birgit Falb verurteilte ihn schließlich zu neun Monaten Freiheitsstrafe, davon drei Monate unbedingt. An seine Ex-Freundin muss er 1040 Euro zurückzahlen.

Wegen der begangenen Freiheitsentziehung wurde die Unterbringung des Mannes in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher angeordnet.

Die Angaben der Ex-Freundin seien, so die Richterin, glaubwürdig und nachvollziehbar gewesen, den Argumenten des Angeklagten habe sie hingegen „zum Teil nicht folgen können“.

Das Urteil ist rechtskräftig.