Wirtschaftskammer fordert Berufsschulen ohne Hürden. Vertreter der Wirtschaftskammern Steiermark und im Burgenland kämpfen gemeinsam für kürzere Wege in die Berufsschule. Künftig sollen Lehrlinge auch Berufsschulen in anderen Bundesländern besuchen können.

Von Carina Fenz. Erstellt am 23. Januar 2020 (17:30)
WK-Steiermark-Präsident Josef Herk, Nina Katzbeck, Hans Peter Katzbeck und WK-Burgenland-Präsident Peter Nemeth
WKB

Der Weg in die Berufsschule ist für viele Lehrlinge ein sehr weiter. Auch die Lehrlinge der Rudersdorfer Fensterfirma Katzbeck müssen ins 50 Kilometer entfernte Pinkafeld in die Schule fahren und dürfen aktuell nicht die Berufsschule im benachbarten Fürstenfeld besuchen, weil er aufgrund der Landesgrenze von der Berufsschule in Fürstenfeld ausgeschlossen ist.

"Das ist auch ein Grund", so Geschäftsführerin Nina Katzbeck, "dass wir immer wieder damit kämpfen genügen Lehrlinge zu finden." Aktuell beschäftigt das Unternehmen vier Lehrlinge, heuer gab es erstmals keinen neuen Lehrling.

„Wir haben sehr damit zu kämpfen, dass wir viele Lehrlinge aus der Steiermark und aus dem Raum Fürstenfeld bekommen, wo die Berufsschulen vor Ort sind, wir aber ein burgenländischer Betrieb sind und unsere Lehrlinge im Burgenland in die Berufsschule gehen müssen. Für viele Lehrlinge spielt das auch eine große Rolle", so Katzbeck.

Im Fall vom Burgenland wären Berufsschulen in den benachbarten Bundesländern – wie eben in der Steiermark – oft wesentlich näher oder einfacher zu erreichen. Ein weiteres Problem, das immer wieder von Betrieben beklagt wird, ist das Fehlen mehrerer Lehrlinge zur gleichen Zeit in jenen Lehrberufen, in denen nur ein Turnus je Klasse und Jahr zustande kommt. Natürlich geht es hier auch um Kosten und den Erhalt der Standorte.

„Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll diese Frage österreichweit zu reformieren und neu zu strukturieren“, betonen die beiden Präsidenten der WKO Steiermark und Burgenland, Josef Herk und Peter Nemeth. Denn der Fall der Firma Katzbeck ist kein Einzelfall.

Allein in der Steiermark wurden im Vorjahr 59 Anträge aus anderen Bundesländern auf Gastschulbesuche gestellt, umgekehrt gab es 73 Anträge von steirischen Lehrlingen, die in ein anderes Bundesland wechseln wollten. Genehmigt wurden davon 48  beziehungsweise 55.  Hochgerechnet auf Österreich könne man daher von 500 bis 600 Fällen pro Jahr ausgehen, wobei der tatsächliche Bedarf bei unbürokratischer Handhabung noch durchaus höher liegen könnte.

Denn allein im Burgenland gibt es derzeit 436 Lehrlinge, die es in eine Berufsschule in einem anderen Bundesland näher hätten, als in die Berufsschule im Burgenland. Davon 145 in die Berufsschulen in der Steiermark.  


Nemeth fordert daher ein flexibleres Landesberufsschulgesetz, „dass Lehrlinge, die im Burgenland einen Lehrberuf erlernen, auch in die nächstgelegene Berufsschule pendeln können.“ Schützenhilfe bekommt Nemeth auch vom steirischen Wirtschaftskammerpräsidenten Josef Herk: „Wir wissen, es ist schwierig genug, junge Leute für eine berufliche Ausbildung zu begeistern, und da ist es ganz wichtig, das gute Angebot vor Ort, auch wenn es im Nachbarbundesland vorhanden ist, wahrzunehmen und nicht andere Lösungen anzustreben. “