Unser tägliches Wasser...

Erstellt am 13. März 2022 | 05:45
Lesezeit: 5 Min
...rinnt einfach aus dem Wasserhahn. Oder? Ein Besuch beim Wasserverband Unteres Lafnitztal zeigt, dass dem nicht so ist. Ein dringender Appell an acht- und sparsamen Umgang mit Wasser.
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Wenn Sie schätzen müssten, wie hoch der jährliche Wasserverbrauch der 18 Mitgliedsgemeinden des Wasserverbandes ist, wie würde diese Schätzung ausfallen? Ein paar Millionen Liter, vielleicht sogar Milliarden?

Anfang 2013 wurde erstmals eine Million Kubikmeter Wasser verbraucht – mittlerweile sind es 1,4 Millionen Kubikmeter, 1,4 Milliarden Liter Wasser pro Jahr. Das ergibt einen täglichen Wasserverbrauch von rund 4000 Kubikmeter (Vier Millionen Liter). Seit der Gründung des Wasserverbandes im August 1972 hat sich vieles stark verändert, unter anderem auch der Lebensstandard.

Wie das mit dem Wasserverbrauch zusammenhängt, erklärt Geschäftsführer Richard Vettermann: „Wir befinden uns vor einer großen Herausforderung in der Wasserversorgung. Auf der einen Seite hängt das mit einem steigenden Lebensstandard der Leute zusammen; andererseits merkt man in unserer Region auch Tourismus, Wirtschaft, Gewerbe- und Businessparks. Lockdowns und Homeoffice tragen auch zu mehr Wasserverbrauch bei.“

Interessant: Die verbrauchsstärksten Tage des Jahres sind am Pfingstwochenende und an sehr trockenen Tagen im Sommer. Lag der Tagesverbrauch an so einem Tag vor drei Jahren noch bei rund 6000 Kubikmeter, waren es 2021 bereits über 7000 Kubikmeter Wasser.

„Der Grundwasserspiegel ist in den letzten drei Jahren deutlich gefallen.“
Richard Vettermann

In Zeiten des Klimawandels ist sparsames Haushalten mit dem kostbaren Gut Wasser eine Anforderung an jeden Einzelnen. „Mit einem Speichervolumen von 9000 Kubikmeter können wir zwei Tage problemlos überbrücken – doch der Grundwasserspiegel ist in den letzten zwei, drei Jahren um mindestens einen Meter gefallen. Das sind die Auswirkungen des Klimawandels und es gibt wenig Neubildung; das ist ein langfristiger Trend, der nicht umkehrbar ist, das muss man offen sagen“, warnt Vettermann eindringlich.

520 Kilometer Leitungen und 74 Probeentnahmen

Im gesamten Versorgungsgebiet erstreckt sich ein unterirdisches Leitungsnetz von rund 520 Kilometer, das um die 30.000 Einwohner in den Bezirken Güssing und Jennersdorf mit Wasser versorgt. Dass hier die erforderliche Qualität zu jeder Tages- und Nachtzeit stimmen muss, ist logisch und streng geregelt. Einerseits durch die Trinkwasserverordnung des Bundesministeriums, des Lebensmittelgesetzes und quartalsmäßig genau geregelte, vorgeschriebene Probeentnahmen und Untersuchungen, die sich momentan auf in Summe 74 mal im Jahr belaufen.

Doch wie kommt das Wasser überhaupt ins Wasserwerk? Was vor gut 50 Jahren mit einem einzigen Brunnen begann, wurde mächtig erweitert. In Heiligenkreuz werden 19 Brunnenanlagen betrieben, in umliegenden Gemeinden weitere Anlagen. Erwähnenswert ist Burgenlands tiefster Trinkwasserbrunnen mit einer Tiefe von 292 Meter in Dobersdorf.

Das Werk an sich verfügt über eine Anschlussleistung von 270 kW, der gesamte Bau wird über Kaltwasser geheizt und klimatisiert – „das ist wie eine Luftwärmepumpe, nur mit Wasser. Wir arbeiten hier wirklich klimaneutral, denn auch die Photovoltaikanlage draußen erzeugt mehr Strom, als wir in der gesamten Verwaltung brauchen“, so Richard Vettermann und Obmann Franz Kazinota unisono.

Das Wasser wird aus 23 Brunnen durch die Einspeisleitung in das Werk gefördert und dann im Rohwasserbecken (Kapazität: 180 Kubikmeter) vermischt. Vom Rohwasserbecken aus wird es in den einzelnen Aufbereitungsstraßen aufbereitet. Die Vermischung des Wassers hat den einfachen Grund, dass sich die Zusammensetzung eines Oberflächenbrunnens verglichen mit einem Tiefwasserbrunnen unterscheidet; durch die Mischung und Aufbereitung wird eine gleichmäßige Qualität hergestellt. Scherz am Rande: Der Wasserverband macht nur eine Sorte Wasser. „Wir haben hier im Haus aber sogar Grander Wasser“, fügen beide an.

Nachdem im Rieselentgaser die gesamte freie Kohlensäure entfernt wurde, fließt das Wasser durch einen Mehrschichtfilter, wo Eisen und Mangan herausgefiltert wird. Und nachdem durch Entsäuerungsfilter der pH-Wert angepasst wurde, passiert das Trinkwasser eine letzte, wichtige Station, bevor es in den Reinwasserbehälter darf. „In der UV-Entkeimungsanlage sind UV-Röhren drinnen; das sind die gleichen Schwarzlichtröhren wie damals in der Disco. Mit diesem Licht wird das Wasser desinfiziert, das ist ausreichend“, erklärt der Geschäftsführer.

Dass dieses Werk reibungslos läuft, ist natürlich auch den elf Mitarbeitern zu verdanken. Durch Bereitschaftsdienste, Fernwartung und Kontrolleinrichtungen sowie -sensoren wird die Wasserversorgung stets überwacht. Das bedeutet auch, sofort auszurücken, wenn wo ein Rohrbruch oder Ähnliches registriert wird.

Rhythmus der Menschen durch Wasserverbrauch

Mitarbeiter Klaus Gulyas hat auf seinem PC im Kontrollraum den gesamten Überblick über das Wassernetz in den 18 Mitgliedsgemeinden. Innerhalb von zehn, längstens 15 Minuten werden Probleme entdeckt. Das ist auch wichtig, denn ein Rohrbruch oder ein rinnender Hydrant verliert wertvolles Wasser und kann zu Folgeproblemen führen. „Eine unserer Aufgaben ist es, dass die Hochbehälter in der Früh immer voll sind, wenn die Leute arbeiten gehen. Diese Frühspitze ist zwischen 5 und 6 Uhr. Tagsüber werden die Behälter abgebaut und über Nacht wieder befüllt, das ist der Normalfall“, erklärt Klaus Gulyas. Am Computer kann man Wasserentnahmen rund um die Uhr beobachten. „Aber keine Sorge, wir sehen natürlich nicht, welches Haus um 2 Uhr früh die Toilettenspülung benutzt“, fügt Obmann Kazinota lachend an.

„Auch die Mitarbeiter sind sehr gefordert. Durch regelmäßige Schulungen und Ausbildungen wird ein reibungsloser Betrieb sichergestellt, und da sind wir auch sehr stolz darauf“, sagt Vettermann.

Stolz darf der Wasserverband als einziger in Österreich auch auf die Ökolog-Auszeichnung sein – das ist eine internationale Zertifizierung für Betriebe, die besondere ökologische Maßnahmen in Zusammenhang mit Wirtschaftlichkeit setzen.

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