Autarkes Leben als Antwort auf den Lockdown. Seit fünf Jahren versucht Judith Anger aus Henndorf eine andere Art der Landwirtschaft. Ohne Subventionen und Monokulturen, lebt die gebürtige Linzerin fast komplett autark.

Von David Marousek. Erstellt am 29. November 2020 (06:28)

Auf viele Menschen hat der aktuelle Lockdown schwerwiegende Einschränkungen. Die zugezogene Henndorferin Judith Anger merkt davon nicht viel: „Der erste Lockdown war ein Wahnsinn, da habe ich nur mehr gearbeitet am Hof. Plötzlich wollten sich auch alle meine Kunden selbst versorgen und ihre Projekte umbauen.“

Auch aktuell mangelt es nicht an Arbeit. Rund 120 Kilogramm Kräuterwürze produzierte sie in diesem Jahr. „Ich habe rund 20 verschiedene Kräuter. Durch den Umsatz damit kann ich mir zwei Mitarbeiter und den Rest des Hofes leisten“, erklärt die Landwirtin. Subventionen bekommt sie laut eigenen Aussagen keine, nur die Bio-Zertifizierung habe sie gemacht.

Mittlerweile kaufe sie auch nur mehr das Saatgut extern. „Bis auf den Strom bin ich sonst autark. Alles was ich im Supermarkt kaufe, ist eigentlich Luxus“, erklärt Anger. Selbst das Wasser holt sie von ihrem Hof.

Vom Tourismus und Events auf den Hof

Eigentlich kommt die gebürtige Linzerin aus einer komplett anderen Branche. Sie ist nämlich gelernte Touristik-Kauffrau und hatte sogar eine eigene Event-Agentur. Den Wechsel in die Landwirtschaft vor ein paar Jahren bereut sie keineswegs: „Alle meine Kollegen sind jetzt pleite.“

Am Konzept der Permakultur faszinierte Anger vor allem der Kreislauf der Natur. „Im Gegensatz zur Monokultur schöpft man alle Möglichkeiten aus. Wenn ich auf einem Feld Mais anbaue, dann wächst darunter zum Beispiel Salat. Es wäre viel mehr angesagt, dass man die Natur im Gleichgewicht lässt“, erklärt Anger. Gelernt hat sie ihr Werk vom Bio-Rebell Sepp Holzer. Neben dem landwirtschaftlichen Anbau gibt sie mittlerweile auch selbst Seminare und erklärt ihr Schaffen.

Eines ihrer Partnerprojekte führt sie regelmäßig nach Kalifornien. Dort wird jährlich der Hof von Ex-Skirennläufer und dem späteren Unternehmer Klaus Heidegger betreut.

Anbau soll auch in einer Wohnung funktionieren

Dass auf einem rund fünf Hektar großen Hof eine Landwirtschaft funktioniert, sollte nicht überraschen. Doch laut Judith Anger soll die Permakultur, bei der es stark um langfristige Erfolge geht, auch im Kleinen funktionieren.

„Man kann bei solchen Gegebenheiten, wie einer Wohnung, ja auch in die Höhe oder die Tiefe bauen. Da ist alles möglich. Ich habe meine ersten Versuche mit einem 120 Quadratmeter Garten in Mödling angefangen“, erklärte die Henndorferin.

Auch ein Buch habe sie darüber geschrieben. „Jedem sein Grün! Urbane Permakultur“ heißt es und befasst sich mit dem Thema der Selbstversorgung, jedoch komplett ohne Garten.