Biber als Streitthema in Jennersdorf

In der Nähe des Freibades hat sich ein fleißiger Biber angesiedelt. Während Biologie Joachim Tajmel ihn hier behalten möchte, will die Stadtgemeinde ihn umsiedeln.

Erstellt am 29. April 2021 | 03:49
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Biologe Joachim Tajmel und Hündin „Keksi“ wollen hier Platz für Biber und Storch finden. Die Stadtgemeinde spricht sich dagegen aus.
Foto: Marousek, Marousek

Zuletzt waren Biber immer wieder Thema im Bezirk Jennersdorf, doch auch mit der Stadtgemeinde steht das durch seine Schneidezähne markante Nagetier „auf Kriegsfuß“. Laut Bürgermeister Reinhard Deutsch müsse die Gemeinde täglich ausrücken, um die Probleme, die der Biber beim Hochwasserschutzbecken bereitet, zu entfernen. Konkret würde vor allem der Rechen, der für ein Abfließen des Wassers sorgt, immer wieder verstopft werden. „Wir kommen mit dem technischen Gerät nicht dazu und müssen deshalb jeden Tag hin, um das zu entfernen. Wenn der Rechen verstopft, dann ist die Funktionalität nicht gegeben“, erklärt Deutsch.

Anders sieht das Biologie Joachim Tajmel: „Der Biber hätte hier fast nichts bewirkt.“ Für den Jennersdorfer gäbe es auch eine Lösung: „Im Mittelburgenland gibt es hier schon eine bereits realisierte Lösung, dort wurde nämlich ein Vor-Rechen angebracht.“

An den Kosten würde sich, laut Tajmel, auch der Naturschutzbund beteiligen. Für Deutsch sei die Funktionalität des Beckens und des Abflusses im Vordergrund. „Ich kämpfe seit Monaten um die Bewilligung, dass wir die Biberdämme räumen können. Der Biber muss umgesiedelt werden“, erklärt der Ortschef.

Tajmel: „Wir müssen die Pflege neu denken“

Auch für die Störche will Joachim Tajmel hier am Hochwasserschutz Platz schaffen. Den Zugvögeln fehle es laut Tajmel an Nahrung in der Umgebung (die BVZ berichtete). Eine Lösung wäre ein neues Mähkonzept. „Wir müssen die Pflege neu überdenken. Nicht alles auf einmal mähen, sondern in vier oder fünf Etappen“, erklärt der Biologe. Aktuell stehe er auch schon in Kontakt mit jemandem, der die Aufgabe übernehmen würde. „Es gibt hier keine Heuschrecken mehr im Sommer, nur mehr Millionen von Schnecken, die keiner will“, ergänzt Tajmel. Durch das zeitlich versetzte Mähen, würden die Störche immer wieder Nahrung vorfinden. Vor Jahren war bereits eine Kooperation mit einem ansässigen Schafbauern angedacht, dieser war jedoch „nicht verlässlich“. Bürgermeister Reinhard Deutsch schiebt der Idee einen Schranken vor: „Das ist absoluter Nonsense und geht nicht. Es wäre naiv zu glauben, dort eine herkömmliche Landwirtschaft zu betreiben. Die Verantwortung liegt hier beim Wasserbau.“