Grünen-Bezirkssprecher: „Ohne Auto geht es hier nicht“

Erstellt am 12. Februar 2022 | 05:34
Lesezeit: 5 Min
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Der gebürtige Wiener Peter Buocz ist seit vergangenem Jahr für die Grünen im Burgenland aktiv.
Foto: David Marousek
Peter Buocz, Bezirkssprecher der Grünen über die anstehende Gemeinderatswahl, das Klima und nachhaltigen Tourismus.
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Seit Mai 2021 ist Peter Buocz Bezirkssprecher für die Grünen. Sein politisches Engagement begann beim letzten Bundespräsidentenwahlkampf. Als die Grünen 2017 aus dem Nationalrat flogen, trat er der Partei bei. Anschließend war Buocz im erweiterten Bundesvorstand. Seit einigen Jahren wohnt der Touristiker - er führ unter anderem das älteste Hotel in Wien - in Königsdorf.

Was sind die Ziele der Grünen bei der Gemeinderatswahl?

Peter Buocz: „Im Minimalfall die Gemeinderätinnenanzahl zu halten. Natürlich ist unser Ziel aber stärker zu werden, wobei wir da im Norden und im Mittelburgenland optimistischer sind. Im Süden ist es nicht gerade leicht.“

Die Wahl 2017 stellte sich als Schlappe für die Grünen im Bezirk heraus. Mit nur einer Gemeinderätin (Jennersdorf) ist man vertreten. Woran lag das?

Buocz: „Zu der Zeit war ich noch nicht aktiv. Die Grünen im Burgenland haben aber derzeit, die Betonung liegt auf der ‚derzeit‘, noch ein Problem und zwar dass es sehr viele grüne Themen gibt, wo die Bevölkerung bereit ist sich darüber zu informieren, dann aber selten das Kreuzerl gemacht wird. Das ist eine der Hauptaufgaben der Grünen im Burgenland, im Süden speziell, weil da sehr viele Themen Lebensqualität und Zukunft betreffen.“

Das wäre zum Beispiel die Bodenversiegelung ein Thema, mit dem die Grünen doch punkten könnten?

Buocz: „Das ist ein Lieblingsthema von mir. Die Frage ist aber wie wir es schaffen, nicht als böse wahrgenommen zu werden. Es wirkt, dass im Süden verboten werden soll, dass das Enkerl am Grund vom Opa nicht mehr bauen dürfen. Das ist aber gar nicht der Fall. Alleine der Parkplatz vom Interspar [Anm. in Fürstenfeld], der war noch nie zu 50 Prozent ausgelastet. Da könnte man ein Fußballfeld drauf platzieren. Auch in Jennersdorf gibt es diese ‚Monstergerade‘ nach der Einfahrt.“ Auch der Umstieg auf erneuerbare Energien ist wichtig. Ein Nicht-Umstieg geht auf das Börserl von allen Bürgerinnen und Bürgern. Sich hier autarker zu machen, das ist doch klug. Für Kleinfraktionen ist es im Gemeinderat aber extrem schwer etwas zu bewegen.“

Konnte man sich von der Wahl 2017 eigentlich rehabilitieren? Wie steht es um das Antreten im Oktober?

Buocz: „Wir stehen noch immer an dem Punkt wie bei der letzten Wahl. Außer in Jennersdorf wird niemand kandidieren.“

Wenn man in Richtung Güssing blickt, dann gibt es dort aktuell ja nicht einmal einen Bezirkssprecher.

Buocz: „Wir überlegen, ob wir die Zusammenarbeit der Bezirke Jennersdorf, Güssing und Oberwart intensivieren.“

Woran liegt es, dass die Grünen tendenziell in Städten mehr punkten, als am Land?

Buocz: „Das ist praktisch auf der ganzen Welt so, da reden wir auch viel intern drüber. Nehmen wir das Auto als Beispiel. Im urbanen Raum auf das Auto zu verzichten, das ist ‚watscheneinfach‘. Hier am Land kann man ohne Auto nirgends hin. Wenn wir überall plakatieren wie böse das Auto ist, dann haben viele Angst wir wollen ihnen das Auto wegnehmen. Hier müssen wir andere Kommunikation finden.“

Es ist aber auch schwer für „normale“ Bürger zu sagen ich verzichte auf mein Auto, wenn Dubai, China und die USA nicht mitziehen oder?

Buocz: „Es ist wie bei einem Ameisenhaufen, wenn da hunderte mitziehen, dann kann man großes schaffen. Das ist für mich ein zu schwaches Argument. Wenn wir hier weiter Böden versiegeln, dann ist es egal, ob China da mitzieht. Die Überschwemmungen haben dann wir. Wenn ich das Gefühl habe etwas richtig zu machen, dann gibt mir das selbst ja auch was. Ich bin jetzt Opa geworden, da denke ich mir schon, die Generation, die jetzt auf die Welt kommt, die ist abhängig von uns. Ich will irgendwann mal sagen können, das ich das was in einer Macht stand getan habe. Wir müssen lernen, uns selbst zu abstrahieren. Wenn es zu Abstimmungen kommt, wo ich dann merke es ist gut für das Klima, aber es tut mir selbst weh, aber es ist richtig, dann muss ich da dennoch unterschreiben.

Sie arbeiten ja in der Touristik, da ist man bei den Grünen schon in der Minderheit oder?

Buocz: „In der Tat, aber das ist mein großes Ziel, dass wir das ändern. Tourismus ist viel mehr als ein Wirtschaftszweig und wirkt sich stark auf unser Leben vor Ort aus. Man lernt Menschen aus verschiedenen Kulturen kennen. Ich bin vielleicht etwas blauäugig, aber für mich ist Tourismus auch zu einem gewissen Grad friedensfördernd. Wenn ich wo Urlaub gemacht habe, dann werde ich dort eher keine Raketen hinschicken. Für die Grünen ist es wichtig, eine eigene Position zum Tourismus zu entwickeln.“

Wie könnte dieser Aussehen?

Buocz: „Ich bin davon überzeugt, dass nachhaltiger Tourismus gerade für das Südburgenland interessant sein könnte. Ich verstehe darunter, dass er ökologisch ist und auch ökonomisch, aber nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf Bestand. Außerdem gibt es eine dritte Komponente, die soziale Nachhaltigkeit. Einerseits die Arbeitsumgebung, da haben wir im Tourismus ein negatives Bild und auch die Bezahlung und Gleichstellung sind große Themen. Ein weiterer Aspekt ist die Frage, was der Tourismus der Bevölkerung bringt. Also wem nutzt es und wem schadet er. Man sieht als Bürgermeister oft nur neue Arbeitsplätze, aber ‚Overtourism‘ wie in Hallstadt geht gar nicht.“

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