Storch ist wieder da

Meister Adebar ist in Jennersdorf gelandet. Biologie Joachim Tajmel erklärt, warum die Lage für Störche dennoch schlecht ist.

David  Marousek
David Marousek Erstellt am 15. April 2021 | 04:28
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Durch sein unglaubliches Orientierungssystem, findet der Storch immer wieder zurück. „Wie ein GPS“, erklärt Biologe Joachim Tajmel.
Foto: Schmidt, Schmidt

Kurz vor dem Wochenende ließ sich Jennersdorfs Storch „Willi“, benannt nach dem ehemaligen Burgenlandhof-Chef Willi Kern, wieder blicken. Im Ortszentrum fand er sich auf seinem eigens angefertigten Nest wieder und ließ sich von der Stadt bewundern.

Storch notgedrungen auch als Aasfresser

Für Störche ist die Lage im Stadtgebiet laut Biologe Joachim Tajmel aktuell jedoch alarmierend: „Die Störche haben es trotz Lockdown schlechter. Wir haben ein Glück, dass er überhaupt gekommen ist.“ Gründe seien laut Tajmel der Mangel an Nahrung in seinem Flugumkreis, ausgelöst durch die starke Nutzung von Agrarchemie, sowie den verstärkten Mais-Anbau.

„Der Storch hätte gerne Wiesen und eine traditionelle Landwirtschaft mit Wechselanbau“, führt Tajmel aus. Dass „Willi“ in diesem Jahr gekommen ist, sei laut Tajmel eher Gewohnheit: „Er ist auf den Neststandort fixiert, ein Neuer würde diesen sehr schlechten Standort gar nicht mehr nehmen. Es fehlt einfach an Nahrung.“

Normalerweise würde sich der Storch von Feldmäusen, Fröschen und Regenwürmern ernähren. Diese Nahrungsquellen seien jedoch in den letzten Jahren immer rarer geworden, sodass sogar schon Störche als Aasfresser beobachtet worden seien. „Als Notvariante haben wir schon gesehen, dass der Storch auf Nacktschnecken geht oder sich auch der im Verkehr gestorbenen Tiere auf den Straßen bedient“, führt Tajmel aus. Ein Unding, auch weil diese Nahrung für ausgewachsene Störche nicht adäquat sei. Als Privathaushalt kann man übrigens nicht viel tun, um „Meister Adebar“ zu helfen. „Es benötigt ein gesamtes Umdenken. Zum Beispiel darf man bei Hochwasserbecken nicht jeden Grünstreifen ganz runter mähen. Auch Tierherden freuen den Storch, da sich dann viele andere Kleintiere dort ansammeln“, erklärt der Biologe. Aktuell bessere Standorte seien Rudersdorf, durch die Nähe zum Lahnbach und besonders das Stremtal. Zwei Mal im Jahr fliegen Weißstörche 11.000 Kilometer, sogar bis nach Namibia.