Die Arzt-Odyssee hat nun vorerst ein Ende

Statt dem Deutschen Frank Spranger, wird ab Dienstag der gebürtige Niederösterreicher Gerhard Hirschlehner ordinieren.

Erstellt am 09. April 2020 | 05:12
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Gerhard Hirschlehner will am kommenden Dienstag seine Arbeit aufnehmen.
Foto: BVZ

Gerade in Zeiten wie diesen, wo der Coronavirus unseren Alltag beherrscht, ist eine ausreichende ärztliche Versorgung immens wichtig. In Jennersdorf war zuletzt Wolfgang Gangl allein zuständig für über 4.000 Einwohner.

Mit dem Deutschen Frank Spranger wurde zuletzt ein Allgemeinmediziner gefunden, der seine Praxis in Jennersdorf eröffnen wollte. Das zerschlug sich in der vergangenen Woche jedoch. Für die beiden ausgeschriebenen Arztstellen in Jennersdorf für die Nachfolge von Peter Thomas und Josef Ehrne gab es insgesamt vier Bewerber. Nach einer Auswertung der Gebietskrankenkasse wurde der in Salzburg tätige Gerhard Hirschlehner auf die Nummer eins gereiht, Frank Spranger auf Platz zwei. Hirschlehner konnte jedoch nicht berücksichtigt werden, da er ein bestehendes Vertragsverhältnis in Salzburg besäße.

„Das hat noch kein Arzt gefordert und selbstverständlich auch nicht gekriegt. Aber bei uns ist noch kein Arzt verhungert.“Bürgermeister Reinhard Deutsch (JES)

Das ist nach Richtlinien der ÖGK ein Ausschlusskriterium. Somit rückte Frank Spranger für die vakante Ehrne-Praxis nach. In der vergangenen Woche verständigte der Deutsche, der zurzeit in Ungarn wohnhaft ist, die Gemeinde, dass er die Stelle nun doch nicht antreten werde. „Mir wurde gesagt, dass ein Fördertopf von 70.000 Euro bereit steht. Jetzt waren es dann plötzlich nur mehr 60.000 und am Ende 30.000 Euro pro Arzt. Alleine die Geräte kosten schon über 100.000“, spart Spranger nicht mit Kritik an der Gemeinde.

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Frank Spranger ist der Meinung von der Gemeinde „ausgebootet“ worden zu sein.
BVZ

„Das stimmt nicht“, entgegnet Bürgermeister Reinhard Deutsch: „Es ging immer um 60.000 Euro, wobei wir für die Ehrne-Praxis nicht mehr als 30.000 ausgeben wollen. Das war immer nur eine Übergangslösung, um später neue Räumlichkeiten, wie im Gesundheitszentrum und eine Ärzteansiedlung zu etablieren.“ Doch auch die Ehrne-Praxis an sich wird zum Streitpunkt. Bürgermeister Reinhard Deutsch hebt hervor, dass die Gemeinde die Ordination ausmalen hätte lassen, sowie eine Wand eingebaut hätte. „Das EDV-System dort ist nur rudimentär vorhanden. Es sind zwei steinalte Rechner, die keine Dauerlösung sind“, erklärt Spranger. Warum also nicht einfach für die Thomas-Praxis bewerben? „Es hieß, dass diese Praxis nicht zur Verfügung steht, auch, weil sie nicht behindertengerecht ist“, führt Spranger aus. Dem entgegnet der Bürgermeister: „Er wollte immer die Ehrne-Praxis haben.“

„Bei uns ist noch kein Arzt verhungert“

Auch die Wirtschaftlichkeit war für Frank Spranger nicht gegeben: „Als Arzt benötigt man immer Patienten, der Großteil kommt hier von der ÖGK. Wenn ich Miete zahle und dann noch zwei Mitarbeiterinnen habe, dann bräuchte ich mindestens 450 Patienten, um überhaupt auf Null zu gelangen. Man braucht also mindestens 1.000 Patienten. Ich hätte von der Hand im Mund leben müssen. Wenn jetzt jemand die Thomas-Praxis übernimmt, fällt ein großer Kundenstamm weg. Die Ehrne-Patienten sind ja schon wo anders.“

Deshalb verlangte der Mediziner eine Umsatzgarantie von 50.000 Euro im Quartal. Ein No-Go für Bürgermeister Deutsch: „Das hat noch kein Arzt gefordert und selbstverständlich auch nicht gekriegt. Aber bei uns ist noch kein Arzt verhungert.“ Spranger will sich jetzt weiter im Bezirk umschauen: „Es gibt immer noch Möglichkeiten.“

Gerhard Hirschlehner beginnt in dieser Woche

Der lachende, wenn auch unbeteiligte Dritte, ist Gerhard Hirschlehner, der zuletzt noch in Golling (Salzburg) ordinierte. Warum der eigentlich ausgeschlossene Bewerber nun doch nach Jennersdorf darf, erklärt Andrea Mayrhofer von der ÖGK: „Üblicherweise wird man von der Reihung ausgeschlossen, um anderen Ärzten eine Anstellung nicht zu erschweren. Da alle anderen Bewerber jedoch zurückgezogen haben, gibt es die Möglichkeit. Er muss dafür jedoch einen Nachfolger in Salzburg finden.“ 

Doch was zieht einen in Salzburg tätigen Arzt nach Jennersdorf? „In Salzburg gibt es enorm hohe Fixkosten. Ich muss meine fünfköpfige Familie erhalten und diese Kosten habe ich ganz ehrlich unterschätzt“, führt der Neu-Jennersdorfer aus. Als Übergangslösung will er die Thomas-Praxis übernehmen und vorerst auch im Gebäude wohnen. Der 62-jährige hat vor noch bis 70 zu arbeiten und ist auf der Suche nach zwei bis drei Ordinationsgehilfinnen oder Krankenschwestern. Bewerbungen direkt in der Ordination. Bürgermeister Deutsch und die Gemeinde danken Dr. Peter Thomas für seine geleisteten Arbeiten.