Schloss Tabor: Mit der Operette den Süden begeistern

Am heutigen Donnerstag feierte „lustigen Witwe“ auf Schloss Tabor in Neuhaus ihre Premiere. Die drei „Hauptdarsteller“ im Gespräch mit der BVZ.

Erstellt am 05. August 2021 | 05:28

Verkehrte Welt im Burgenland. Während sonst Schloss Tabor zwischen Mühlgraben und Neuhaus am Klausenbach stets ein Opern-Treffpunkt war und in Mörbisch die Operette zu finden war, wird und wurde es 2021 ganz anders. Am 8. Juli erfolgte die Premiere von „West Side Story“ auf der Seebühne in Mörbisch, am heutigen Tag gibt es dafür auf Schloss Tabor die Operette „Die lustige Witwe“ zu bestaunen.

„Dieser Platz hier schreit nach Operette“

Für Intendant Alfons Haider hätten sowohl Mörbisch als auch Tabor ihre eigene „Aura. „Dieser Platz hier schreit nach Operetten. Ich möchte Operetten, die in Vergessenheit geraten sind, wieder aufführen. Dafür ist Tabor perfekt, was aber nicht heißt, dass es hier gar keine Opern mehr geben wird“, so Haider.

Er habe mit über 50 Personen aus dem Südburgenland gesprochen und sei überzeugt von diesem Weg. „Es sollen mehr Südburgenländer kommen“, lautet seine Devise. Das Interesse sei um rund 20 Prozent, gemessen am Kartenverkauf, gestiegen. „Das ist fast schon schicksalhaft, dass Kerschbaum hier die Operette eingesetzt hat“, erklärt Haider. Damit meint er seinen Vorgänger Dietmar Kerschbaum, der die Planungen für das letzte Jahr begann.

„Es erwartet jeder, dass ich nächstes Jahr in Mörbisch den König im Stück spiele, aber das werde ich sicher nicht.“ Alfons Haider, Generalintendant von Mörbisch und Tabor

„Viele haben den Eindruck, dass Kerschbaum sehr viel Gutes gelungen ist, aber Südburgenländer sind nie so viele nach Tabor gekommen. Auch wenn die Qualität der Aufführungen immer einzigartig war. Meine Hauptaufgabe ist es, vermehrt Burgenländer in das Theater zu bekommen“, führte Haider aus. Also weg vom nationalen Publikum, mehr in Richtung Burgenland-Zuschauer.

Für die durch die Corona-Pandemie schwer getroffene Kunst-Szene, soll es jetzt einen Aufschwung geben. „Die Kultur war nie der Auslöser der Pandemie und ist aber lange gestraft worden. Die Pandemie war der größte Feind seit dem Krieg für die Kultur. Wir haben einen hohen Preis gezahlt.“

Uraufführung älter als das Burgenland

Seit 14. Juli sind auch die beiden Hauptdarsteller Svenja Isabella Kallweit und Wolfgang Resch im Südburgenland zuhause. Die Region haben sie bereits zu schätzen gelernt. „Wir haben hier alle Heurigen kennengelernt. Kulinarisch lassen wir es uns gut gehen“, lachte Svenja Kallweit, die in der Rolle der Hanna Glawari auf der Bühne stehen wird.

Wobei es sich die beiden natürlich nicht nur gut gehen lassen. Sieben bis acht Stunden am Tag werden für Proben aufgewendet. „Der Körper muss fit sein. Sport, gesunde Ernährung, Dinge, die der Seele gut tun - das gehört alles dazu“, erklärt Graf Danilo-Darsteller Wolfgang Resch.

Resch: „Ein Appell an die Männerwelt“

1905 wurde das Stück in Wien uraufgeführt. Somit ist es älter, als das Burgenland ein Teil von Österreich ist. Ein großes Thema des Stücks ist die Rolle der starken Frau und die ist bis heute relevant. „Hanna ist unabhängig. Sie hat diese starke Ausstrahlung, aber auch etwas Menschliches. Keiner will sich im Stück etwas eingestehen“, erklärt Kallweit.

Für Resch sei seine Rolle ein „Appell an die Männerwelt, den Mund aufzumachen und über Gefühle zu reden. Danilo ist ein verletztes männliches Ego, das etwas verlumpert.“

Jede gespielte Rolle hinterlasse Spuren und bleibe laut Resch „ein Baustein“. Für Kallweit mache die Abwechslung einen großen Teil ihres Berufs aus. „Man muss an einem Abend den Komödianten spielen, beim nächsten Mal dann den Bösewicht“, ergänzte Resch. Für die beiden Hauptdarsteller geht es nach den Aufführungen übrigens direkt weiter. „Ich werde für eine Uraufführung in die Schweiz gehen“ so Resch. Kallweit bleibe indes Österreich erhalten: „Ich habe ein fixes Engagement an der Staatsoper Wien im Chor.“

Operette in Mörbisch nicht ausgeschlossen

Wie angesprochen war Mörbisch stets der Platz für die Operetten, was laut Haider auch wieder eine Möglichkeit werden könnte: „Auch in Mörbisch kann wieder eine Operette gespielt werden, aber da braucht es jetzt einmal fünf Jahre eine Pause.“ Zumindest zehn Jahre will Haider im Burgenland verbringen. Sein etwaiger Nachfolger solle es „viel leichter“ haben.

Auch andere Wege, um mehr Publikum zu erreichen, will Haider erschließen. Mit dem TV-Sender ORF 3 gebe es für die Zukunft bereits ein Abkommen. „Für dieses Jahr ging das nicht. Ich habe in Stockerau schon einmal acht Jahre lang um Übertragungsrechte gekämpft.

Pläne für 2022 bereits in der Endphase

Für das nächste Jahr sind bereits wieder zwei Produktionen geplant. „Sissi“ auf Schloss Tabor würde sich laut Haider für eine Aufzeichnung im TV anbieten: „Das hängt alles von den internationalen Rechten ab. Dass Tabor hier das Kulturzentrum für den Bezirk ist, war eine sehr wichtige Entscheidung des Landeshauptmanns dafür.“

In Mörbisch wird es „The King and I“ geben. „Es erwartet jeder, dass ich nächstes Jahr in Mörbisch den König im Stück spiele, aber das werde ich sicher nicht. Alle asiatischen Rollen werden auch mit Asiaten besetzt. Auch dort verhandeln wir mit Paramount wegen Aufzeichnungen“, führt Haider aus.

Bühnenbild als wahrer Hingucker für Publikum

Dass Alfons Haider vom Bühnenbild für „Die lustige Witwe“ überzeugt ist, erkennt man auf den ersten Blick: „So eines hat es hier noch nicht gegeben. Die Enge des Areals ist ein Wahnsinn, von der Größe her fast schon ein Nudelbrett. Was der Bühnenbildner hier geschafft hat, da gehört sehr viel dazu.“

Weiters sei der musikalische Leiter Erich Polz eine „Geheimwaffe“. Im nächsten Jahr soll es einen Musikschulwettbewerb quer durch den Bezirk geben, auch in Mörbisch. „Wir wollen zumindest zwei Musiker haben, die bei den Konzerten mitspielen können“, erklärte Haider. Wenn es nach dem Generalintendanten geht, dann würde man die Veränderung gar nicht bemerken: „Gute Veränderung bemerkt man nicht, man spürt sie.“