Jennersdorfer Juristin: „Habe nie den gleichen Arbeitsablauf"

Erstellt am 30. Dezember 2021 | 04:32
Lesezeit: 3 Min
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Sandra Rinder mit dem ersten Sitzungsprotokoll Jennersdorfs. Dieses und übrigens auch alle anderen Protokolle, sind jederzeit einsehbar.
Foto: Marousek
Die 31-jährige Steirerin Sandra Rinder ist seit vier Jahren als Juristin für Jennersdorf tätig. Doch warum braucht die Stadtgemeinde eigentlich eine Juristin?
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Mit Straßen-, Bau- und Meldeamt hat man als „Ottonormalbürger“ in seinem Leben öfters zu tun - mit der Gemeindejuristin hoffentlich nicht. Die aus dem Bezirk Feldbach stammende Sandra Rinder ist seit 2018 in Jennersdorf für alle Rechtsfragen die die Gemeinde betreffend zuständig.

Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften in Graz hat sie dort die Gerichtspraxis geleistet und anschließend für ein Immobilienunternehmen gearbeitet. 2018 wurde sie dann auf eine Stellenanzeige der Stadtgemeinde aufmerksam und landete in Jennersdorf.

Diplomarbeit zum Thema Bewegung und Gesetze

Eine Stelle, in der sie sich zu Beginn ihres Studiums nicht unbedingt gesehen hat: „Ich hätte mir eigentlich nie gedacht, einmal in der Verwaltung zu arbeiten, aber ich habe mir während des Studiums erstaunlich leicht in dem Fach getan und dann auch meine Diplomarbeit in diesem Bereich geschrieben.“ Diese handelte davon - in Kooperation mit der Sport-Uni - wie man Bewegung im Alltag mit Gesetzen in Verbindung bringen kann.

Auch deshalb ist sie, obwohl sie Steirerin ist, freiwillig ein Teil der burgenländischen Gesundheitsinitiative „Gesunde Stadt“. Überhaupt ist Rinder positiv überrascht vom Vereinsleben des Burgenlandes: „Das fällt mir hier schon auf, dass in allen kleinen Ortsteilen Leben herrscht. Hier gibt’s den Raffel und den Burgenlandhof, in Grieselstein den Breinwirt, überall gibt es Vereinsleben und Freiwillige. Da könnte sich Feldbach etwas abschauen.“

2022 wird das Jahr der Wahlen werden

Ein normaler Arbeitstag beginnt laut der Juristin um 8 Uhr: „Ich habe nie den gleichen Arbeitsablauf, jeder Tag ist sehr vielfältig. Jetzt geht es zum Beispiel langsam mit den Wahlen los. Aktuell sind es die Jagdausschusswahlen, dann Gemeinderats- und Bundespräsidentwahl. Zusätzlich bin ich mit den ganzen Sitzungen beschäftigt und auch bei allem was mit Pacht, Miete oder Kauf der Gemeinde zu tun hat.“

Was viele nicht wissen: Eine Gemeinde kann wie jede Bürgerin oder jeder Bürger ganz normale privatwirtschaftliche Tätigkeiten behandeln, einen Sonderstatus gibt es nicht. Aber wann kommt es nun zum Kontakt mit der Gemeindejuristin: „Zu mir kommen die Leute, wenn es Grundstücksabtretungen an die Gemeinde gibt oder, im schlechteren Fall, bei Rückständen, Exekutionsverfahren und Insolvenzen, wenn es eine Beteiligung der Gemeinde gibt.“

Wobei Rinder anmerkt: „Falls es wirklich einmal so weit kommt, dann sollen die Leute bitte vorbeikommen. Wir haben immer ein offenes Ohr, wenn es um Ratenzahlungen geht.“ Der wohl größte Schatz im Büro neben dem Gemälde eines befreundeten Künstlers aus Fürstenfeld? Das 1. Protokoll einer Jennersdorf Sitzung vom 8. Juli 1933: „Wir haben von diesem Zeitpunkt alle, bis auf die des Zweiten Weltkriegs, welche wohl verbrannt wurden, hier.“

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