„Cluster“ für den Süden. Südburgenlandmanager Werner Unger hat sich nach vier Monate im Dienst ein Bild der Region gemacht. Er wünscht sich mehr Unternehmertum und plant Wirtschaftscluster.

Von Michael Pekovics. Erstellt am 01. März 2017 (12:04)
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Südburgenlandmanager: Werner Unger
BVZ

Seit etwas mehr als vier Monaten ist Südburgenlandmanager Werner Unger jetzt im Amt. Selbst bezeichnet er sich als „Spätberufener“, was sein Engagement in der Region betrifft: „Mit 18 hätte mich hier nichts gehalten, ich wollte die Welt sehen.“

Aus diesem Grund ist es für Unger auch kein Problem, wenn junge Menschen nach ihrer Ausbildung die Region verlassen, sondern eher ein Vorteil. „Solange sie dann auch wieder zurückkommen und die gewonnene Erfahrung einbringen.“

Dazu brauche es aber neben Arbeitsplätzen auch eine gute Vermarktung der Region: „Viele neu ins Südburgenland gezogene Menschen schwärmen von der Region, wir müssen sie einfach schmackhafter machen.“ Als Alleinstellungsmerkmale der Region nennt Unger die Ruhe, viele Sonnenstunden, hohe Lebensqualität und vor allem die „Mentalität der Menschen, ihre Gastfreundschaft und Geselligkeit“.

„Viele sind überrascht von meinen Fragen“

Rund die Hälfte aller 72 Gemeinden des Südburgenlandes hat Unger bis jetzt schon besucht, auch alle Institutionen kennen den Südburgenlandmanager. „Viele Verantwortliche sind oft überrascht, wenn ich frage, was ich für sie tun kann.“ Aus der Parteipolitik hält sich der gebürtige Stremer so gut es geht heraus, bei seiner Bestellung hatte es ja Kritik seitens der ÖVP gegeben.

Die ist zwar auch heute noch nicht verstummt, spielt sich aber eher auf der Metaebene ab, wie zuletzt beim Südburgenlandkongress der ÖVP (O-Ton Christian Sagartz: „Der Südburgenlandmanager hat abgesagt, er ist heute am Opernball.“) Seitenhiebe dieser Art lassen Unger kalt: „Persönlich komme ich mit allen gut aus, derartige Angriffe gehören dazu, stören mich aber nicht, das muss ich aushalten.“

Unger will „Ansprechpartner für alle“ sein, auch „wenn mein Fokus natürlich auf Betriebsansiedelungen liegt“. Aber nicht nur große Betriebe können sich an den Südburgenlandmanager wenden, auch Jungunternehmer sind ein Thema: „Unterstützung von Start Ups, das Gründen von Gemeinschaftsbüros, eventuell in den Technologiezentren – da ist vieles möglich.“

Hauptaufgabengebiet: das Netzwerken

Das Hauptaufgabengebiet von Unger ist also das Netzwerken, Fühler werden auch nach Ungarn und in die Steiermark ausgestreckt: „Die Zusammenarbeit mit Ungarn ist schwierig, weil oft die Entscheidungskompetenz fehlt. Aber auch die Steiermark ist interessant, vor allem für Jennersdorf.“

Unger weißt auch daraufhin, dass die Region, auch wenn sie infrastrukturell benachteiligt ist, relativ gute Voraussetzungen für Pendler bietet: „Ist die S7 fertig, fährt man in dieser Region eine dreiviertel Stunde nach Graz und 1,5 Stunden nach Wien. “

Dennoch sei seine Vision für die Region, Arbeit zu schaffen, damit die Menschen auch in der Nähe ihrer Heimat einen Job finden. Von der Idee des „Floridas von Österreich“ (Anmerkung: Region Güssing als „Alterswohnsitz“ für in die Jahre gekommene Städter) hält Unger nichts.

„Die Anbindung ans Verkehrsnetz ist für große Betriebe ebenso wichtig wie die Versorgung mit Breitbandinternet.“ Werner Unger

Für ihn sind Straßen die „Lebensadern der Region“ und Voraussetzung für die Ansiedelung neuer Betriebe: „Die Anbindung ans Verkehrsnetz ist für große Betriebe ebenso wichtig wie die Versorgung mit Breitbandinternet.“ Vor allem letzteres würde vielen Arbeitnehmern die Chance eröffnen, Arbeit von zu Hause aus erledigen zu können – Stichwort „home office“.

Aktuell ist Unger neben jeder Menge Netzwerkarbeit dabei, entlang des hochrangigen Straßennetzes sogenannte Wirtschaftscluster oder gemeindeübergreifende Gewerbeparks zu schaffen (siehe Infobox links): „Die Bürgermeister haben erkannt, dass sie als Einzelkämpfer weniger erreichen werden, als gemeinsam. Das Kirchturmdenken verschwindet langsam aus den Köpfen.“

Etwas Sorge bereitet ihm die Situation in Güssing, auch wenn es hier mit der Burg ein „Kleinod gibt, das nur belebt werden muss“: „Dazu finden bereits Gespräche mit verschiedenen Institutionen statt, mit dem Ziel, die Burg für Touristen attraktiver zu machen.“ Außerdem soll die früher weit über die Landesgrenzen hinaus strahlende „Ökostadt“ eine neue Identifikationsfigur bekommen: „Gespräche dazu laufen bereits.“