Rudolf Wolf: Leben für den Boden. Unternehmer Rudolf Wolf war einst ein „glühender Verfechter“ der Gentechnik. Mittlerweile hat sich das geändert.

Von David Marousek. Erstellt am 08. November 2020 (07:27)
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Rudolf Wolf gründete 2013 mit seiner Frau Parascovia „Seed and Tech“ in Rudersdorf. Unter anderem wird Saatgut behandelt.
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Vor sieben Jahren hat Rudolf Wolf im Rudersdorfer Industriegebiet seine Firma „Seed and Technology“ eröffnet. Der gelernte Maschinenbauer ist seit 1974 beruflich in der Landwirtschaft aktiv. Im damaligen Jugoslawien errichtete er Silos, später kam er zu einer Saatgutfirma und in weiterer Folge zog es den gebürtigen Deutsch Kaltenbrunner auch nach Amerika.

„Das waren damals noch verschiedene Welten“

2010 zog es Wolf dann nach Bulgarien und Rumänien, wo er auch seine heutige Frau und Geschäftsführerin der Firma, kennenlernte. Auch dort arbeitete der Deutsch Kaltenbrunner in der Landwirtschaft: „Da waren Welten zwischen den USA, Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien. Vor allem technologisch hätte es einen großen Unterschied gegeben.

Von der im Vormarsch befindlichen Gentechnik, war Wolf seinerzeit ein, wie er es beschreibt, „glühender Verfechter“. Das hat sich mittlerweile zum Teil verändert. „Ich bin jetzt kein Verfechter dagegen, aber ich bin auch unbedingt dafür“, erklärte Wolf. Er habe miterlebt, dass der Boden damit auf lange Sicht kaputt gehen würde. Auch deshalb habe er seine Firma gegründet. „Die Gentechnik wurde damals als Wunder der Zeit bezeichnet. Man schneidet etwas raus und gibt etwas anderes rein. Wir haben die Zusammenhänge einfach nie verstanden“, fasste Wolf zusammen. Nun fordert der Unternehmer, sich wieder auf die Böden zu konzentrieren und deren Qualität zu steigern.

Die Wasserspeicher der Böden sollen unter anderem über Humus wiederhergestellt werden. „Wir haben zwei Prozent Humus in fünf Jahren hinbekommen, früher hieß es immer, dafür bräuchte man eine ganze Bauerngeneration“, erklärte Wolf. Rückstände im Boden will er den Kampf ansagen und will mit seinen Produkten ein Begleiter von Bodenbearbeitung bis zur fertigen Pflanze sein.

Eigenes Labor in den nächsten Jahren geplant

Aktuell werden Proben in ein externes Labor geschickt und dort der Erfolg untersucht. In naher Zukunft soll das „inhouse“ erledigt werden. „Wir wollen in den nächsten ein, zwei Jahren, hier ein Labor drauf bauen“, fasst Wolf zusammen. Damit soll die eigene Produktion besser überprüft werden. Die Corona-Krise hat laut dem Unternehmer auch einen Vorteil: „Die Leute sind immer daheim und denken jetzt viel mehr darüber nach, was sie essen.“