Jennersdorf als Corona-Hotspot

Der einstige Musterbezirk ist aktuell schwer getroffen. Die Infektionszahlen schnellen in die Höhe. Eine Spurensuche.

Erstellt am 12. November 2020 | 05:12
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Siegmund Mihellyes verfolgt die Corona-Entwicklung live. 
Foto: David

Es ist aktuell ein Monat zum Vergessen für den Bezirk. Während Jennersdorf im Vormonat bezogen auf die Inzidenzen bundesweit noch den hervorragenden zweitniedrigsten Platz einnahm, ist der südlichste Bezirk des Burgenlandes nun vorne mit dabei. Am Dienstag betrug der Inzidenzwert pro 100.000 Einwohner 801,3- der höchste im gesamten Burgenland!

29 Betroffene in einem Pflegeheim im Bezirk

Auch ein Pflegeheim wurde zuletzt vom Coronavirus heimgesucht. Seitens des Koordinationsstabs Coronavirus, wird aktuell eine Ansteckung im privaten Umfeld vermutet. Auch Pflegeheime in den Bezirken Eisenstadt-Umgebung und Oberwart sind aktuell betroffen.

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Alle Heime wurden nach dem Auftreten der ersten Infektionsfälle durchgetestet. Infizierte Bewohner werden aktuell isoliert untergebracht, der Betrieb von allen drei Heimen bleibt aufrecht, es wurden jedoch Besuchssperren verhängt.

Woher die plötzlich explodierenden Zahlen kommen, ist zumindest in der Gemeinde noch nicht endgültig geklärt. Bürgermeister Reinhard Deutsch vermutet den Ursprung noch Ende Oktober: „Für mich ist das Ganze um den 24. Oktober explodiert. Da gab es noch viele Urlaube und einige sind noch weggefahren.“

Apotheker verfolgt live die aktuellsten Updates

Auch Stadtapotheken-Chef Siegmund Mihellyes kann sich die stark steigenden Zahlen nicht erklären: „Das müssen wir die Contact-Tracer fragen, woher das Ganze kommt. Anscheinend hängen wir aber sehr am steirischen Hartberg-Fürstenfeld dran.“

Der Apotheker verfolgt fast täglich das Covid-Dashboard der AGES. Dort werden die aktuellen Zahlen publiziert und grafisch aufbereitet. Aktuell komme es laut Mihellyes jedoch neben den Corona-Erkrankungen, auch zu vielen anderen Infekten: „Mir ist aufgefallen, dass aktuell sehr viele krank sind. Es sind etliche mit Fieber da. Die richtige Grippe kommt zu uns erst Mitte Dezember, aktuell sind es zusätzlich noch sehr viele grippale Infekte.“ Viele verwechseln im Volksmund auch die „richtige“ Grippe, mit einem reinen Infekt. Der Unterschied ist laut Mihellyes aber schnell erklärt: „Bei einer richtigen Grippe ist man komplett fertig, aber nicht schleimig, wie bei einem Infekt.“

Impfstoff lässt weiter auf sich warten

Zuletzt gab es erste Zwischenberichte bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. „Jens Spahn, der deutsche Gesundheitsminister, rechnet im ersten Quartal 2021 bereits mit einem Impfstoff“, erklärt der Stadtapotheker. Aktuell sorgt sich Siegmund Mihellyes um die Arzt-Situation in Jennersdorf:

„Wir werden ein Problem haben, wenn uns jetzt einer der beiden Allgemeinmediziner ausfällt.“ Laut Bürgermeister Reinhard Deutsch sei es aktuell schwierig, jemanden für die dritte Stelle zu finden, der auch in das Raster passt: „Die Besetzung ruht aktuell.“ Seit den Ruheständen der beiden Ärzte Peter Thomas und Josef Ehrne, wartet Jennersdorf weiter auf Mediziner. Seit April ordiniert Gerhard Hirschlehner zusätzlich im Ortskern.