Die Pensionswelle rollt im Bezirk Mattersburg an. In den kommenden zehn Jahren müssten 14 von 19 Allgemeinmediziner-Stellen im Bezirk zur Nachbesetzung gelangen.

Von Helga Ostermayer. Erstellt am 21. Februar 2018 (05:39)
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Pläne für Ärzte sind Teil des ÖVP-Wahlprogramms
APA (dpa/Symbolbild)

70 Prozent aller Kassenpraktiker im gesamten Burgenland werden in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand treten. Diese Zahl lässt sich auch auf den Bezirk Mattersburg umlegen, denn von den 19 Praktischen Ärzten gehen in den nächsten Jahren nicht weniger als 14 in Pension.

„Derzeit sind alle Kassenärztestellen in den Gemeinden des Bezirks mit Allgemeinmedizinern besetzt. 14 der 19 Ärzte werden aber in den nächsten zehn Jahren 65 Jahre alt und in die Pension wechseln. Also sind in den nächsten Jahren dreiviertel aller Stellen nachzubesetzen, denn nur fünf Ärzte haben das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten“, weiß der Direktor der Ärztekammer, Thomas Bauer.

Ärztin Ingrid Grafl. „Zu diesem Beruf gehört viel Liebe.“
BVZ, zVg

Die Nachbesetzung wird sich laut Bauer als schwierig erweisen. „Die Zeiten sind vorbei, wo sich gleich zwei Ärzte für eine Planstelle beworben haben“, so der Ärztekammer-Direktor.

Er bringt auch durchaus Verständnis für den Schwund an Allgemeinmedizinern auf, denn diese müssen durchschnittlich alle vier Tage und jedes vierte Wochenende Nachtdienst versehen.

Seit 32 Jahren ist Dr. Werner Karner, Jahrgang 1955, in Schattendorf als Praktiker tätig. Wie sieht er die Zukunft? „Es wird nicht leicht werden und man kann damit rechnen, dass die Betreuung nicht mehr in dem Maße gegeben ist, wie bisher“, vermutet er.

50 Prozent der Ärzte sind weiblich

„Als ich einstieg, gab es ein Überangebot an Ärzten und es war schwer, eine Stelle zu bekommen. Die Medizin liegt heutzutage zu 50 Prozent in weiblichen Händen. Diese sind neben dem Beruf auch oft noch mit Kindern eingesetzt und das macht Nachtdienste natürlich schwer“, fährt Karner fort.

Auch an der finanziellen Situation der Allgemeinmediziner müsste, laut Karner, eine deutliche Verbesserung vorgenommen werden, sowie eine Entbürokratisierung in den Ordinationen einsetzen, um den Arztberuf attraktiver zu machen. Werner Karner rät trotzdem jedem jungen Menschen, der einen abwechslungsreichen Beruf möchte und sich in der Lage fühlt, rasch wichtige Entscheidungen zu treffen, den Beruf des Allgemeinmediziners zu wählen.

Dr. Ingrid Grafl, seit 30 Jahren Praktikerin in Mattersburg, stößt in das gleiche Horn. Auch sie betont, dass mehr Geld und der Abbau von Schreibarbeiten ein Anreiz für junge Ärzte sein könnte. „In seiner Vielfalt ist dieser Beruf wunderschön, aber es gehört sehr viel Liebe dazu“, sagt sie.

In Mattersburg wird ab Mai eine Akutordination eingerichtet, die von den Patienten wochentags zwischen 17 und 22 Uhr in Anspruch genommen werden kann, diese wird die Allgemeinmediziner in der Nacht entlasten. Ärztekammer-Präsident Michael Lang sieht in solchen Maßnahmen der Politik einen ersten, wichtigen Schritt gegen den drohenden Ärztemangel: „Die angekündigten Anschub-Finanzierungen für Jungärzte, die sich in Gemeinden niederlassen wollen, bringen akut sicher die schnellste Hilfe.“ Weitere Pläne, wie Stipendien für Medizinstudenten, seien „nur“ auf lange Sicht hilfreich.