Jubiläum für Neudörfler Moser: 40 Jahre in der Gewerkschaft

Erstellt am 26. August 2022 | 05:18
Lesezeit: 4 Min
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Seit 40 Jahren ist der ehemalige Angestellte im technischenService der ÖBB, Gerhard Moser, Mitglied in der Gewerkschaft. Zum Jubiliäum gab es auch ein paar kleine Präsente.
Foto: zVG
Gerhard Moser zählt zu den rund 1,2 Millionen Mitgliedern des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Beigetreten ist er 1982, weshalb er heuer 40 Jahre Treue gegenüber der Interessenvertretung feiern kann.
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Für diese Treue gab es vom ÖGB auch eine kleine Aufmerksamkeit in Form einer Sondermünze, einer Anstecknadel und einer Urkunde. Eine Bootsrundfahrt am Neusiedler See, die ebenfalls im Geschenkpaket enthalten gewesen wäre, musste Gerhard Moser allerdings an sich vorüberziehen lassen. „Ich war leider selbst auf Urlaub.“

„Bis zu meinem 22. Lebensjahr hatte ich mit der Gewerkschaft eigentlich gar nichts am Hut.“

Als Gerhard Moser 22 Jahre war, trat er der Gewerkschaft bei. Als Angestellter beim technischen Service der ÖBB (Österreichischen Bundesbahnen) war es damals noch die Interessensvertretung der Eisenbahner. Seit 2006 sind die Eisenbahner in der Teilgewerkschaft VIDA (Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft) mit anderen Fachbereichen wie Gesundheit, Soziale Dienste oder Tourismus zusammengefasst.

„Bis zu meinem 22. Lebensjahr hatte ich mit der Gewerkschaft eigentlich gar nichts am Hut“, erinnert sich Moser. „Dann ist jemand an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich nicht auch beitreten möchte. Ich habe gesagt: ‚Okay, gehe ich eben dazu.‘“

Der Schritt, der zu Beginn vielleicht nicht mit voller Überzeugung gesetzt wurde, ist es im Lauf der Jahre dann immer mehr und mehr geworden. „Heute bin ich in Pension, aber durch und durch überzeugter Gewerkschafter.“

Für Gerhard Moser ist deshalb die gewerkschaftliche Idee im Jahr 2022, obwohl der Organisationsgrad innerhalb des ÖGB von 62 Prozent im Jahr 1981, also kurz vor seinem eigenen Beitritt, auf aktuell 30 gesunken ist, bedeutender und aktueller denn je. „Schon alleine wegen der Verhandlungen zu den Kollektivverträgen. Durch die Inflation und die Energiekrise bleibt den Menschen immer weniger Geld übrig. Deshalb braucht es eine starke Gewerkschaft, die faire Löhne aushandelt.“

„Tretet der Gewerkschaft bei, dann habt ihre eine ordentliche Interessensvertretung. “ Gerhard Moser Gewerkschaftsmitglied

Der Rückgang im gewerkschaftlichen Organisationsgrad (die absoluten Zahlen bewegen sich seit Jahren hingegen konstant um die 1,2 Millionen herum) ist für Gerhard Moser ein Grund zur leichten Besorgnis.

Warum die Prozentzahlen zurückgegangen sind, darüber kann er nur Vermutungen anstellen: „Ich denke, dass jüngere ArbeitnehmerInnen die Errungenschaften der Gewerkschaften vielleicht einfach als selbstverständlich ansehen. Dazu zählen zum Beispiel das Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Urlaubszeiten oder auch der Arbeitnehmerschutz, der während der Corona-Zeit wieder zu einem sehr wichtigen Thema wurde. Ohne Gewerkschaft und auch Arbeiterkammer gäbe es das alles nicht.“

Moser war zudem nicht nur vierzig Jahre lang – und bleibt es weiterhin – braver Mitgliedsbeitragszahler, er war auch 25 Jahre als Betriebsrat aktiv und somit maßgeblich mit eingebunden, dass für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen innerhalb der ÖBB optimale Arbeitsbedingungen vorherrschen. Dafür hat er auch die Betriebsräteakademie, die insgesamt 16 Wochen lang auf Internatsbasis dauerte, absolviert.

„Durch die Arbeit im Betriebsrat ging natürlich auch viel Freizeit verloren. Ich habe zum Schluss ein Gebiet betreut, das bis nach Villach ging. Dann war man nicht um 16 Uhr daheim, sondern erst um acht Uhr am Abend. Am nächsten Tag bist du dann trotzdem wieder arbeiten gegangen, das war normal.“ Zwölf der 25 Jahre Betriebsratstätigkeit war Gerhard Moser auch als Laienrichter am Arbeits- und Sozialgericht in Wr. Neustadt tätig.

Während all der Zeit hat Moser fünf verschiedene ÖGB-Präsidenten erlebt (Anton Benya, Fritz Verzetnitsch, Rudolf Hundstorfer, Erich Foglar und Wolfgang Katzian). Den aktuellen Präsidenten, Wolfgang Katzian, empfindet er gleichzeitig als den besten, „weil er mit der Zeit mitgeht. Roman Heben-streit, den Vorsitzenden der VIDA, bewundere ich auch. Ich durfte ihn persönlich kennenlernen und seinen Weg, vom Betriebsrat bei den Lokführern in Graz bis zum VIDA-Vorsitzenden, mitverfolgen.“

An einen Austritt aus der Gewerkschaft, wie das zum Beispiel während der BAWAG-Affäre in größerem Umfang geschah, hat Moser nie gedacht. „Das war für mich kein Thema, auch nicht jetzt in der Pension.“ Selbiges galt übrigens auch für seinen Vater, Karl Moser, der über 60 Jahre Mitglied der Bau und Holz Gewerkschaft war. Aus seiner langjährigen Erfahrung appelliert Gerhard Moser deshalb an alle, aber vor allem an die junge Generation: „Tretet der Gewerkschaft bei, dann habt ihre eine ordentliche Interessensvertretung.“

Leidenschaftlich gerne widmet sich Gerhard Moser auch der Musik. Heuer hatte er als Schlagzeuger mit Constantin Luger und der Kaisermelange sogar einen Auftritt am Donauinselfest auf der younion-Bühne. „Das war sicherlich ein persönliches musikalisches Highlight für mich.“ Möglich gemacht hat es – ja, auch die Gewerkschaft.

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