Lehrlingsmangel: „Müssen etwas tun“. Berufsschule lud zur Podiumsdiskussion, um auf drohenden massiven Facharbeitermangel aufmerksam zu machen.

Von Bettina Eder und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 26. Januar 2017 (05:44)
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Diskussion. Heinz Josef Zitz, Astrid Eisenkopf, Ingrid Salamon, Markus Plattner, Roland Promintzer, Peter Maier, Gerhard Michalitsch, Ingrid Puschautz-Meidl, Stefan Hofer und Johannes Fenz.
Jessica Bauer etc.

„Die Situation, dass die Lehrlinge im Burgenland und auch im Bezirk in den letzten Jahren immer weniger wurden, ist schon lange bekannt, doch wir sind der Meinung, dass das verändert werden muss. Wir müssen etwas tun“, stellte Julius Steiner, der Direktor der Berufsschule Mattersburg, den Grund für seine prominent besetzte Podiumsdiskussionsrunde fest. Die Zahlen von AMS sowie der Wirtschaftskammer geben ihm recht: Die Lehrlingszahlen im Bezirk Mattersburg sind von 2005 bis 2016 zwar insgesamt nur leicht von 319 auf 302 gefallen, dennoch zeigt ein genauer Blick, dass 2016 ganze 65 davon im BFI, also überbetrieblich ausgebildet werden. Bleiben also nur 237 junge Menschen im Bezirk, die bei einem Unternehmen einen Lehrlingsvertrag und damit einen Job haben. Das bedeutet einen Rückgang der Lehrstellen um fast ein Drittel innerhalb von elf Jahren.

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Die Anzahl der Lehrbetriebe ist im gleichen Zeitraum um mehr als 22 Prozent gesunken. Burgenlandweit sogar um fast ein Drittel.

„Wir diskutieren gerade betriebsübergreifende Zusammenarbeit zur Lehrlingsausbildung“

WK-Vizedirektor Harald Schermann

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Lehre attraktiver werden müsse, sonst drohe vielen Unternehmen bald ein massiver Facharbeitermangel. Einmal mehr wurde betont, dass neue Ausbildungsmodelle wie Berufsschule mit Maturaabschluss die Lehre attraktiver machen könnten. In dieselbe Kerbe schlägt auch Peter Schedel von Bauwelt-Koch, einem der TOP-Lehrbetriebe des Bezirkes: „Immer mehr entscheiden sich für höhere Schulen.“ (siehe auch die Rubrik „Warum“ auf Seite 13) Es läge also am Image. Doch auf genau dieses zielen seit Jahrzehnten diverse Kampagnen, scheinbar erfolglos. Warum, darauf weiß auch Wirtschaftskammer-Vizedirektor Harald Schermann keine Antwort, dennoch „da müssen wir dran bleiben“.

Viele Wege. Peter Pauschenwein mit seinen Lehrlingen: „Nur weil ich als Vater oder Mutter selbst studiert habe, heißt das nicht, dass das auch das Kind muss. Kreativität kann man auf vielen Wege zur Geltung bringen, ganz besonders auch in der Lehre.“
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Doch es sei im Land eine „Gegenbewegung zu beobachten. Die Zahl der Lehrbetriebe sinkt im Burgenland nicht mehr, sondern stagniert und bei den Lehranfängern haben wir sogar ein Plus.“ Er setzt mit seiner Interessensvertretung aber auch bei den Lehrbetrieben an: „Die Lehrpläne sind komplexer geworden. Viele kleine Betriebe können nicht alles lehren. Wir diskutieren deswegen betriebsübergreifende Zusammenarbeit.“ Bedeutet: Unternehmen der selben Branche mit unterschiedlichen Schwerpunkten „tauschen“ ihre Lehrlinge für bestimmte Zeiträume.

Pauschenwein: „Geben und Nehmen“

Ein „begeisterter“ Lehrherr ist Peter Pauschenwein. In seinem Tischlereibetrieb in Wiesen werden seit 26 Jahren Lehrlinge ausgebildet. Pauschenwein definiert die Formel seines Lehrlingserfolges so: „Ich habe festgestellt: Wenn man sich als Lehrherr entsprechend engagiert, sind auch die Lehrlinge engagiert. Junge Leute sind wissbegierig und wollen lernen. Wenn ein Betrieb selbst Lehrlinge ausbildet, ist das ein Geben und Nehmen zwischen Firma und Lehrlingen. Ich halte es für zehnmal besser, die jungen Leute selbst auszubilden als die Ausbildung einer Lehrwerkstätte zu überlassen. Bei mir im Betrieb kann ich die jungen Leute maßgeschneidert für meine Firmenbedürfnisse ausbilden. Ziel vieler Lehrwerkstätten ist es lediglich, dass die Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung schaffen.“

Zur Frage, ob die jungen Leute auch ausreichend motiviert sind: „Ein Auf- und Ab gibt es immer. Das ist natürlich auch der Pubertät geschuldet. Doch ich sage den Lehrlingen: „Liebe Leute, ihr müsst etwas Lernen, denn mit dem, was du hier lernst, musst du deinen Lebensunterhalt bestreiten. Den Lehrlingen muss bewusst gemacht werden, was fehlt mir zum Beruf, dementsprechend muss ich mich als Lehrherr engagieren. Die Zeit der Ausbildung funktioniert nur dann reibungslos, wenn auch die Eltern unterstützend mit im Boot sind.“