Siglesserin bei Anschlag in Wien: „War so surreal“. Siglesserin war nur wenige Minuten vor dem Anschlag am Tatort des Anschlages.

Von Richard Vogler, Viktoria Sieber, Markus Kaiser und Doris Fischer. Erstellt am 05. November 2020 (08:44)
Terror in Wien
Thomas Lenger, Monatsrevue

Minuten vor dem Anschlag war die gebürtige Sigleßerin Lena Fischer, die jetzt in Wien wohnt, in der Rotenturmstraße beim Fleischmarkt, einem der Tatorte des Terrorattentäters, unterwegs.

Sie war auf dem Weg zu Freunden, die in Schwedenplatznähe wohnen. „Schüsse habe ich nicht gehört, aber die Schreie. Und es waren so viele Rettungsfahrzeuge und Polizei unterwegs. Es war alles so surreal“, beschreibt sie die bangen Stunden. Erst später wurde ihr bewusst, was ihr eigentlich alles hätte passieren können, wäre sie ausnahmsweise nicht pünktlich unterwegs gewesen. Sie wollten sich um halb acht treffen. „In der Rotenturmstraße waren so viele Leute unterwegs, die Schanigärten waren übervoll. Auch wir hätten ursprünglich noch vor dem Lockdown auf einen Cocktail gehen wollen, haben uns dann für einen Movieabend bei Freunden entschieden“, ist sie noch sichtlich geschockt.

Vom Fenster aus das Geschehen verfolgt

Vom Fenster aus hat sie mit ihren Freunden das Geschehen am Schwedenplatz verfolgt. Einsatzkräfte der Wega und Polizisten rannten an ihnen vorbei zur U-Bahnstation, wo Verletzte versorgt wurden. Die U-Bahn war abgeriegelt. „Überall Blaulicht und Sirenen. Das Bild vergesse ich nicht so schnell“, ist sich Lena Fischer sicher. Einen Tag nach der schrecklichen Tat saß der Schock noch tief. Unverständlich ist ihr aber die „Gleichgültigkeit“ der Menschen. „Die joggen oder fahren Rad hier, als ob nichts gewesen wäre. Ein Wahnsinn“, ist sie fassungslos. Sie bleibt auf jeden Fall noch mit ihren Freunden in der Wohnung, bis sich die Lage beruhigt hat. Denn die Polizeipräsenz am Tag danach ist immer noch sehr groß.

Der 37-jährige Lukas Hrdlicka war mit Bekannten während des Anschlags in einem Lokal in der Innenstadt. „Innerhalb kürzester Zeit war enorm viel Polizeipräsenz vor Ort, große Angst kam bei uns nicht auf. Wir mussten nicht lange im Lokal verbleiben, um 23 Uhr waren wir wieder zu Hause“, berichtet Hrdlicka, der aus Wiesen stammt und in Wien wohnt.

„Sehr viel Angst und sehr viel Leid“

Vom Fenster seiner Wohnung aus verfolgte Dominik Orieschnig, Leiter des Bischöflichen Sekretariates der Diözese Eisenstadt, die Ereignisse in der Wiener Innenstadt: Er berichtet von stundenlanger großer Unruhe in der Stadt, Sirenen und aufgeregte Menschen: „Sehr viel Angst und sehr viel Leid“ seien spürbar gewesen.
Nur unweit vom Ort des Attentats entfernt war eine 19-jährige Donnerskirchenerin, „Wir waren fünf Gehminuten vom Schwedenplatz entfernt, als wir Schüsse hörten. Die Leute liefen panisch herum, keiner hat sich in diesem Moment ausgekannt.“ Es dauerte nicht lange, bis die Polizei da war. „Sie haben uns in Seitenstraßen geordert. Wir sollten uns am Boden in geschlossene Räume begeben oder in ein Lokal. Auf der Straße haben wir Polizeibusse gesehen und Cobra-Einsatzkräfte, auch Rettungswägen waren unterwegs.“ In einem Fast-Food-Lokal fanden sie vorübergehend Platz. Die Nacht verbringen konnten die Mädchen schlussendlich im geschützten Bereich einer Feuerwache in Wien, da der Vater der Donnerskirchenerin bei der Berufsfeuerwehr Wien tätig ist.