Heilung aus der Vorratskammer. Hausmittel zur Bekämpfung von kleinen Wehwechen oder zur Stärkung der Gesundheit haben sich Jahrhunderte lang bewährt. Manuela Stricker kennt sie (fast) alle.

Von Christian Artner. Erstellt am 01. März 2020 (03:33)
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Manche werden den Schmalzfleck noch kennen, einige andere – wahrscheinlich vorwiegend aus der jüngeren Generation – höchstens dadurch, dass sie ihn in ihrer Kindheit hin und wieder bekommen haben. Der Schmalzfleck ist ein allbewährtes Hausmittel gegen Husten, Bronchitis und alle möglichen Erkältungserscheinungen. Wobei die These, dass er gar nicht mehr so geläufig ist, nicht unbedingt stimmen muss.

„Ich würde sagen, dass solche und auch andere Hausmittel seit einiger Zeit wieder stärker im Kommen sind. Natürlich kommt es auch auf das persönliche Umfeld an, wie viel Wert seit jeher auf so etwas gelegt wurde. Bei uns in der Familie hieß es bei Husten aber immer: Schmalzfleck auflegen“, erzählt die Forchtensteinerin Manuela Stricker. Sie ist zertifizierte Kräuterpädagogin und leitet am Freitag im Millenniumssaal in Baumgarten den Workshop „Alte Hausmittel – fast vergessen, aber bestens bewährt“.

Wissen über Heilkräuter aus der Tierwelt

Vielen wird es vielleicht ähnlich gehen: Wenn etwas zwickt, drückt oder schmerzt und es Sonntag oder bereits nach Ladenschluss ist und Apotheken oder Ärzte bereits geschlossen haben, sucht man im Internet nach Möglichkeiten, um Abhilfe gegen sein Leid zu schaffen und stößt dort nicht selten auf die spannendsten Rezepte, bei denen lediglich der Kühlschrank oder die Vorratskammer durchstöbert werden muss, um das das richtige Heilmittel zu finden. „Hausmittel heißen nicht nur deswegen Hausmittel, weil man sie daheim anwenden kann, sondern weil man alle Zutaten, die man dafür braucht, meistens zuhause hat. Jeder hat Essig, Salz, Zwiebeln oder Zitronen griffbereit“, sagt Stricker.

Hausmittel sind also bequem in der Anwendung und wirken oft wahre Wunder. „Wenn man von einer Wespe gestochen wird, schneidet man einfach eine Zwiebel auf und gibt sie, nachdem man den Stachel entfernt hat, auf die betroffene Stelle. Das ist eine gute Erstversorgung, weil die Zwiebelenzyme helfen, die Entzündungen abzubauen und den Juckreiz zu mildern.“

Nicht jede Wirkung eines Hausmittels ist dabei auch lückenlos wissenschaftlich belegt. Sie stammen aus der Volksmedizin und basieren auf Erfahrungswissen, das von Generation zu Generation in den Familien, teilweise über Jahrhunderte hinweg, weitergegeben wurde. Bei Heilkräutern gewannen die Menschen früher auch einige Erkenntnisse aus der Tierwelt, erklärt Stricker. „Wenn Schafe einen verstimmten Magen hatten, haben sie zum Beispiel ein Kraut gegessen, die Schafgarbe. Aus diesen Beobachtungen und durch Selbstversuche hat man geschlossen, dass diese Kräuter vielleicht auch für den Menschen nützlich sein können.“

Wie viele unterschiedliche Hausmittelchen es gibt, lässt sich naturgemäß schwierig bestimmen. Der erfahrenen Expertin begegnen aber auch heute noch in Gesprächen neue Rezepte. „Erst kürzlich war eine Frau aus Polen bei einem Workshop, die mir ein altes Hausmittelrezept ihres Großvaters beschrieben hat. Dieser hat frische Fliegenpilze in Alkohol angesetzt und mit der Tinktur seine schmerzenden Gelenke behandelt. Das hatte ich vorher so noch nie gehört. Ein jeder erzählt, was in seiner Familie Tradition hat. Und so kommt man auf die interessantesten Anwendungen.“

Zahnpflege mit Heilerde und Zitrone

Beim Workshop am Freitag wird, um auch noch die letzten Wochen der trüben Jahreszeit, schnupfenfrei über die Runden zu bekommen, im ersten Teil ein Schwerpunkt auf Erkältungskräuter gelegt. „Majoran, Thymian oder der Huflattich. Der blüht nämlich jetzt schon. Ich werde aber auch auf Nadelbäume und ätherische Öle von Fichte, Tanne und Kiefer eingehen.“ In einem zweiten Teil geht es um die klassischen Hausmittel wie eben Essig, Salz, Natron, Honig und Co. Gemeinsam werden anschließend Proben gemixt, etwa ein Morgen-Essigwasser oder ein Zahnpflegeprodukt, in dem Heilerde, Zitrone und Nana-Minze vermischt werden.

Inzwischen ist der Workshop leider bereits ausgebucht. Interessierte Gemeinden können Manuela Stricker aber gerne für weitere Vorträge und Workshops buchen, damit das alte Volkswissen über bewährte Hausmittel auch bei uns nicht in der Versenkung verschwindet.