55-Jähriger drohte: „Setze 300 Euro Kopfgeld aus“. In der Ambulanz werde man den „Gips mit der Mischmaschine“ machen müssen, kündigte ein 55-Jähriger an.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 05. Dezember 2018 (04:22)
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Symbolbild: Bilderbox

An Deutlichkeit mangelte es den Postings und Videobotschaften des 55-jährigen Pensionisten nicht: Er werde ihn, ließ er einen 19-jährigen Mann, der in derselben Ortschaft wie er lebt, am 23. Juni 2018 wissen, „dreschen“, bis man in der Unfallambulanz den Gips mit der Mischmaschine machen müsse, und er setze 300 Euro „Kopfgeld“ auf ihn aus.

Verhandlung. Richterin Karin Lückl leitete den Prozess.
Kirchmeir

Auf einem Video, auf dem diese Drohung dokumentiert ist, soll der Pensionist mit einem Jagdmesser hantieren. Vorige Woche musste sich der vorbestrafte 55-Jährige wegen des Vorwurfs der gefährlichen Drohung vor Richterin Karin Lückl verantworten. Vor Gericht wirkte der Angeklagte siegessicher und selbstbewusst. Das mit dem Jagdmesser hätten der Adressat seiner Drohungen und dessen Familie „nicht ganz verstanden“, erläuterte er. „Ich habe ihm angeboten, dass ich ihm damit den Hodensack rasiere“, erklärte er. „Wo da die gefährliche Drohung ist, weiß ich nicht, aber bitte!“, fügte er hinzu. Der Angeklagte behauptete, er sei von dem 19-Jährigen beleidigt und beschimpft worden. Er erzählte vor Gericht von seinem „gefladerten Gartenzwerg“ mit integrierter Kamera, von seinem beschädigten Briefkasten und einem Holzpflock, der ihm nachgeworfen worden sei.

„...dass sie ihm eine in die Gosch‘n hauen“

Er gab zu, in einem Videoposting angekündigt zu haben, dass er jemanden dafür bezahlen würde, „dass sie ihm eine auf die Gosch’n hauen“, so der Pensionist vor Gericht. „Warum veröffentlichten Sie diese Postings?“, wollte Richterin Karin Lückl wissen. „Wissen Sie, was Psychoterror ist?“, fragte der Angeklagte zurück. Und er fügte, ohne nachvollziehbaren Zusammenhang, großspurig hinzu: „Wenn die Frau Staatsanwalt bei uns bei einem Fußballmatch ist, kommt sie mit dem Anzeigenschreiben nicht nach.“

„Haben Sie sich gefürchtet?“, fragte die Richterin den 19-Jährigen. „Ja“, bestätigte dieser. „Das geht schon länger. Aber so schlimm wie damals mit den Videos war es noch nie.“ Beschimpft habe er den Angeklagten noch nie, so der Zeuge. „Ich will meine Ruhe haben.“ Ein Polizist berichtete, er habe den Angeklagten einmal aus dem Posten geworfen, weil dieser zu schreien begonnen hatte. „Sie sagten, Sie brauchen uns nicht, Sie werden sich selbst helfen!“, hielt der Polizist dem Angeklagten vor. Der Pensionist wurde zu 480 Euro Geldstrafe und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und kündigte umgehend „Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung“ gegen das Urteil an.