FPÖ-Bezirkschef Alois Artner tritt aus Partei aus. Der Wiesener, über 20 Jahre aktives Parteimitglied, kehrt der FPÖ nun den Rücken. Auch Christian Spuller ist nun aus der Partei ausgetreten.

Von Richard Vogler. Erstellt am 20. Mai 2021 (05:15)
Differenzen. FPÖ-Bezirkschef Alois Artner und sein Vorgänger Christian Spuller (Bild unten)  sind nicht mehr Mitglieder der FPÖ. Einer der Gründe dafür sind Differenzen mit Landesparteiobmann Alexander Petschnig.
BVZ / zVg, BVZ / zVg

Seit geraumer Zeit ist die FPÖ Burgenland gespalten: Auf der einen Seite das Lager von Geza Molnar, auf der anderen jenes von Landesparteiobmann Alexander Petschnig und Klubobmann Hans Tschürtz. Austritte und Rauswürfe auch im Bezirk Mattersburg folgten. Nun ist auch Ex-Bezirksobmann Christian Spuller (dessen Ausschlussverfahren ist im Laufen, er hat bereits die „Liste Zukunft Forchtenstein“ gegründet) und auch sein Nachfolger Alois Artner aus der Partei ausgetreten.

„Diese Art der Parteiführung kann ich weder aktiv als Funktionär noch als Parteimitglied weiterhin unterstützen: Die zutiefst antidemokratische und damit schädliche Art der Parteiführung zerstört zunehmend die langjährig und mühsam aufgebauten Strukturen der FPÖ Burgenland. Sowohl die vielen (provozierten) Rücktritte, Austritte und Parteiausschlüsse quer durch alle Bezirke und Vorfeldorganisationen durch den Landesparteiobmann in den letzten Monaten zeichnen ein klares Bild dieser Situation. Anstatt einzulenken und aufeinander zuzugehen, wird seitens der Parteiführung weiterhin aktiv der Konflikt geschürt“, begründet Spuller in einer Aussendung seine Entscheidung, alle Funktionen zurückzulegen und als Mitglied aus der FPÖ Burgenland auszutreten.

Artner über 20 Jahre aktives FPÖ-Mitglied

Nur wenige Tage später folgte der amtierende Bezirksobmann Alois Artner, auch er legte seine Funktion mit sofortiger Wirkung zurück und trat aus der Partei aus. Artner war über 20 Jahre aktives Mitglied in der FPÖ Burgenland. Seit 1997 – ohne Unterbrechung – als Gemeinderat in Wiesen tätig und war auch schon mehrere Jahre Bezirksparteiobmann in Mattersburg.

Begründet wird dieser Schritt von Artner dadurch, dass er die Art der Parteiführung durch das Duo Petschnig/Tschürtz einfach nicht mehr länger unterstützen kann. „Wer glaubt, eine Partei, die überwiegend durch Ehrenamtliche getragen wird, durch Einschüchterung, Intrigen, rücksichtloses Drüberfahren und Rauswürfen führen zu können, der ist am Irrweg und das möchte ich nicht unterstützen“, sagt Artner.

„Es wird mit zweierlei Maß gemessen, das kann und darf so nicht sein.“Alois Artner

Über die Ereignisse der letzten Monate seit dem Amtsantritt von Petschnig als Landesparteiobmann zeigt sich Artner erschüttert: „ Während sich Tschürtz nach wie vor alles erlauben kann in der Partei, werden andere wegen Kleinigkeiten und oft konstruierten Dingen sofort aus der Partei ausgeschlossen, ohne vorher das Gespräch zu suchen. Es wird mit zweierlei Maß gemessen, das kann und darf so nicht sein.“ Die Parteiausschlüsse sind für Artner zwar ein gravierender, aber nur ein Aspekt, welcher für ihn inakzeptabel ist: „Vom Rauswurf der Parteijugend aus der Landeszentrale, über den Entzug von Stimmrechten der Vorfeldorganisationen im Parteivorstand, bis hin zur Verweigerung von Diskussionen innerhalb der Partei und dem Zulassen von anderen Meinungen, ist in der Zwischenzeit vieles nicht mehr tragbar und hat mit den freiheitlichen Grundwerten nichts mehr zu tun“, sagt Artner weiter.

BVZ

„Ich war in der Zwischenzeit bereits der einzige Bezirksparteiobmann, der nicht von Tschürtz ausgeschlossen wurde oder welcher nicht aus Frust die Partei freiwillig verlassen hat“, erläutert Artner und erwähnt dabei folgende Namen aus dem Bezirk Mattersburg: Peter Pregl (ausgetreten), Herbert Schütz (ausgeschlossen), Paul Strobl (ausgetreten), Sigi Steiner (ausgetreten), Christian Spuller (ausgetreten), Claudia Schweiger-Bollmann (ausgeschlossen – Verfahren offen), Ernst Gerdenitsch (ausgetreten), Uwe Hauer (ausgetreten). „Da kann sich jeder selbst ein Bild über die schon seit längerem untragbaren Zustände in der Partei machen“, so Artner. Geht es nach Landeschef Alexander Petschnig, so sind dies „große Worte, die mit der Realität nichts zu tun haben. Spuller ist im Jänner aus der Partei ausgeschlossen worden. Das Ausschlussverfahren ist zwar noch im Laufen, hat aber trotzdem keine aufschiebende Wirkung, er ist de facto seit Jänner kein Mitglied mehr. Er hat auch eine eigene Liste gegründet. Dies ist eigentlich ein freiwilliger Austritt.“

„Fakten, die ein Zurück unmöglich machen“

Auf den Austritt von Artner angesprochen, hält Petschnig folgendes fest: „Alois Artner ist der Schwiegervater von Christian Spuller, die Familienpate zählt anscheinend mehr.“ Jenen Vorwurf von Artner, dass man nicht auf ihn zugegangen sei, dementiert Petschnig. „Dies ist nicht richtig. ich habe eine Sitzung einberufen auch Artner und Spuller waren dabei. Ich denke, es war ein gutes Gespräch, was auch Artner gesagt hat. Es hätte noch eines mit Norbert Hofer gegeben, er jedoch abgesagt, wie er erfahren hat, dass es eine eigene Liste gibt. Es sind Fakten geschaffen worden, die ein Zurück unmöglich machen.“