Gastronomie im Lockdown: „Müssen jetzt büßen“. Die Gastronomie ist wiederum eine der Leidtragenden der steigenden Corona-Zahlen. Einige Gastronomen aus dem Bezirk Mattersburg äußern sich zum zweiten Lockdown in ihrer Branche.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 06. November 2020 (04:23)
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Die letzten Biere wurden am Montag ausgeschenkt. Bis Ende November – so der derzeitige Stand – sind die Wirtshäuser geschlossen.
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Hans-Peter Reichl, Wirt „Cafè-Restaurant Reichl“ Schattendorf: „Es ist natürlich nicht gut für uns, wenn jetzt wieder zugesperrt ist. Ich glaube, dass die Infektionszahlen durch die Schließung der Gastronomie in unserem Land nicht viel sinken werden, weil sich ja ohnehin alle, Wirte und Gäste, schon von Anfang an sehr diszipliniert an die Vorgaben halten. Wir führen jetzt wieder Liefer- und Abholservice ein, ab Donnerstag gibt es auch Martiniganseln. Dass der Handel offen bleiben darf, wundert mich schon, weil hier ist die Infektionsgefahr wesentlich größer, daher meine ich, dass das nicht gerecht ist. Die Zukunft sehe ich trotzdem positiv, aber der November tut uns schon sehr weh, weil viele Feiern abgesagt wurden. Da die Vorweihnachtszeit eine starke Zeit für uns ist, hoffen wir, dass im Dezember unser Lokal wieder aufsperren wird können und das Geschäft halbwegs normal läuft. Mit den 80 %, die uns die Regierung anbietet, sind wir zufrieden. Wir brauchen keine Mitarbeiter zu kündigen, sie gehen in Kurzarbeit. Schon beim ersten Lock-Down haben wir Fixkostenzuschüsse bekomen und eine Kurzarbeitsentschädigung.“

Walter Franschitz, Wirt vom Gasthaus Franschitz in Baumgarten:

„Ich verstehe das nicht, weil in der Gastronomie bei uns kein einziger Cluster vorgekommen ist. Wir müssen jetzt büßen, weil sich so viele Menschen nicht an die Vorgaben gehalten haben. Wir werden weiterhin Kindergärten und Schulen beliefern und auch Private können Essen – auch Gansl gibt es kommendes Wochenende - bei uns bestellen und abholen. Gerecht ist es sicher nicht, dass der Handel offen lassen darf, vor allem die Bekleidungsgeschäfte müssten nicht offen halten dürfen. Es kann durchaus sein, dass dieses Hin- und Her noch ein paar Mal so geht, denke ich. Die Regierung hilft eh, wo es nur geht, einmal haben wir aber nur 500 Euro bekommen, da waren nicht einmal die Stromkosten gedeckt damit, das war nicht lustig für uns. Mit der 80%-Regelung kann man durchaus überleben, aber das Geld sollte schnell und unkompliziert fließen.“

Heinz Döller, Probuskeller Heurigenweingut Neudörfl:

„Natürlich ist die Gesundheit das oberste Gebot. Ich sehe es aber nicht ganz ein, dass Heurigenrestaurants oder Restaurants, die sich streng an die Vorschriften bezüglich Luftaustauch usw. halten, auch wieder zusperren müssen.“ Für Döller wäre es eine bessere Option gewesen, zu differenzieren: „Natürlich ist mir aber auch klar, dass dann Diskussionen entstehen würden, warum darf jener offen halten und ich muss schließen.“ Zur 80-Prozent-Regelung sagt Döller: „Es hat geheißen bis zu 80 Prozent. Am Ende werden es wahrscheinlich weniger sein. Außerdem müsste die Hilfe schneller kommen. Beim letzten Lockdown haben wir drei Monate lang die Löhne selbst bezahlt, bis schließlich das erste Geld gekommen ist.“ Einen Lieferservice gibt es bei Döller keinen, am 6. Jänner soll es aber als kleinen Event einen Christbaumhoch- und weitwurf geben.

Peter Wittmann, Heurigenrestaurant Neudörfl:

„Es wird wieder sehr schwer werden, vor allem auch weil wir jetzt das Weihnachtsgeld am Ende des Monats überweisen müssen, wir aber einen Monat lang wieder keine Einkünfte haben. 80 Prozent vom Vorjahresumsatz sind zwar prinzipiell in Ordnung, aber das Gebot muss lauten: wer schnell hilft, hilft doppelt. Ich warte immer noch auf die Härtefallzahlungen vom Mai. Wenn es wieder sechs Monate dauert, werden viele es wirtschaftlich gesehen nicht überlegen“

Ganz nachvollziehbar ist es für Wittman nicht, dass wieder die Gastronomie als erstes zum Handkuss kommt. Große Cluster in der Speisegastronomie seien selten: „Darum ist das meiner Ansicht nach ein bisschen übertrieben, wieder die ganze Branche zuzusperren.“ Wittmann bietet einen Liefer- und Abholservice an.

Gabi Schandl vom Stegschandl in Pöttelsdorf: „Natürlich freuen wir uns nicht darüber, dass wir schließen müssen, aber es ist notwendig und die Gesundheit geht vor! Wir als Betrieb haben unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, aber sehen keinen Grund, uns sorgen über die Zukunft zu machen. Wir überleben die Krise schon. Bis dato haben wir keine Förderungen angefordert und werden uns erst in den Wintermonaten darüber informieren, was und wie viel wir bekommen könnten. Weiters haben wir seit heute einen Abhol-Service, wie schon beim ersten Lockdown, für unsere Gäste ins Leben gerufen. Wir versuchen unsere bestellten Weide-Gänse so gut es geht an unsere Gäste zu verkaufen, damit die Bauern, die fest mit der Abnahme gerechnet haben, nicht auf den Gänsen sitzen bleiben. Unsere Gäste unterstützen uns bei dem Vorhaben und damit auch die Bauern. Die 80%-Regelung wurde nur grob angesprochen, daher weiß keiner wie das mit dem Geld ausschauen wird.“

Anita Strobl vom Grenadier in Forchtenstein: „Die Maßnahmen müssen sein und wir verstehen das vollkommen. In Zukunft werden wir kämpfen müssen und werden die Corona-Krise noch einige Jahre spüren. Unser Betrieb hat im 1. Lockdown schon eine Förderung angesucht. Bei der 80%-Regelung wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt. Es ist ungewiss, ob das Brutto- oder Nettoeinkommen bei der Berechnung herangezogen wird und sonst ist man auch noch relativ schlecht informiert, was das angeht. Wir bieten an den Wochenenden einen Abholservice für unsere Gäste an. Liefern ist bei uns nicht möglich, da wir weit vom „Schlag“ entfernt sind und nur zu zweit einstweilen arbeiten. Momentan ist unser Personal in Urlaub und weiters wird es in Kurzarbeit geschickt werden. Uns, als zwei Selbstständige, wird die Krise natürlich treffen, aber wie schlimm werden wir erst sehen.“