Hilfsbereitschaft ausgenützt: Ältere Herren beraubt. Senioren im Bezirk Mattersburg mit Schlafmittel betäubt, 219.000 Euro Bargeld war die größte Einzelbeute. Rumänisches Ehepaar stand nun vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 02. Juli 2020 (04:03)
Symbolbild
APA

„Ich habe halt Mitleid. Die Bettelkinder, die Armen!“, erklärte jener 83-jährige Pensionist aus dem Bezirk Mattersburg, aus dessen Haus Anfang Mai 2019 219.000 Euro Bargeld verschwunden waren.

Eine 20-jährige Rumänin hatte sich damals sein Vertrauen erschlichen. „Das arme Kind. Hochschwanger war sie“, erinnerte sich der Pensionist.

Die 20-Jährige hatte ihm am 2. Mai 2019 ein Schlafmittel in ein Getränk gemischt, von dem der Staatsanwalt sagt, es sei ein hochpotentes Neuroleptikum gewesen, das normalerweise nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verabreicht werden dürfe.

Nach einem weiteren Raub bei einem anderen Pensionisten im Bezirk Mattersburg und zwei neuerlichen Raubversuchen bei dem 83-jährigen, bereits misstrauischen Opfer war die 20-Jährige am 16. Juli 2019 verhaftet und im November 2019 zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt verurteilt worden.

Ehepaar streitet Beteiligung ab

Am Dienstag dieser Woche musste sich nun auch ein rumänisches Ehepaar vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Karin Knöchl wegen der Raubserie verantworten.

Der 33-jährige Angeklagte ist der Neffe jener mutmaßlichen rumänischen Drahtzieherin der Raubüberfälle, mit deren Sohn die 20-jährige Mittäterin verheiratet ist. Der 33-Jährige soll die beteiligten Frauen zu den Tatorten geführt haben. Auch seine 28-jährige Ehegattin, die neben ihm auf der Anklagebank sitzt, soll in die Straftaten verwickelt gewesen sein.

Sie soll von der 20-Jährigen telefonisch beigezogen worden sein, wenn die Opfer in Tiefschlaf gefallen waren.

Die 28-Jährige, die angab, ansonsten ihren Lebensunterhalt mit Betteln zu verdienen, soll die Wohnungen durchsucht und Geld und Schmuck an sich genommen haben.

Nach dem Raub Anfang Mai, bei dem 219.000 Euro erbeutet worden waren, fielen den Tätern am 9. Juli 2019 bei dem zweiten Opfer 24.000 Euro und Goldringe im Wert von 1200 Euro in die Hände. Zuvor war der Mann ebenfalls in Tiefschlaf versetzt worden. Vor Gericht bekannte sich das Ehepaar nicht schuldig. Die 20-Jährige, die sie der Mittäterschaft beschuldigt hatte, lüge.

Vertagt: Weitere Zeugen werden geladen

Die 28-Jährige gab zwar zu, im Juli 2019 in den Ortschaften im Bezirk Mattersburg gebettelt zu haben, wo die beiden Raubopfer leben, mit den Straftaten habe sie jedoch nichts zu tun.

Sie kenne auch den 83-jährigen Pensionisten, was sich schwer abstreiten ließ, da die 28-Jährige auf einem Video zu sehen ist. Der Pensionist hatte Verdacht geschöpft und auf Anraten seiner Verwandten bei neuerlichen Besuchen der Rumäninnen Film- und Audioaufnahmen angefertigt. Der Prozess wurde vertagt, weil weitere Zeugeneinvernahmen erforderlich sind.