Kein Notarzt für leidenden Mann

Eine Familie aus dem Bezirk Mattersburg hätte dringend in der Nacht einen Mediziner für den schwerkranken und von großen Schmerzen geplagten Vater gebraucht, aber es sei keiner dafür zuständig gewesen.

Erstellt am 21. Januar 2021 | 05:12
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Kein Hausbesuch. Eine Familie hätte dringend für den schwerkranken Vater einen Arzt im Haus gebraucht.
Foto: BVZ

Traurige Weihnachtsfeiertage musste im vergangenen Jahr eine Familie aus dem Bezirk Mattersburg erleben, denn dem lungenkranken Vater, der erst kurz davor von der Palliativstation Hochegg heimkam, ging es sehr schlecht, er hatte große Schmerzen. Die Familie versuchte, dem kranken Mann mit den verordneten Notfall-Schmerztabletten zu helfen. Die maximal zugelassene Dosis war schnell erreicht, aber diese wirkten nicht mehr. In der Nacht nach dem Stefanietag wurde es ganz arg.

„Ich habe dann versucht, den Ärztenotdienst unter 141 anzurufen, dort sagte mir der diensthabende Arzt, dass wir uns am nächsten Tag stärkere Schmerztabletten besorgen sollten. Wie wir die verordnungspflichtigen Morphintabletten ohne Rezept besorgen könnten und wie wir die Nacht überstehen sollten, war aus dem genervten Arzt nicht herauszubekommen“ , erzählt der Sohn. Er könne jedenfalls nicht kommen, weil das nicht vorgesehen wäre und er hunderte Kilometer vom Standort des Patienten entfernt wäre.

Vom Transport abgeraten

„Es wurde mir aber gesagt, dass ich die Rettung anrufen soll. Dort wurde mir mitgeteilt, dass der Notarzt in Wr. Neustadt sei und nicht kommen könne. Allerdings könnten sie die Rettung schicken. Die Sanitäter würden dann entscheiden, wie weiter zu verfahren sei. Es kam dann schließlich die Rettung aus Mattersburg. Grundsätzlich bestand ja die Möglichkeit, meinen Vater in das Krankenhaus zu transportieren. Die Sanitäter haben von einem Mitnehmen abgeraten, weil mein Vater sich in einem sehr schlechten Zustand befand“, schildert der Sohn weiter und fährt fort: „Ich habe dann auch noch mit dem Palliativteam Nord telefoniert, dort sagte mir die zuständige Dame, dass sie sich in Neusiedl befindet und für das Spritzen von Morphium ein Arzt zuständig sei.“

Nach einer äußerst qualvollen Nacht kam dann am nächsten Morgen der örtliche praktische Arzt und erlöste den Sterbenskranken von seinen furchtbaren Schmerzen mit einer Morphiumspritze. Am darauffolgenden Tag ist der Mann verstorben. „Wie ist es möglich, dass einem Menschen, der vor Schmerzen brüllt, in einem Land wie Österreich nicht geholfen werden kann? Warum gibt es für solche Fälle keinen mobilen Notdienst und warum sitzt der für das Burgenland zuständige Notarzt in Niederösterreich? Was passiert mit Menschen, die nachts oder an einem Feiertag einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden und auf rasche Hilfe angewiesen sind?“ fragt sich der Sohn.

Die BVZ erkundigte sich bei der Ärztekammer. Dort wurde mitgeteilt, dass Notfälle an die Landessicherheitszentrale (LSZ) weitergeleitet werden. Von Seiten Pressestelle der LSZ heißt es: „Diese Anrufe werden dann an die zuständigen Ärzte weitergeleitet. Wer das sei und wo dieser sitzt, fällt in den Zuständigkeitsbereich der Ärztekammer. Von Seiten der Rettung wurde angeboten, den Patienten in das Krankenhaus zu transportieren.“