Trotz Mängeln Pickerl ausgestellt: Mechaniker vor Gericht

Erstellt am 26. Mai 2022 | 05:03
Lesezeit: 3 Min
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Bei der Pickerlüberprüfung ignorierte ein Mechaniker schwere Mängel. Jetzt wurde er wegen Amtsmissbrauchs verurteilt.
Foto: Symbolfoto: afotostock, shutterstock.com
Klein-LKW nicht verkehrstüchtig: Mechaniker im Bezirk Mattersburg drückte Auge zu und wurde zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
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Für seinen Lieferwagen brauchte ein 39-jähriger türkischer Staatsbürger im August 2021 unbedingt ein Pickerl.

Er bat einen 35-jährigen Freund, der im Bezirk Mödling eine Werkstatt betrieb, um Hilfe.

Dieser war aber nicht befugt, Pickerlgutachten auszustellen.

Der 35-Jährige kannte jedoch einen 25-jährigen Mechaniker, der in einer Werkstatt im Bezirk Mattersburg arbeitete, wo auch die sogenannte §57a-Begutachtung durchgeführt wird.

„Wir einigten uns darauf, dass er in der Früh schnell vorbeikommt“, berichtete der 25-Jährige vorige Woche vor Gericht.

Rasch war klar, dass der Lieferwagen aufgrund der erheblichen Mängel kein Pickerl mehr bekommen konnte.

Der Besitzer des Lieferwagens machte aber Druck. Und so ließ sich der Mechaniker überreden, das Pickerl trotzdem auszustellen. Er teilte dem 35-Jährigen jedoch mit, dass die erforderlichen Reparaturen so schnell wie möglich nachgeholt werden müssten.

Unter anderem wies das Fahrzeug schwere Mängel an den Bremsen auf.

Der Klein-LKW wurde nicht repariert und bei einer Polizeikontrolle im Oktober 2021 schließlich mit einer langen Mängelliste aus dem Verkehr gezogen.

Alle drei Beteiligten wurden wegen Amtsmissbrauchs angezeigt. Der Mechaniker und der Freund des Fahrzeugbesitzers gaben an, aus Gutmütigkeit geholfen zu haben.

Lieferwagen stellte im Verkehr große Gefahr dar

„Dachten Sie nicht daran, dass Ihr Fahrzeug im Straßenverkehr wegen der schweren Mängel eine Gefahr darstellt?“, fragte Richterin Doris Halper-Praunias den 39-jährigen Autobesitzer. Im Detail habe er nicht über die Mängel Bescheid gewusst, sagte dieser.

Alle drei Beteiligten wurden verurteilt.

Der reumütig geständige Mechaniker erhielt eine bedingte Haftstrafe von sechs Monaten. Fast hätte ihn sein Fehltritt seine Existenz gekostet, aber weil er sonst immer zuverlässig gewesen war, durfte er bei seinem Chef weiterarbeiten.

Der Vermittler des Gefälligkeitsgutachtens erhielt eine Haftstrafe von sieben Monaten auf Bewährung.

Der Fahrzeugbesitzer, der sich aus seiner Verantwortung davonstehlen wollte und überdies eine Vorstrafe hatte, erhielt neun Monate bedingt und eine Geldstrafe.

Die drei Angeklagten nahmen diese Urteile an.

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