Wiesen als Schutz vor Überflutung. Aus den Folgen des Unwetters soll für die Zukunft gelernt werden. Mattersburgs Ortschefin will sich mit Bauern an Tisch setzen.

Von Doris Fischer. Erstellt am 15. Mai 2019 (04:27)
Richard Vogler

Fast alle Gemeinden waren von den Wassermassen betroffen, besonders stark Mattersburg, Forchtenstein, Wiesen und Sigleß. Kaum sind die verheerenden Überflutungen im Bezirk Mattersburg von den Einsatzkräften der Feuerwehren abgearbeitet, wird schon diskutiert, wie derartige Überflutungen verhindert werden können.

„Wir haben uns schon einige Zeit vor dem Unwetter zusammengesetzt, um über Maßnahmen gegen Überflutungen zu sprechen. Aber ohne Ergebnis. Jetzt haben wir gesehen, dass wir etwas machen müssen“

Und da hat Mattersburgs Bürgermeisterin Ingrid Salamon (SPÖ) auch schon einen Vorschlag parat: „Das Retensionsbecken hat seinen Dienst getan“, ist sich die Bürgermeisterin sicher. Denn ohne das Rückhaltebecken wären noch mehr Wassermassen durch die Schubertstraße geschossen. Von den Äckern schossen Wassermassen durch die Mühlgasse, den Mühlgraben und die Schärfsiedlung. Gleichzeitig übt sie Kritik an den Landwirten.

„Wir haben uns schon einige Zeit vor dem Unwetter zusammengesetzt, um über Maßnahmen gegen Überflutungen zu sprechen. Aber ohne Ergebnis. Jetzt haben wir gesehen, dass wir etwas machen müssen“, stellt Salamon fest.

Abhilfe gegen Wasser durch Rückhaltebecken

Sie kann sich Wiesen an den Ackergrenzen oder Abflussgräben, Querrinnen oder Fruchtwechsel vorstellen. „Das geht nur mit den Bauern gemeinsam. Denn es handelt sich ja um ihren Eigengrund“, versichert Salamon. Sie möchte in den nächsten Tagen wieder das Gespräch mit den Bauern unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammer suchen, wie man Häuser schützen kann. „Ich hoffe, dass sie einlenken, wenn sie die Ausmaße sehen.

Dem hält der Bio-Landwirt und Stadtrat Andreas Feiler (ÖVP) entgegen: „Die betroffenen Landwirte und ich haben die Forderungen der Bürgermeisterin heute aus den Medien erfahren. Das ist meiner Meinung zu schnell geschossen und unfair den Bauern gegenüber,“ und führt weiter aus: Versuche in der Vergangenheit haben gezeigt, dass selbst Wiesen und spezielle Fruchtfolgen bei derartigen Regenfällen keinen Sinn haben. Abhilfe schaffen hier nur Rückhaltebecken. Hier muss die Gemeinde aktiv werden.“

Dass Wiesen als Ackerbegrenzung sehr wohl gegen Überflutungen helfen können, zeigt die Gemeinde Baumgarten. „Trotz starker Regenfälle fast kein Schlamm in den Gassen Baumgartens“, schreibt Baumgartens Bürgermeister Kurt Fischer (SPÖ) in sozialen Medien. Gleichzeitig bedankt er sich bei seinen Landwirten, dass sie vor Jahren am Wegesrand Wiesen ausgepflanzt haben.

Nicht nur die Wassermassen sorgten für zahlreiche Einsätze, alleine in Mattersburg wurde die Feuerwehr zu 41 Einsatzadressen gerufen, sondern auch der Hagel. Hier waren vor allem Wiesen und Forchtenstein stark betroffen. Eine weiße Schicht aus Hagelkörnern tauchte Forchtenstein in eine „Schneelandschaft“, in Wiesen lagen Samstagabend stellenweise 15 Zentimeter Hagelkörner. Besonders betroffen sind die Erdbeerbauern. 70 Prozent der Erdbeerflächen sind vom Hagel stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Betroffene bedanken sich bei Einsatzkräften

„In ein bis zwei Wochen hätten wir mit der Haupternte beginnen können. Daraus wird jetzt nichts“, zeigt sich Erdbeerbauer Michael Habeler vom Sonnenobst Habeler betroffen. Aber nicht nur das: „Alle Obstkulturen rund um Forchtenstein und Wiesen sind betroffen“, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Kirschen, Marillen, Äpfel und alle Obstsorten, die schon Früchte gebildet haben, sind laut Landwirtschaftskammer betroffen. „Die Früchte können bestenfalls zur Verarbeitung genommen werden. Als Frischware können sie nicht verkauft werden“, so der Experte der Landwirtschaftskammer.

Abgesehen von den Auswirkungen der Gewitterfront kommt ein großes Dankeschön von allen Bürgermeistern des Bezirkes. „Ich bedanke mich bei allen Rettungsorganisationen sowie allen freiwilligen Helfern für den unermüdlichen Einsatz“, so der für Gemeinden zuständige Landesrat Christian Illedits.