Wirte zwischen Hoffnung, Sorgen und Ungewissheit

Erstellt am 07. Mai 2020 | 05:32
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Foto: Iryna Inshyna/Shutterstock.com
Die Wirte freuen sich einerseits, wieder ihre Lokale aufsperren zu können, andererseits fürchten sie, dass die Gäste am Anfang ausbleiben werden.
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Durch die Coronavirus-Pandemie wurde Österreich auf ein Minimum heruntergefahren. Dank der verordneten Maßnahmen der Bundesregierung und dem damit verbundenen Rückgang der Virusausbreitung kann das Land Schritt für Schritt wieder hochgefahren werden.

Am 15. Mai dürfen die Cafés und Speiselokale wieder für ihre Gäste da sein. Die BVZ hat sich bei einigen Wirten umgehört:

Alfred Bandat (Mattersburger Florianihof):

Beim Traditionswirtshaus wurden die Mitarbeiter im Zuge der Corona-Krise auf Kurzarbeit geschickt. Alfred Bandat wird den Florianihof am 15. Mai wieder eröffnen.

„Ob wir das gesamte Personal brauchen werden, ist noch offen“, berichtet Bandat, für den die Gesamt-Situation in der Gastronomie eine große Ungewissheit darstellt. „Wir können aktuell nicht sagen, wie wir das machen werden. Ich denke, wir werden langsam anfahren, das Ganze beobachten und dann weiter entscheiden“, so Bandat.

Zwei Punkte stehen jedoch schon fest: „Unser Mittagsbuffet wird es nun einmal nicht mehr geben und wir werden sicher nicht bis 23 Uhr geöffnet haben.“ Hotels dürfen ab 29. Mai wieder Gäste beherbergen, wobei einige Arbeiter im Florianihof untergebracht sein werden. Bei Touristen gibt sich Bandat keinen Illusionen hin: „Welcher Tourist wird in der aktuellen Situation nach Mattersburg kommen?“, so Bandat.

„Schankbetrieb ist für die Wirte der Lokale in ländlicher Umgebung lebensnotwendig“, weiß der Schattendorfer Wirt Hans-Peter Reichl.

Hans-Peter Reichl (Schattendorf, Café-Restaurant Reichl):

Der Chef des Familienbetriebes erzählt: „Diese Maßnahmen sind sehr hart für uns, aber sie sind wahrscheinlich notwendig und hoffentlich auch zielführend, um einen Anstieg von Neuinfektionen zu verhindern. Wir haben natürlich große finanzielle Verluste, die wir sicher nicht aufholen können. Unsere drei Mitarbeiter mussten wir zur Kurzarbeit anmelden. Wir bieten für unsere Gäste von Mittwoch bis Sonntagmittag ein Liefer- und Abholservice an, bei dem wir Nase-Mundschutzmasken tragen, genauso wie wir diese auch beim Kochen umbinden.“

Er fährt fort: Schankgeschäft darf es vorläufig keines geben. Wir hoffen, dass es bei dieser Maßnahme eine baldige Lockerung gibt, da ein Schankbetrieb vor allem in Dorfwirtshäusern überlebensnotwendig ist. Bis jetzt wurden bis Juni einmal alle großen Feiern abgesagt. Ob große Veranstaltungen in den Sommermonaten stattfinden werden dürfen, ist fraglich. Wenn mehr als vier Erwachsene samt Kinder kommen wollen, wenn wir wieder aufsperren dürfen, müssen wir sie natürlich mit einem Abstand von einem Meter auf getrennte Tische setzen.“

Heinz Döller (Probuskeller Neudörfl):

Bereits 1948 wurde von der Familie Döller eines der ersten Heurigenlokale in Neudörfl eröffnet. Mittlerweile führt Heinz Döller in der dritten Generation den Probuskeller, der seinen Namen dem römischen Kaiser Marcus Aurelius Probus verdankt.

Dass es sich momentan leben ließe wie ein Kaiser, können Gastronomen nicht unbedingt behaupten. Und auch die Frage, inwieweit man nach der Öffnung wieder an bereits Erreichtes anknüpfen wird können, bleibt für Heinz Döller offen. „Es kann entweder viel los sein, weil die Leute wieder hungrig sind, in ein Lokal zu gehen. Oder auch wenig, weil wieder alles, vom Mostheurigen über die Spitzengastronomie, gleichzeitig aufmacht.“

Mit den Regelungen, an die sich die Gastronomie hinkünftig halten muss, ist Döller weitgehend einverstanden, was ihn aber doch ein wenig störe, sei die Inkonsistenz in der Festlegung der Gästezahl pro Tisch. „Zuhause darf man sich zu zehnt treffen, aber im Lokal können es nur vier Erwachsene plus Kinder sein.“ Besser wäre es gewesen, hier eine einheitliche Lösung zu finden.

Reichlich Platz, um auch die Abstandsregeln einhalten zu können, gibt es bei ihm. „Ich kann zusätzliche Räumlichkeiten öffnen und außerdem gibt es einen Nußbaumgarten bei uns, in dem ich Bänke hinzustellen kann.“ Die Maskenschutzpflicht für Kellner hält Döller zwar für sinnvoll, unangenehm und belastend könnte aber die praktische Umsetzung werden. „Wenn es sehr heiß wird, können Kellner sicher darunter leiden.“

Was Döller neben den Umsatzeinbußen im alltäglichen Betrieb zusätzlich noch als belastend verspürt, sind Absagen von Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Geburtstagen, Taufen. „Fünfzehn Veranstaltungen konnte ich nicht abhalten, teilweise wurden sie verschoben, teilweise ist fraglich, ob sie überhaupt nachgeholt werden, zum Beispiel die Geburtstage. Und auch Hochzeiten im September und Oktober sind für viele nicht das Gelbe vom Ei.“

Annemerie Lehner, Kukuruzstubn Forchtenstein:

Große Erleichterung auch bei der Kukuruzstubn in Forchtenstein. „Ich bin froh, dass wir wieder aufsperren dürfen, ganz egal unter welchen Bedingungen und Vorschriften“, freut sich die Besitzerin Annemarie Lehner. „Natürlich hoffe ich, dass Gäste kommen, ich gehe allerdings davon aus, dass der Andrang zu Beginn nicht sehr groß sein wird“, führt Lehner weiter aus.

Ihr Service- und Küchenpersonal hat die Wirtin gänzlich auf Kurzarbeit umgestellt. „Ich habe meinen Angestellten aus dem Ausland Arbeitsbescheinigungen ausgestellt und hoffe, dass sie damit auch über die Grenze kommen dürfen, allerdings werden sicher zu Beginn nicht alle auf einmal benötigt, sie werden also abwechselnd zum Arbeiten kommen“, berichtet sie.

Vorerst bis August wurden alle Feiern von Seiten der Kukuruzstubn abgesagt. „Alleine bis Ende Juni wären sechs Hochzeiten reserviert gewesen, zwei davon haben bereits für Ersatztermine im Oktober angefragt“, gibt Lehner Auskunft.

Stefan Neubauer vom Parkhotel Neubauer in Bad Sauerbrunn:

„Die Lage im Gaststättengewerbe ist sehr dramatisch. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen und alle Maßnahmen sowie Regeln genauestens beachten. Ein zweiter Lockdown, weil sich die Viruserkrankungen wieder häufen, wäre für die Gastronomie das Schlimmste, was passieren könnte. Bei uns herrscht derzeit eingeschränkter Betrieb. Wir beliefern unsere Gäste mit Speisen vor die Haustüre oder man kommt zu uns und holt sich das Essen selbst ab.“

Feierlichkeiten wie Geburtstage, Hochzeiten, etc. wurden vorerst alle abgesagt und auch die Tourismusevents der Gemeinde Bad Sauerbrunn, wovon immer sehr profitiert wurde, fallen heuer weg. Übernachtungen gibt es vorerst bis September keine.

Der Umsatzaufall bewege sich im Bereich von 40 bis 70 Prozent.„Für die nächsten Wochen wünsche ich mir, dass uns unsere Gäste treu bleiben und Rücksicht nehmen. Es sollen sich alle wohlfühlen und ohne Angst ihre Zeit bei uns verbringen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden liegen uns am Herzen“, so Neubauer.

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