Enorme Preissteigerung bei Einfamilienhäuserpreisen. Im Bezirk Mattersburg gab es vom Jänner bis Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr bei den Einfamilienhäusern eine Erhöhung der Verkaufspreis von 21 Prozent.

Von Richard Vogler. Erstellt am 14. November 2020 (04:55)
Preise in Mattersburg Häuser
„RE/MAX-ImmoSpiegel / IMMOunited GmbH; Foto: fotohunter/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

RE/MAX veröffentlichte vor kurzem seinen Immobilinepreisspiegel, wobei die Verkäufe von Einfahmilienhäusern im ersten Halbjahr 2020 mit den ersten sechs Monaten 2019 verglichen wurden.

Während in drei burgenländischen Bezirken die Einfamilienhausverkaufszahlen nach unten gehen und in einem konstant bleiben, gehen sie in drei Bezirken nach oben. Allen voran Mattersburg von – zugegebenermaßen schwachen – 24 Einheiten im Vorjahreshalbjahr auf den zweithöchsten Wert bisher, nämlich 49. Diese Verkäufe im Bezirk Mattersburg machten insgesamt 8,6 Millionen Euro aus, der durchschnittliche Stückpreis betrug 169.226 Euro, was einer Preissteigerung von 21 Prozent entspricht – der höchste Wert aller Bezirke im Burgenland.

„Bezirk gehört zum Speckgürtel von Wien“

Christian Kutrowatz (Kutrowatz Immobilien relativiert die Zahlen etwas: „Eins zu eins kann man dies nicht so betrachten. Fakt ist jedoch, dass es im Bezirk Mattersburg starken Zuzug gibt. Mittlerweile gehört auch der Bezirk zum großräumigen Speckgürtel von Wien. Und in ungewissen wirtschaftlichen Zeiten, die man durch die Corona-Krise hat Hauskäufe auch als solide Anlagen getätigt werden.“

Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft baute in den vergangene Jahren viele Wohnungen und auch Reihenhäuser. Vor kurzem erst wurden 19 Wohnungen und 4 Reihenhäuser in Walbersdorf übergeben. Auf den Boom bei den Hauskäufen angesprochen, erläutert Geschäftsführer Alfred Kollar: „Neudörfl, Mattersburg und Bad Sauerbrunn sind mittlerweile der erweiterte Speckgürtel von Wien. Die Verkehrsanbindung vom Bezirk Mattersburg in die Bundeshauptstadt ist ebenso hervorragend.“

Im ersten Halbjahr des Vorjahres brach der burgenländische Einfamilienhausmarkt gegenüber 2018 um -110 Einheiten ein und Tirol überholte das Burgenland. Heuer konnte dem RE/MAX-ImmoSpiegel zufolge das östlichste Bundesland entgegen dem Bundestrend einen Zuwachs einfahren, mit 38 Stück sogar den höchsten von allen Bundesländern. Endresultat: 324 Einheiten (+13,3 %) und wieder Rang fünf.

Auch der Verkaufserlös ging wieder nach oben: 52 Millionen Euro sind um elf Millionen Euro mehr als vor einem Jahr und nach 2018 der zweithöchste bisher erreichte Wert.

Den Preisrückgang von 3,8 Prozent aus 2019 gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 hat das Burgenland heuer mehr als wettgemacht: 13,5 Prozent im ersten Halbjahr 2020 sind die höchste Steigerungsrate unter den Bundesländern außerhalb von Wien. Nichtsdestotrotz kosten Einfamilienhäuser im Burgenland wie schon 2017 und 2015 nur 56 % des Bundesdurchschnitts. Nur einmal, 2018, war diese Quote bei 58 %, sonst immer darunter.

Während in drei burgenländischen Bezirken die Einfamilienhausverkaufszahlen nach unten gehen und in einem konstant bleiben, gehen sie neben Mattersburg in zwei weiteren nach oben. Der Bezirk Neusiedl kommt in der RE/MAX-Statistik ebenfalls auf das bisher zweitbeste Resultat mit 56 Verkäufen, +17 mehr als zuletzt. Die Landeshauptstadt samt Umgebung und Rust verbücherte 58 Einfamilienhäuser, ein Zuwachs von +3. Nicht ganz so stürmisch liefen die Verkäufe in den Bezirken Oberwart (55; -1), Güssing (39; -3) und Jennersdorf (20; -3). Oberpullendorf wiederholte das 2019er-Rekordergbnis von 47 Verkäufen.

In und um Eisenstadt blieben die Einfamilienhauspreise gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 unverändert, 190.570 Euro statt 190.609 Euro zuletzt. In Neusiedl dagegen sprangen sie erstmals über die 200.000er-Grenze: Mit 224.606 Euro und einem Plus von 18,1 Prozent ist das die teuerste Ecke im östlichsten Bundesland. „Vermehrt erkannten heuer Einfamilienhaus-Interessenten aus Wien, aus der Slowakei (vor allem aus Bratislava) und aus Ungarn die attraktive Lage der Gemeinden auf der Ostseite des Neusiedlersees. Daher sind die Preise im Bezirk Neusiedl stark angestiegen, aber im Vergleich zu anderen ähnlich attraktiven Gegenden immer noch günstig“, erklärt Roswitha Knebelreiter von RE/MAX P&I in Neusiedl.

Mattersburg erreicht wie zuletzt den dritten Stockerlplatz. Jennersdorf folgt dahinter, aber wegen der statistischen Unsicherheit aufgrund der geringen Menge ohne exakte Wertangabe vor Güssing mit 109.208 Euro (+13,7 %), Oberwart mit 107.795 Euro (+1,7 %) und Oberpullendorf mit 99.502 Euro (-10,0 %).