Keine Geschäfte in Russland: Metro-Boykott in Neudörfl

Erstellt am 05. April 2022 | 05:48
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8316878_mat13ca_bierkistl.jpg
Das Bierkistl in Neudörfl zeigt solidarisch die Flagge der Ukraine mitsamt einer Friedenstaube.
Foto: zVg
Da der Großhandelskonzern Metro sein Russland-Geschäft nicht ausgesetzt hat, kauft Thomas Tschurlovich für sein Lokal, dem Bierkistl, dort nicht mehr ein. Er hofft, dass sich viele anschließen.
Werbung
Anzeige

Seit 31 Jahren ist Thomas Tschurlovich, der Betreiber des Bierkistl und des Hotel Garni, treuer und ausdrücklich zufriedener Kunde beim deutschen Großhandelskonzern Metro. Mittlerweile muss man allerdings sagen: er war es gewesen. Denn Prinzipientreue und moralisches Verantwortungsgefühl ist dem Neudörfler wichtiger als bequemes Einkaufen. Deswegen hat er für sich entschieden, vorerst nicht mehr bei Metro einzukaufen. Was war geschehen?

Das Lebensmittelhandelsunternehmen für Großverbraucher und Gastronomen hat, wie das Handelsblatt in seiner Ausgabe vom 23. März berichtete, trotz Kritik von verschiedenen Seiten sein Russlandgeschäft nicht, wie viele andere Unternehmen das taten, ausgesetzt. Begründet wird das von der Geschäftsführung damit, dass man „eine Verantwortung für unsere russischen Kollegen“ habe und dass man die russische Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen müsse. Für Tschurlovich ist das allerdings ein schwaches Argument.

„Natürlich kann kein Mitarbeiter beim Metro etwas dafür. Aber als Konzern muss man die Konsequenzen ziehen.“ Thomas Tschurlovich

Er könne nachvollziehen, dass durch eine Suspendierung der Geschäftstätigkeit in Russland Tausende russische Metro-Mitarbeiter ihren Job verlieren würden. „Natürlich kann kein Mitarbeiter beim Metro etwas dafür. Aber als Konzern muss man die Konsequenzen ziehen. Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen hätten auch andere Unternehmen argumentieren können, die ihre Geschäfte in Russland trotzdem eingestellten.“ Tschurlovich hat seine Haltung zu diesem Thema auch schriftlich direkt an die Metro-Geschäftsführung übermittelt. In dem E-Mail heißt es: „Wir, mehrere Gewerbetreibende, Vereine und Privatpersonen, haben beschlossen, dass ab sofort keiner von uns, bis auf Widerruf, Metro als Geschäftspartner akzeptiert.

Mit Bedauern müssen wir feststellen, dass Metro noch immer geschäftlich in Russland tätig ist und damit die von allen demokratischen Ländern verfügten Restriktionen gegen das kriegsführende totalitäre Regime unterläuft!“ Tschurlovich ist der Meinung, dass der Druck auf das russische Regime von allen möglichen Seiten erhöht werden muss, um den Krieg zu beenden. „Lasch ausgedrückt: Wenn die russische Bevölkerung keine Milka-Schokolade beim Metro mehr kaufen und nicht mehr zum McDonalds gehen kann, keine Filme mehr in die Kinos kommen oder viele Russen durch die Sanktionen ihren Arbeitsplatz verlieren, erhöht das vielleicht den Druck, der die russische Regierung zum Einlenken bringt. Deshalb muss sich jeder daran beteiligen. Metro darf sich davon nicht ausnehmen.“

„Direkt vor unserer Haustür darf es keinen Krieg geben“

Was Tschurlovich darüber hinaus besonders ärgerlich findet: „Die letzten Wochen haben Gastronomie, Gewerbetreibende, Vereine, Feuerwehren usw. noch für Zigtausende Euro beim Metro eingekauft, um die Bevölkerung in der Ukraine zu unterstützen und zu helfen. Metro hat dafür sogar Rabatte gegeben. Man stellte sich als gutes Unternehmen dar und dann erfahren wir, dass der Konzern immer noch in Russland aktiv ist.“

Vorerst wird Tschurlovich seine Großeinkäufe also woanders erledigen. „Aber das nehme ich natürlich in Kauf, weil mir das wichtig ist. Ich bin der Meinung, dass jeder Metro-Kunde im Bezirk, im Burgenland, in Österreich und Deutschland sich dem Boykott des Unternehmens anschließen sollte. Dass es immer noch Unternehmen gibt, die wegschauen, darf meiner Meinung nach nicht sein.“

Im Jahr 2022, sagt Tschurlovich, „darf es in Europa, direkt vor unserer Haustüre, keinen Krieg geben. Es sollte überhaupt nirgends einen Krieg geben, aber ganz besonders nicht in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.“

Werbung