Würfel sind in Pöttsching gefallen. Karin Lehner setzt eine besondere Pöttschinger Tradition fort: Sie ist die dritte weibliche Ortschefin der Gemeinde.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 08. Februar 2017 (03:44)
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Frauenpower am Gemeindeamt. Daniela Kutrowatz, Conny Wesselich, Andrea Mayer, Bürgermeisterin Karin Lehner, Martina Pichler, Ursula Brandstätter und Amtsleiterin Alexandra Rauner.
BVZ, JJ

So viele interessierte Zuseher hatten sich im Pöttschinger Sitzungssaal selten eingefunden. Hirms Bürgermeisterin Inge Posch-Gruska wartete ebenso geduldig wie Draßburgs neuer Ortschef Christoph Haider. Das Prozedere dauerte, denn zuerst musste Karin Lehner als Gemeinderatsmitglied angelobt werden, bevor sie sich der Wahl zur Bürgermeisterin stellen konnte. Spannend wurde die Wahl, als die ÖVP Vizebürgermeisterin Petra Pankl als Gegenvorschlag zu Karin Lehner präsentierte. Die Wahl leitete nach „guter Mattersburger Tradition“ Bezirkshauptmann Klaus Mezgolits.

Knapper Ausgang bei Wahl

Alle Gemeinderatsmitglieder waren anwesend, sie schrieben den Namen ihrer Wunschkandidatin auf einen Zettel, der in die Wahlurne geworfen wurde. Die Stimmenauszählung ergab, dass die 12 SPÖ-Gemeinderäte für Karin Lehner votierten, ÖVP (7), BiKUS (2), FPÖ (1) und Grüne (1) geschlossen für Petra Pankl. Mit insgesamt 11 Stimmen unterlag Pankl der neuen Bürgermeisterin nur knapp. Warum sie sich überhaupt zur Wahl gestellt habe, begründet Pankl so: „Sehr viele Leute in Pöttsching haben gefragt, warum jetzt nicht einer der Vizebürgermeister das Bürgermeisteramt bis zur Gemeinderatswahl im Oktober übernimmt? Ich kann nur für mich sprechen und meine, dass man als Vizebürgermeister bzw. Vizebürgermeisterin auch mit so einem Fall rechnen und dann Verantwortung übernehmen muss. Das ist auch sinnvoll, da beide Vizebürgermeister in alle Entscheidungen, Auftragsvergaben usw. laufend eingebunden sind.“

SPÖ-Vize ortet "Denkfehler" bei ÖVP

Das sieht SPÖ-Vizebürgermeister Guido Steiger diametral anders. „Dass der erste Vizebürgermeister unbedingt dem Bürgermeister nachfolgen muss, ist ein Denkfehler der ÖVP. Der Vizebürgermeister vertritt den Bürgermeister so wie jetzt z. B. im Krankheitsfall.“ Geplant ist, dass Lehner das Bürgermeisteramt bis zu den Wahlen im Oktober ausübt. Dann tritt Martin Mitteregger, bis jetzt nicht im Gemeinderat vertreten, als SPÖ-Spitzenkandidat, zur Wahl an. Mitteregger war übrigens bei der Wahl von Bürgermeisterin Karin Lehner nicht im Sitzungssaal anwesend.