70 Jahre Neudoerfler: „Wollen weiter wachsen“ . Der Büromöbelerzeuger hat den Schritt vom national ausgerichteten Produzenten zum international ausgerichteten designorientierten Player geschafft. Der BVZ stand Mag. Helmut Sattler (CEO Neudoerfler Büromöbel) Rede und Antwort

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 25. Januar 2017 (05:22)
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BVZ: Die Firma Neudörfler ist ein Markenzeichen für diese Gemeinde – nicht zuletzt wegen des gleichlautenden Namens und der engen Verknüpfung mit ihrer Wirtschaftsgeschichte. Ist das für Sie als Geschäftsführer von Bedeutung, denken Sie diese Geschichte im Hintergrund mit oder ist es für sie wichtiger, dass die Auftragslage stimmt und die Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz haben?
Sattler:
Alles, was Sie gesagt haben, ist wichtig für uns, doch natürlich ich bin sehr stolz darauf, dass wir im Ort Neudörfl mit Neudoerfler so eine große Rolle spielen. Immerhin haben wir im letzten Jahr unser 70 Jahr Jubiläum hier gefeiert. Sichere Arbeitsplätze setzen allerdings voraus, dass wir uns auch 2017 geschickter und gescheiter entwickeln als die Mitbewerber. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, einer von elf Leitbetrieben im Burgenland zu sein und wissen, dass wir für die Region ein ganz wichtiger Arbeitgeber sind. Ein Meilenstein war, dass wir 2014 die Firma Planmöbel in Deutschland gekauft und die gesamte Produktion nach Neudörfl geholt haben. Damit produzieren wir jetzt hier vor Ort für einen Weltmarkt, denn die Produkte der Marke Planmöbel werden in alle Kontinente exportiert. Maßnahmen wie diese haben dazu geführt, dass wir in Summe eine wachsende Zahl von Beschäftigten haben.

Der Standort Neudörfl stand also für die Firma Neudoerfler nie zur Diskussion?
Nein, steht er nicht und stand er in den letzten sieben, acht Jahren, seitdem ich bei Neudörfler bin, sicher nicht. Die Entwicklung ist sehr positiv. Wir sind 2013 und 2015 Marktführer geworden, für 2016 gibt es noch keine Zahlen. Wir machen heute mit ca. 30 Prozent an Produkten und Partnern Umsätze, die es vor 2014 noch nicht gegeben hat. Da sieht man, was alles Es wurde viel Neues entwickelt und in den Markt gebracht, und das trägt zur Standortabsicherung bei.

Wird schönes Design immer wichtiger?
Ich sage immer, Design muss gepaart sein mit guter Funktionalität. Neudoerfler stand immer für extrem gute und hohe Funktionalität, deshalb versuchen wir jetzt, verstärkt im Bereich Design Akzente zu setzen. Aus diesem Grund arbeiten wir mit unterschiedlichsten Designern zusammen, wie z. B. für die Linie „unit“, die von drei Berliner Architekten der Firma KINZO entworfen wurde.

Warum bildet Neudoerfler selber Fachkräfte, also Lehrlinge aus?
Ich finde, es ist eine Verpflichtung für einen Betrieb in unserer Größenordnung, dass wir jungen Leuten die Chance geben, das Tischlerhandwerk zu lernen. Es gibt im Burgenland offiziell keine Lehrwerkstätte in der Tischlerausbildung. Wir haben eine Lehrwerkstätte, wir haben eine Serienfertigung und wir haben eine Einzelfertigung. Wir bedienen, je nach Bedarf, alles was möglich ist und wir „customizen“. Das heißt, wir richten Projekte an den Kundenwünschen aus, wofür wir sehr viel Know How im Bereich der Lehrwerkstätte und im Bereich „Engineering und Customizing“ benötigen. Das ist letztendlich ein Nehmen und Geben – und das ist nicht lästig, das ist absolut wichtig. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, weil die ausgebildeten Fachkräfte weiter in der Firma bleiben und sich bei Neudoerfler gut weiter entwickeln können.

Gibt es mit der der politischen Gemeinde Neudörfl eine gute Gesprächsbasis?
Ich finde es grundsätzlich wichtig, an einem Standort wo an die 200 Leute vor Ort arbeiten, gute Kontakte zur Gemeinde zu pflegen. Die Gemeinde ist einer unserer Stakeholder. Wir haben sehr gute Kontakte zu Bürgermeister Dieter Posch und auch zu seinem Vater Josef Posch, der ja einmal hier gearbeitet hat. Bürgermeister Dieter Posch war ja bei unserer Weihnachtsfeier mit dabei und er sieht es als seine Aufgabe, die Arbeitgeber in Neudörfl zu besuchen, mit ihnen zu sprechen und zu schauen, ob eh alles funktioniert und gut läuft. Das ist ein superguter Dialog, nicht nur, wenn es Schwierigkeiten gäbe, sondern auch einfach so, unterm Jahr. Man trifft sich immer wieder, bespricht ein einige Themen durch, und schaut, was man noch verbessern kann. Dialog ist immer gut, wichtig und bereichernd – das ist bei Neudoerfler ganz normal.

BVZ: Bietet der jetzige Standort noch Platz, damit das Unternehmen wachsen kann?
Wir organisieren uns innerhalb der vorgegebenen Räume sehr stark. So haben wir es vor einigen Jahren geschafft, alle Mitarbeiter in der Produktion um einige tausende Kilometer, aufs Jahr gerechnet, näher zusammen zu bringen. Wir haben die Prozesse und Abläufe logischer strukturiert und wir planen da auch eine kleine Veränderung 2017, allerdings innerhalb unserer Gebäude. Das ist absehbar und ausreichend.

Was waren die Highlights im Jahr 2016?
Wenn man so will, die Burgenländische Gebietskrankenkassa, der ÖAMTC, 50 Hertz in Berlin sowie verschiedene andere  Großprojekte, wo wir uns gegen den Mitbewerber durchsetzen konnten. Was für mich genauso wichtig ist, ist, wie schon erwähnt, der Exportanteil von 25 Prozent und dass wir 30 Prozent an Umsätzen mit Produkten und in Gebieten machen, die wir vor 2014 nicht machten. Das heißt, fast ein Drittel an Umsätzen erzielen wir mit Produkten in Ländern, die wir vor 2014 nicht in dem Ausmaß oder gar nicht bedient haben.

Was raten sie Unternehmen, damit sich deren Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen?
Die Arbeitsplatzqualität muss für die Mitarbeiter auch in sogenannten Multi Space Offices passen, vor allem hinsichtlich der Kommunikations- und Konzentrationsarbeitsplätze. Dabei kommt nicht nur den ergonomisch passenden Möbeln eine besondere Bedeutung zu, sondern auch der passenden Akustik. Wir arbeiten an geeigneten Lärmschutzmaßnahmen für Großraumbüros, weil ein Mitarbeiter, der sich an seinem Arbeitsplatz wohl fühlt, mehr leistet. Wichtig ist es, dass man Arbeitsplätze zum Dialogführen schafft, wo kleine, unvorbereitete Besprechungen stattfinden können, denn dort entstehen auch die kreativsten Ideen. Es gibt Untersuchungen die zeigen: Büromöbel machen in einem Bürogebäude ein Investment von ein bis zwei Prozent aus. Die Menschen, die dort arbeiten, stellen ein Investment von 80 Prozent dar. Die ideale Ausstattung des Arbeitsplatzes beeinflusst diese 80 Prozent so stark, dass die Performance und die Lust zum am Arbeiten um 36 Prozent gesteigert werden kann können. Es spricht also alles dafür, den Mitarbeitern einen schönen, qualitativ hochwertigen Arbeitsplatz zu bieten.

Was sind die Pläne für 2017?
Wir wollen weiterwachsen, aber nicht nur im Export, sondern auch in Österreich. Wir sind ab seit 1. Dezember wieder mit einem Mitarbeiter in der Schweiz vertreten und wollen auch dort in der Schweiz wieder Fuß fassen. Wir wollen mit Planmöbel und Neudoerfler in Deutschland die positive Entwicklung fortführen weiter wachsen und uns langfristig sicher und gut aufstellen.