Elisabeth Pucher: "Die Bank war tabu". Elisabeth Pucher, Ehefrau von Ex-Bankchef Martin Pucher, hat am Mittwoch im U-Ausschuss zur Commerzialbank Mattersburg (Cb) betont, von den Vorgängen in der Bank nichts gewusst und mit Fassungslosigkeit auf die Selbstanzeige ihres Mannes reagiert zu haben.

Von APA / BVZ.at. Update am 02. Dezember 2020 (19:02)
Cb-U-Ausschuss - Elisabeth Pucher: "Die Bank war tabu"
Im U-Ausschuss. Franziska Auer, Bezirkshauptfrau von Eisenstadt-Umgebung.
Wolfgang Millendorfer

Pucher habe nie mit ihr über die Bank gesprochen. "Das Thema gab es nicht. Es war tabu", sagte sie. Erst am Vorabend der Selbstanzeige habe er ihr gesagt, dass sich die Bank in einer "gravierenden Schieflage" befinde.

Gleich zu Beginn ihrer Befragung im U-Ausschuss entschuldigte sich Pucher unter Tränen: "Es ist mir ein großes Anliegen, diese Gelegenheit zu nutzen, um allen Menschen, die durch die Malversationen meines Mannes Schaden erlitten haben, mein Bedauern und Mitgefühl auszusprechen." Auch sie selbst und ihre Töchter seien "völlig ahnungslos" gewesen. "Unsere Enttäuschung ist unfassbar groß", sagte sie.

Geschäftliche und berufliche Belange habe ihr Ehemann nie mit ihr besprochen. Bei Nachfragen sei die Familie teilweise "harsch abgeblockt" worden, "dass uns das alles überhaupt nichts angeht", so Pucher. Bei geschäftlichen Gesprächen sei sie immer weggeschickt worden. Sie habe nichts geahnt, heute sei ihr aber klar, warum sie etwa nie auf Urlaub fahren konnten und ihr Mann selbst nach seinen Schlaganfällen schnell in die Arbeit zurückkehren wollte.

Auch als Pucher sie am 13. Juli darüber informierte, dass er aufgrund der "gravierenden Schieflage" der Bank "keine andere Wahl mehr hatte als Selbstanzeige zu erstatten" und als Vorstand zurückzutreten, sei ihr die Tragweite des Schrittes nicht klar gewesen. Am 15. Juli sei sie mit ihrem Ehemann zu ihren Anwälten gefahren. "Das war der schlimmste Tag meines bisherigen Lebens."

Ihr soziales Leben habe sich ebenso wie das ihrer Töchter nachhaltig verändert. "Auch engsten Freunden und Familienmitgliedern wurde großer Schaden zugefügt", sagte Pucher. "Es gibt nur ein einziges Ziel für mich und meine Familie und meinen Mann: Das ist die Wiedergutmachung." Sie hoffe dafür auf Erlöse aus Umweltpatenten.

Nach der Selbstanzeige habe sie in ihrer Verzweiflung ihre Freundin Franziska Auer, Bezirkshauptfrau des Bezirks Eisenstadt-Umgebung, angerufen und ihr davon erzählt. Diese habe noch am Nachmittag den Landesamtsdirektor informiert. Martin Pucher habe seine Frau dann beauftragt, Mitglieder des Aufsichtsrats zu informieren, was sie mit ihrer ältesten Tochter getan habe. Auch das Bauvorhaben für das Impulszentrum Mattersburg, für das am folgenden Tag Arbeiten geplant waren, habe sie stoppen lassen.

Sie sei von der Ankündigung der Selbstanzeige ihres Mannes geschockt gewesen. "Man ist paralysiert. Was soll ich mir da vorstellen, geschweige denn diesen Wahnsinn, den ich im Laufe der nächsten Monate erfahren habe", sagte Pucher. "Hätte ich davon erfahren vor den Schlaganfällen, hätte es die Selbstanzeige sofort gegeben oder er hätte seine Frau verloren."

Der Ex-Bankchef sei oft arbeiten gewesen, am Wochenende habe er sich daheim Sportübertragungen angeschaut. Ihr sei nur aufgefallen, dass er "nie glücklich war. Ich habe die Fehler immer bei mir gesucht. Ich weiß jetzt, warum er nie frei war, aber das hilft mir jetzt auch nichts."

Auch sie selbst habe Konten bei der Bank gehabt. Eine Funktion habe sie weder bei der Commerzialbank noch beim SV Mattersburg gehabt. Kontakte zu Vertretern des Landes habe es bis auf kurze Gespräche bei Matches nicht gegeben. Das sei nur Small Talk gewesen. Zuletzt seien auch kaum mehr Politiker ins Stadion gekommen. "Es tut mir der Menschen wegen sehr leid, dass der SVM geschlachtet wurde", sagte Pucher.

Bezirkshauptfrau Auer informierte Landesamtsdirektor

Franziska Auer, Bezirkshauptfrau von Eisenstadt-Umgebung, hat am Mittwoch im Untersuchungsausschuss zur Commerzialbank Mattersburg (Cb) die Informationsflüsse vor der Schließung der Bank am 14. Juli erläutert. Sie sei am Nachmittag von ihrer Freundin Elisabeth Pucher, der Ehefrau von Ex-Bankchef Martin Pucher, angerufen worden und habe dabei erfahren, dass dieser Selbstanzeige erstattet habe. Daraufhin habe sie gegen 17.00 Uhr Landesamtsdirektor Ronald Reiter informiert.

Auer sei selbst Bankkundin und gelegentlich Besucherin beim SV Mattersburg gewesen. Mit Elisabeth Pucher verbinde sie eine langjährige Freundschaft. Diese habe sie am Telefon unter Tränen kurz darüber informiert, dass "der Martin Selbstanzeige gemacht hat", mehr habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht erfahren. "Sie hat es mir als der Auer Franzi aus Hirm erzählt. In so einer Situation, wo dein Leben in die Brüche geht, da ruft man eine Freundin an", sagte Auer.

Sie verstehe deshalb nicht, warum sie in die Causa "hineingezogen" werde, so die Bezirkshauptfrau. Das liege an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ), der Auer in einem ZiB2-Interview in Hinblick auf Informationsflüsse vor der Schließung der Bank genannt habe, betonte ÖVP-Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas.

Auer stellte klar, dass sie von einer Schließung nichts gewusst habe. "Mir war zu keiner Zeit an diesem Tag bewusst, dass innerhalb dieses Tages eine Bank geschlossen wird. Ich hätte nicht gedacht, dass Behörden in Österreich so schnell reagieren", sagte Auer. Sie habe nur gewusst, dass es eine Selbstanzeige in Bezug zur Bank gebe, aber nicht, worum es genau gehe.

Kurz vor 17.00 Uhr habe sie Landesamtsdirektor Reiter eine SMS geschickt - "so wie ich es als Bezirkshauptfrau halten würde, wenn es im Bezirk etwas Außergewöhnliches geben würde". Sie habe sich gedacht, dass es sich um eine Information handle, die er haben sollte. Reiter habe sie dann zurückgerufen und gefragt, was los sei. Das habe sie ihm aber nicht beantworten können.

Sie habe am Tag der Schließung der Commerzialbank jedenfalls keine Gerüchte in die Welt gesetzt. "Dass das an mir hängen bleibt nach all diesen Jahren als Beamtin, dagegen muss ich mich verwehren", betonte Auer.