Großer Verlust für Mattersburg. Den Stammgästen fehlt der Florianihof nun, Vereine müssen sich eine neue Bleibe für ihre Veranstaltungen suchen.

Von Richard Vogler. Erstellt am 03. September 2020 (05:55)
Der Draßburger Alfred Bandat war seit 1998 Geschäfsführer des Hotel-Restaurants.
Vogler

Einhergehend mit der Commerzialbank-Pleite gibt es beim im Besitz der Bank befindlichen Florianihof ein Konkursverfahren. Seit dem 22. August ist das Hotel-Restaurant geschlossen, was auch den Verlust des Arbeitsplatzes für die Dienstnehmer bedeutet. Dort soll es jedoch Licht am Ende des Tunnels geben: 20 von den 22 Betroffenen sollen bereits einen Job gefunden, beziehungsweise eine Jobzusage haben.

Für die Mattersburger fehlt nun jedoch ein Wirtshaus samt Veranstaltungssaal und für viele auch das Stammlokal. Einer davon ist Horst Gusek. „Ich bin dem Fanklub des SV Mattersburg vor vielen Jahren beigetreten. Seitdem war ich geschätzte 340 Tage im Jahr im Florianihof“, berichtet der Draßburger, um weiter auszuführen: „Dort hat man immer wieder Spieler wie etwa den Michael Mörz, Goce Sedloski, Luis Höller und viele andere angetroffen und sie nahmen sich immer wieder Zeit, dass man mit ihnen quatschen konnte. Auch der Betreuerstab wie Masseur Gery Popovits oder Dragisa „Gile“ Vukadinovic waren stets dort.“

Johann „Tatz“ Wograndl und Franz Gebhardt müssen sich ein neues Stammlokal suchen.
Vogler

Gusek hat unzählige schöne Erinnerungen an den Florianihof, an ein Erlebnis kann er sich noch ganz gut erinnern: „Als wir von Vorarlberg (Anm.: Hinspiel zum Aufstieg in die Erste Division) nach Mattersburg reingekommen sind, haben wir den Florianihof gestürmt, haben groß gefeiert und sind bis in die Morgenstunden geblieben“ Dass der Florianihof nun geschlossen ist, macht Gusek „einfach nur traurig. Man kann jetzt nicht in die Stadt reinfahren und wird zum Kreisverkehr umgeleitet. Man sieht dann das Schild, dass der Florianihof geschlossen ist; ich mag dort gar nicht vorbeifahren.“

Johann „Tatz“ Wograndl traf sich die letzten drei Jahre jeden Mittwoch und Freitag im Florianihof mit Freunden. „Es ist ein großer Verlust, in Mattersburg gibt es bei den Wirtshäusern nicht viele Möglichkeiten. Wir werden zum ‚Café ums Eck‘ tratschen und zum Schwentenwein Karten spielen gehen.

„Das Ende ist ein großer Verlust“

Franz Gebhardt, einst Prokurist bei der „Neuen Eisenstädter“ war ebenso Stammgast. „Zwei, dreimal in der Woche haben wir uns getroffen, alle aus der Baubranche. Das Ende des Florianihofs ist ein großer Verlust. Ein neues Stammlokal zu finden, wird nicht einfach sein.“

Eine, die im Wirtshaus aufgewachsen ist und es lange Zeit geführt hat, ist Josefine Hödl. „Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass es mir gar nicht gut geht. Ich hatte am Anfang die Hoffnung, ,dass es mit dem Florianihof weiter geht und man jemanden findet, der diesen übernimmt, da ist aber keine Chance mehr“, so Hödl. Schöne Erinnerungen an früher gibt es viele. „Da war alles ganz anders. Die Firmen sperrten um 16 Uhr zu, ab 16.15 Uhr gab es keinen freien Platz mehr an der ‚Budl‘. Wir wollten sie auf die Tische verweisen, um 10 Uhr am Abend waren sie noch an der ‚Budl’. Im Florianihof gab es zu ihrer Zeit auch noch „viele Partien, die tarockiert oder geschnapst haben. Das gibt es nicht mehr.“

Gerti Handler, Obfrau der Pensionisten, weiß nicht, wo sie ihre Feste veranstalten soll.
Vogler

Gerti Handler ist seit dem Jahre 2008 Obfrau der Pensionisten. „ Seit ich Vorsitzende bin, hatten wir dort immer unser Faschingskränzchen, das Frühings- und Muttertagsfest sowie die Weihnachtsfeier. Wir wissen nicht, wo wir unsere Veranstaltungen machen sollen. Es ist ein Drama, ein sehr großer Verlust für die Stadt“, erzählt Handler.

Die „Oidn Biffü“ wurden 1981 gegündet, im kommenden Jahr hätte das „Oide Biffü“-Gschnas zum 33. Mal im Florianihof stattfinden sollen. „Es ist einfach nur schade, dass der Florianiof zugesperrt hat. Der Saal war optimal für unser Gschnas, dort ist es sich mit der Anzahl der Gäste otpimal ausgegangen“, berichtet Herbert Resch von den „Oidn Biffü“. Die Veranstaltung war im kommenden Jahr für den 16. Jänner beim Florianihof bestellt. Die „Oidn Biffü“ haben rasch reagiert und ein Ersatzlokal gefunden. „Wir werden das Gschnas am 9. Jänner in Marz beim Gasthaus Scheiber veranstalten“, so Resch.

Auch Bürgemeisterin Ingrid Salamon verbrachte viel Zeit beim „Flurl“. „Es ist schade, dass es zu Ende gehen musste. Mir werden die Bälle und die Faschingsdienstage beim Florianihof ewig in Erinnerung bleiben“, berichtet Salamon.