FF Neudörfl: Pilles wiedergewählt

Die Sozialpädagogin Vanessa Pilles wird auch die kommenden sechs Jahre der Neudörfler Feuerwehr vorstehen.

Erstellt am 14. Februar 2021 | 04:45
440_0008_8024749_mat06ca_feuerwehr.jpg
Neben Feuerwehrkommandantin Vanessa Pilles wurden auch die Feuerwehrbeiräte Michael Sgarz (2.v.l) und Walter Horvath (r.) in ihrer Funktion in der Kontrolle wieder gewählt. Bürgermeister Posch gratuliert.
Foto: zVg

2015 wurde Vanessa Pilles von vielen ihrer Kameraden und Kameradinnen bei der Feuerwehr gefragt: „Lässt du dich eh aufstellen?“ Am 1. Juli wurde sie schließlich zur bisher erst zweiten Feuerwehrkommandantin im Burgenland gewählt. Heuer musste sie auch ein wenig überlegen, „denn der Posten der Feuerwehrkommandantin ist schon eine große Verantwortung. Außerdem ist auch vieles zu tun.“ Pilles entschied sich letztlich aber doch dafür. Am Montag wurde sie schließlich mit 35 von 40 der Stimmen wiedergewählt. Die nächsten sechs Jahre wird sie deshalb Feuerwehrkommandantin von Neudörfl bleiben. Schon mit zwölf Jahren trat Pilles den Florianis bei: „Mein Vater war viele Jahre Feuerwehrkommandantstellvertreter und ist auch jetzt noch aktives Mitglied. Durch ihn bin ich zur Feuerwehr gekommen“, erzählt Pilles, die im Hauptberuf als Sozialpädagogin tätig ist.

„Bei uns ziehen alle an einem Strang“

Viele Einsätze hat sie während dieser Zeit schon geleitet. Erst im Dezember kam es zu einem tödlichen Autounfall auf der Schnellstraße Neudörfl. Jedes Feuerwehrmitglied gehe mit einer solchen Belastung unterschiedlich um, sagt Pilles. „Es lässt einen natürlich nicht kalt, wenn so etwas passiert, vor allem noch dazu kurz vor Weihnachten. Mit der Zeit lernt man aber professionell mit solchen Situationen umzugehen.“ Gäbe es Schwierigkeiten, so etwas psychisch zu verarbeiten, kann auch das Landesfeuerwehrkommando helfend hinzugezogen werden, sagt Pilles.

„Der Einsatz wird dann professionell aufgearbeitet.“ Nicht nur zu Autounfällen werden sie und ihr Team der Neudörfler Feuerwehr, das derzeit aus 54 Kameraden und vier Kameradinnen im Aktivstand besteht, gerufen, auch so genannte technische Einsätze und Brände zählten zu den 51 Einsätzen im vergangenen Jahr. „Gerne“ höre man die Feuerwehrsirene, die bedeutet, dass etwas passiert ist, zwar nie, sagt Pilles, „weil in den meisten Fällen ist damit Leid für andere Personen verbunden, sei es durch ein Todesopfer oder durch die Beschädigung des Eigentums.“ Die Verantwortung und die Möglichkeit zu helfen, um dadurch noch Schlimmeres zu verhindern, ist aber Ansporn genug, die Feuerwehruniform überzustreifen.

Die Frage, ob sie denke, dass sie als Feuerwehrkommandantin von männlichen Kollegen weniger akzeptiert werde, als das vielleicht bei einem Kommandanten der Fall ist, wird ihr einerseits sehr oft gestellt, andererseits kann sie die Frage auch klar verneinen. „Ich habe in meiner Funktion diesbezüglich noch nie negative Erlebnisse gehabt. Bei der Feuerwehr, zumindest ist das bei uns so, ziehen alle an einem Strang.“ Auch wenn die Geschlechterfrage bei der Neudörfler Florianis keine Rolle spielt, freut es Pilles ganz besonders, dass auch einige Mädchen in der Neudörfler Feuerwehrjugend anzutreffen sind und auch drei Kameradinnen (exklusive ihr selbst) von der Jugend in den Aktivstand überstellt wurden. Jemanden überreden, der Feuerwehr beizutreten, will sie jedoch nicht: „Ich glaube, man muss die Entscheidung von sich aus treffen, sonst ist man nicht mit vollem Herzblut dabei.“

Mit Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen hatte auch die Freiwillige Feuerwehr im vergangenen Jahr zu tun. Abgesehen von den Einsätzen konnte oft nur das Notwendigste gemacht werden. Das persönliche Zusammentreffen mit Kameraden und Kameradinnen fehlt Pilles deshalb sehr. „Wir sind eine Feuerwehr, die wirklich jeden Montag zusammen war und entweder geübt oder Schulungen abgehalten hat. Deshalb wäre ich natürlich wieder gerne regelmäßig vor Ort.“ Auch nach Einsätzen fehle das „Darüber reden“ und der Austausch. „Aber als Kommandantin ist mir die Gesundheit meiner Mannschaft das Wichtigste und auch, dass wir weiterhin rund um die Uhr Hilfe leisten können und einsatzbereit sind.“ Deshalb sei der Verzicht zwar verständlich. „Aber natürlich hoffe ich, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können.“