Commerzialbank: So kommt man zu seinem Geld. Der Finanzskandal rund um die Commerzialbank schlägt noch immer hohe Wellen. Hier ein Überblick, wie Betroffene zu ihrem Geld kommen.

Von Richard Vogler. Update am 17. Juli 2020 (12:36)
Millendorfer

Eines vorweg: Gelder bis zur Höhe von 100.000 Euro sind durch die Einlagensicherung gesichert, darüber hinaus ist sehr unwahrscheinlich, dass man zu seinem Geld kommt. Ausnahme zum Beispiel: Wenn das Guthaben aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie besteht, kann die Entschädigung insgesamt 500.000 Euro betragen.

Die Bankstellen der Commerzialbank haben bereits geschlossen.  Aktuell gibt es keinen Zugriff der Commerzialbank-Kunden auf ihr Konto. Betroffene Kunden der sollten nun bei einem anderen Kreditinstitut so schnell wie möglich ein neues Konto eröffnen. Alle Kunden erhalten in den nächsten Tagen einen Brief von der Einlagensicherung Austria. Dort findet man Login-Daten, wodurch in weiterer Folge das Geld vom „alten“ Commerzialbank-Konto auf das neue transferiert wird.

Raiffeisenbank, Bank Burgenland und Erste Bank werden nun für die nächsten zwei Wochen bis 18 Uhr geöffnet halten, um so den Kontotransfer für die KundInnen sicherzustellen.

Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) kündigte am Mittwoch nach Bekanntwerden des Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg an, Betroffenen ihre Pensionen vorübergehend bar auszuzahlen. Die Pensionsanweisungen für alle Personen, die ihr Pensionskonto bei der Mattersburg-Bank haben, werden laut Aussendung auf Barauszahlung umgestellt.

Telefone der Arbeiterkammer Burgenland laufen heiß

Der Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg hat im Burgenland bei vielen betroffenen Kunden für große Verunsicherung gesorgt. Beim Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Burgenland (AK) laufen deshalb seit Mittwoch die Telefone heiß. "Wir haben in den letzten Tagen mehrere hundert Anfragen erhalten", sagte Konsumentenschützerin Judith Palme-Leeb am Freitag im Gespräch mit der APA.

Viele Bankkunden hätten Fragen zur weiteren Vorgehensweise: "Was ist mit meinem Geld, den Krediten, Schließfächern und Sparbüchern? Was kann ich tun?", so Palme-Leeb. Da mittlerweile klar sei, dass die Bank wohl nicht mehr öffnen werde, rate man insbesondere zur Eröffnung eines neuen Kontos. Zudem informiere man die Betroffenen darüber, dass sie einen Brief von der Einlagensicherung mit einer Anleitung, wie sie zu ihrem Geld kommen, erhalten werden.

Auch bei den Schließfächern werde es Lösungen geben. Bei den Filialen würden bereits Plakate hängen, auf denen darüber informiert werde, wie man sich einen Termin zur Abholung ausmachen könne. "Es besteht kein Grund zur Panik", betonte die Konsumentenschützerin.

Betroffenen, die dringend Bargeld benötigen, rate der Konsumentenschutz, sich an Arbeitgeber, Nachbarn, Freunde oder Bekannte zu wenden und um Hilfe zu bitten. "Es gibt sicher einige Leute, die von der Schließung erst später erfahren haben, nur 20 Euro eingesteckt haben und jetzt nicht zum Geld kommen", sagte Palme-Leeb.

Für einige sei die Eröffnung eines neuen Kontos eine "organisatorische Herausforderung". In vielen Gemeinden im Bezirk Mattersburg gebe es nur eine Commerzialbank-Filiale. "Für ältere Leute und Leute, die nicht mobil sind, ist es schwer, zu einer neuen Bank zu kommen", so die Konsumentenschützerin.

Hinzu komme noch, dass der Ansturm auf die anderen Banken in der Umgebung groß und die Termine für eine Kontoeröffnung daher knapp seien. Betroffene hätten etwa berichtet, erst in ein bis zwei Wochen einen Termin bekommen zu haben. Auch das mache es teilweise schwer, zu einem neuen Konto zu kommen.

Die Information der Betroffenen über Medien, Hotlines und Beratung habe aber prinzipiell gut funktioniert. Am Freitagvormittag sei es beim Konsumentenschutz schon wieder etwas ruhiger geworden, sagte Palme-Leeb.

Kreditschützer: Verfahren wird sicher Jahre dauern

Die rund 500 Mio. Euro, die bei der Commerzialbank Mattersburg fehlen sollen, werden die Gerichte "sicher noch Jahre" beschäftigen, ist Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer überzeugt. "Prinzipiell bräuchte man gar kein Insolvenzverfahren - die Bank könnte auch gekauft werden, ich glaube aber, an einem Insolvenzverfahren wird da nichts vorbeiführen", sagte der Gläubigerschützer zur APA.

"Derzeit haben wir ja noch kein Insolvenzverfahren - es obliegt der FMA (Finanzmarktaufsicht, Anm.) und der Insolvenzrichterin am Landesgericht Eisenstadt, das einzuleiten", erklärte der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes am Freitag.

So ein Bankendebakel sei "immer etwas sehr Komplexes", betonte Weinhofer mit Blick auf Causen aus der Vergangenheit wie etwa die Riegerbank, die Hypo Alpe Adria und die Bank Burgenland. Die burgenländische Commerzialbank Mattersburg sei auch ein Fall für die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). "Das wird sicher Jahre dauern." Denn es seien unzählige Klagen zu erwarten.

Bei der Bankinsolvenz werde es voraussichtlich Verbandsklagen gegen die Aufsichtsbehörden - Nationalbank und Finanzmarktaufsicht (FMA) -, die Aufsichtsorgane innerhalb der Bank und gegen den diese Woche bereits zurückgetretenen Bankvorstand und Präsidenten des Fußball-Bundesligisten SV Mattersburg, Martin Pucher, geben.

"Auch die Haftung der Wirtschaftsprüfer ist immer ein heikles Thema - wie konnte das über Jahrzehnte unentdeckt bleiben, das ist dubios", so Weinhofer. "Wobei -, gegen einen gut gemachten Betrug und bei viel krimineller Energie ist man auch als Wirtschaftsprüfer machtlos", räumte der Kreditschützer im Gespräch mit der APA ein. Jedenfalls müsse man sich anschauen, ob es ein Verschulden seitens der Wirtschaftsprüfer gebe.

Die Mattersburger Bank wurde von 2006 bis 2018 von der TPA geprüft. Für 2019 ist noch keine Bilanz hinterlegt. Die Wirtschaftsprüfungskanzlei erklärte unmittelbar nach Auffliegen des Skandals am Mittwoch, im Fall Commerzialbank selber Opfer von Täuschung und offenkundigem Betrug geworden zu sein und man prüfe selber eine Anzeige gegen die Bankverantwortlichen.

Ein komplizierter Rechtsstreit mit vielen offenen Fronten ist jedenfalls programmiert. Der Bilanzskandal bei der insolventen Buchhandelskette Libro habe sich dann beispielsweise über zwölf bis 14 Jahre hingezogen, beim Baukonzern Alpine sei man im fünften oder sechsten Jahr, erinnerte sich Weinhofer.

"Es ist natürlich aus Sicht der Bankkunden eine Katastrophe - vor allem für die Unternehmen, die neben der Coronakrise jetzt auch um ihre Einlagen umfallen", so der Chef des Kreditschutzverbandes. Der kleine Sparer bekommt sein Geld. Dieser sei ohnehin bis zu einer Summe von 100.000 Euro von der Einlagensicherung geschützt. Hat er mehr als das auf einem Konto der mittlerweile geschlossenen Bank, muss er seine Ansprüche grundsätzlich in einem bevorstehenden Insolvenzverfahren anmelden. Nach jüngsten Darstellungen hatte die Bank zuletzt rund 13.500 aktive Kunden.

Anwalt verwundert über gefälschte Bankbestätigungen

Zum Bilanzskandal der burgenländischen Commerzialbank Mattersburg zeigt sich der Wiener Anlegeranwalt Ingo Kapsch verwundert darüber, dass die mutmaßlichen Malversationen womöglich mit "gefälschten Bankbestätigungen" so lange gut gegangen sind. So etwas dürfe im Jahr 2020, 2019 oder davor eigentlich nicht mehr funktionieren, meinte der Anwalt am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio.

Es liege auf der Hand, dass in der Causa "etwas schiefgegangen" sei, wenn bei 800 Millionen Euro Bilanzsumme 400 Millionen Euro fehlten und dabei womöglich mit gefälschten Bankbestätigungen agiert worden sei - es gilt die Unschuldsvermutung.

"Das müsste eigentlich bei den Abschlussprüfungen auffallen", meinte der Anwalt. Abschlussprüfer seien verpflichtetet, die Bankbestätigungen direkt bei den betreffenden Banken einzuholen. Dazu müssten diese von der Commerzialbank Mattersburg vom Bankgeheimnis entbunden werden. Stelle sich heraus, dass es gar keine Geschäftsbeziehung gebe, "wäre natürlich Feuer am Dach", so der Anwalt von der Kanzlei Hochedlinger Luschin Marenzi Kapsch (HLMK).