Forchtenstein

Erstellt am 16. Juni 2018, 03:35

von Judith Jandrinitsch

Der Orgel Adé gesagt. Karl Schumlitsch hat 25 Jahre lang in Forchtenstein für Orgelklänge in der Kirche gesorgt. Jetzt ist damit Schluss.

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Die Entscheidung ist Karl Schumlitsch nicht leicht gefallen. Doch, so sagt er: „Irgendwann muss ich einen radikalen Schlussstrich ziehen und aufhören. Denn sonst ist nie Schluss.“ Nicht, dass er das Orgelspiel nicht geliebt hätte, so wie die Musik in seinem Leben einen bestimmenden Platz einnimmt. Es waren vielmehr sein Alter und seine Gesundheit, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben.

„Meine Großeltern stammen aus Wiesen. Sie haben mich als Kind oft in die Barbarakirche mitgenommen. Das hat mich schon damals fasziniert. Vielleicht habe ich von daher meine Heiligkeit“, schmunzelt der Organist, der in Forchtenstein in der Nähe der Burg aufgewachsen ist. Sein Vater war Wirt, im Wirtshaus wurde immer gesungen, für den kleinen Karl war das Aufwachsen mit Liedern ganz normal.

„Das Singen ist heute ganz abgekommen"

Was er sehr bedauert: „Das Singen ist heute ganz abgekommen. Heute wird im Wirtshaus maximal noch Karten gespielt, aber nicht mehr gesungen.“ Bei der berühmten Schriftstellerin und Heimatdichterin Mida Huber, die zu der Zeit in Forchtenstein lebte, da ihr Vater im Dienste der Gutsverwaltung Esterházy stand, lernte er im Unteren Edelhof, dem heutigen Achazium, Klavier spielen.

Einschneidend war das Jahr 1945: Niemand war mehr da, um in der Burgkapelle die Orgel zu spielen. „In Wiener Neustadt lebte ein pensionierter Schuldirektor, der nach Forchtenstein heiratete und oft bei uns im Wirtshaus zu Gast war. Mein Vater sprach ihn eines Tages darauf an, ob er nicht dem Buben, also mir, Orgelunterricht geben wollte.“ Die Orgel in der Burg war in Wirklichkeit ein altes Harmonium, und als Karl seine ersten Messen spielte, da war er schon sehr nervös. Immerhin ruhten die gestrengen Blicke der älteren Messbesucherinnen auf ihm.

1993 spielte er das erste Mal zur Rorate in der Forchtensteiner Pfarrkirche. „Seitdem bin ich da“, sagt Karl Schumlitsch schlicht, der in der diesjährigen Karwoche noch einmal seine Orgelkünste unter Beweis stellte. „Es war niemand verfügbar, also bin ich eingesprungen“, erzählt Schumlitsch, der im Oktober seinen 86. Geburtstag feiert. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde übrigens gesammelt, um für die Burgkapelle eine kleine Elektroorgel anschaffen zu können. Der Organist hat die Spendenliste, wer wieviel beisteuerte, bis heute aufbewahrt.