„Straight Forward“-Gin aus Neudörfl

Erstellt am 22. Februar 2022 | 06:20
Lesezeit: 4 Min
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Jakob Schappelwein (21) und Nicolas Ernst (20) liefern Neudörfler Gin ohne viel Geschnörkel, aber mit Holunder als lokalen Einfluss. Foto: zVg
Foto: BVZ
Der Neudörfler Jakob Schappelwein und sein Geschäftspartner und guter Freund Nicolas Ernst aus Hochwolkersdorf sind, solange nicht das Gegenteil bewiesen wird, Burgenlands jüngste Gin-Brenner.
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Auslandsemester sind lehrreich und können Wendungen im Leben eines jungen Menschen verursachen, die für immer prägend sind. Momentan wäre es noch zu früh, um das bei Jakob Schappelwein abschließend zu beurteilen, aber ein vielversprechender Anfang wurde bereits gelegt. Vor drei Jahren verschlug ihn ein Auslandsemester in das ferne Kanada. Die Gastfamilie, bei der er einzog, war zur Freude des heute 21-Jährigen Eigentümer einer Destillerie. „Schnell wurde ich mit der Materie bekannt gemacht“, erzählt Schappelwein. „Ich war sofort fasziniert von der Gin-Produktion und verbrachte daraufhin fast jede freie Minute in der Destillerie.“ Wieder zurück in Österreich, teilte Jakob seine Erlebnisse seinem Schulfreund und jetzigen Geschäftspartner, Nicolas Ernst, mit. Im Gespräch kristallisierte sich schnell das gemeinsame Interesse Gin heraus. „Daraufhin haben wir gemeinsam begonnen, ein wenig herumzuexperimentieren.“

Gebrannt wird im alten Heurigengebäude

Im Dezember haben die beiden nach einer ausgiebigen Experimentierphase schließlich ihren ersten marktreifen Gin hergestellt. Produziert wird derzeit im Gebäude des ehemaligen Heurigen Schappelwein in Neudörfl. „Dieses wurde die letzten zwanzig Jahre verpachtet. Im September 2020 hat der Pächter bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag nicht verlängern möchte. Für uns hat sich das natürlich sehr gut gefügt“, berichtet Jakob Schappelwein. Inzwischen wird bereits fleißig produziert.

Gin entsteht auf der Grundlage des sogenannten Mazerationsprozesses, bei dem verschiedene Zutaten wie Beeren, Gewürze, Kräuter, Samen, Früchte und Fruchtschalen in hochprozentigem Alkohol eingelegt werden. Diese Zutaten werden als Botanicals bezeichnet. Pannonia Spirits, so der Name des Neudörfler Gins, vereint insgesamt sieben dieser Botanicals. „Hauptbestandteil ist Wacholder“, erklärt Schappelwein. „Es ist deklariert, dass ein Gin hauptsächlich nach Wacholder schmecken soll.“ Weiters kommen noch Angelikawurzel, Koriander, Orangen- und Zitronenzesten sowie Pfeffer dazu. „Der Pfeffer ist dabei sehr subtil, würde ich sagen. Man braucht schon eine sehr gute Nase und Zunge, damit man ihn herausschmeckt.“ Abgerundet wird der Gin durch Holunderbeeren. „Die sind sozusagen unser lokaler Einfluss. Als Kind habe ich extrem gerne Hollerkoch bei meiner Oma gegessen. Wie ich die Holunderbeeren gebrannt habe, hat mich das sofort wieder daran erinnert. Ich habe sofort gewusst, ich möchte Holunderbeeren in meinem Gin haben.“

Als Kind habe ich extrem gerne Hollerkoch bei meiner Oma gegessen. Ich habe sofort gewusst, ich möchte Holunderbeeren in meinem Gin haben.“ Jakob schappelwein Gin-Produzent

Abgesehen vom Holunder beschreibt Schappelwein den Pannonia Spirit aber als „straight forward.“ „Das heißt, bei uns gibt es nicht viel Geschnörkel. Wir wollten einfach einen Gin machen, bei dem man am Geruch und Geschmack sofort erkennt: das ist Gin.“ Auch der Bar-Journalist und Genuss-Blogger Roland Graf hat dem Neudörfler Gin schon seinen Sanctus gegeben. „Er hat uns bestätigt, dass wir uns mit unserem Gin nicht verstecken müssen, was uns natürlich sehr gefreut hat.“ Bei der Preisgestaltung befinde man sich im österreichischen Durchschnitt, sagt Jakob Schappelwein. „Im Vergleich zu einem Massenprodukt sind wir allerdings schon etwas teurer.“ Das hat aber seine guten Gründe: „Mehr handgemacht als bei uns geht fast gar nicht. Die Zitronen schälen wird zum Beispiel gemeinsam am Küchentisch. Die Gin-Flaschen haben wir, bis sie fertig sind, acht- oder neunmal in der Hand.“ Die Botanicals sind zudem alle von Bio-Qualität, derzeit laufe auch der Bio-Zertifizierung-Prozess für ihr Produkt.

Bestellt werden können die 0,7-Liter-Flaschen unter anderem auf der Webseite der beiden: https://pannonia-spirits.at. Kommt eine Bestellung, setzen sich Jakob Schappelwein und Nicolas Ernst noch persönlich mit dem Kunden in Verbindung. In den nächsten Wochen soll dann ein Online-Shop gestartet werden.

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