Bereich um Bad Sauerbrunn seit Neolithikum besiedelt. Die bereits gemachten Funde im Zuge der archäologischen Grabungen bei der S 4 Mattersburger Schnellstraße bestätigen: Der Bereich bei Bad Sauerbrunn zählt zu den ältesten fix besiedelten Regionen des Menschen in Mitteleuropa.

Von Redaktion BVZ.at. Erstellt am 03. Mai 2021 (11:40)

Die Funde sind laut Experten mehr als 9.000 Jahre alt. Damit bietet das Mittelburgenland einen faszinierenden Blick auf die menschliche Geschichte. Seit Beginn der Ausgrabungen wurden bereits 40 Prozent der archäologischen „Verdachtsflächen“ vom Oberboden befreit und es konnten bisher mehr als 3.000 interessante archäologische Einzelbefunde erstellt werden.

Durchgeführt werden die Grabungen als Vorbereitung für den kommenden Sicherheitsausbau der S 4 zwischen Mattersburg und Wiener Neustadt. „Archäologische Fundstellen geben einen interessanten Einblick in die Vergangenheit“, sagt Alexander Walcher, Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management GmbH, „für uns ist wichtig, dass solche Zeugnisse der menschlichen Kultur erhalten bleiben.“

Zeitlich können die bisherigen Funde mehreren Epochen zugewiesen werden. „Sie reichen vom frühen Neolithikum über die späte Eisenzeit sowie der provinzialrömischen Besiedlung und setzen sich fort bis in die Zeit des Mittelalters“, bestätigt Kurt Fiebig, örtlicher Grabungsleiter. „Die ältesten Funde sind unter anderem Langhäuser aus neolithischer Zeit. Als bis dato jüngstes Artefakt haben wir einen Backofen freigelegt, den wir auf Grund der Begleitfunde zwischen das ausgehende neunte Jahrhundert und das Ende des 10. Jahrhunderts datieren.“

Das Team rund um Kurt Fiebig besteht aus 20 nationalen und internationalen Expertinnen und Experten. Alle beweglichen Funde werden genauestens sortiert, gesäubert und zusammengesetzt, wie Keramikbruchstücke und Steinwerkzeuge. Archäologe Fiebig weiter: „Es ist immer wieder faszinierend einen Blick in die Vergangenheit machen zu können. Wir kartieren und dokumentieren alle Funde und bewahren damit ein Stück Menschheitsgeschichte für die Nachwelt auf.“

Im burgenländischen Teil des Projektgebiets der S 4 wurden in Summe 19 Verdachtsflächen und im niederösterreichischen Teil acht Verdachtsflächen identifiziert, die nun bis Ende 2021 untersucht werden.

Archäologische Grabungen sind Eckpfeiler des Autobahn-Neubaus

Archäologische Untersuchungen im Vorfeld zu Autobahn-Erweiterungen oder auch -Neubauten gehören zum ASFINAG-Standard und bringen einen zentralen Vorteil: die Entdeckung geschichtlich interessanter Stätten in Gebieten, die ohne geplanter Straßeninfrastruktur nicht erkundet worden wären. Die frühzeitige Erkennung, Freilegung und Sicherung der Fundstücke garantiert letztlich auch einen raschen Baufortschritt.

Unterbrechungen wegen archäologischer Funde werden so ausgeschlossen, denn gegraben wird genau dort, wo gebaut wird. Besonders interessante Stücke stellt das Bundesdenkmalamt entweder für Schwerpunkt-Ausstellungen oder Spezial-Museen zur Verfügung.