Die „Kampfgemeinden“ im Bezirk Mattersburg. In mehreren Gemeinden, darunter auch die Bezirkshauptstadt, wackelt die Absolute der regierenden Partei. Die ÖVP hofft auf Führungswechsel in Pöttsching.

Von Bettina Eder und Helga Ostermayer. Erstellt am 07. September 2017 (09:05)
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Besondere Situation. In Marz hat sich mit Corinna Braunrath, Jürgen Lehrner, Spitzenkandidatin Ursula Linninger und Roman Schiller ein neues SPÖ-Team gebildet, das sich acht Mandate ausrechnet. Seit den letzten Gemeinderatswahlen war diese Partei nicht mehr in Marz vertreten. Damals wurde der Wahlvorschlag 20 Minuten zu spät eingebracht und ein Wahlantritt war somit nicht mehr möglich.
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Bei den kommenden Wahlen wird es wohl in so manchen Gemeinden richtig und in manchen nur am Papier spannend werden. In gleich fünf Gemeinden (Mattersburg, Neudörfl, Pöttsching, Wiesen und Krensdorf) sitzt die Bürgermeisterpartei nur auf einem Mandat Überhang (siehe Tabelle rechts) mit absoluter Entscheidungsgewalt im Gemeinderat. Eine kleine Verschiebung der Wählerschicht könnte da schon eine gravierende Änderung bedeuten.

Mattersburg: SPÖ hat vier Mitbewerber

In der Bezirkshauptstadt sind dafür zwei Mandate – grob geschätzt – 280 bis 300 Stimmen notwendig. Verliert die SPÖ von Bürgermeisterin Ingrid Salamon diese, ist die Absolute futsch. Chancen gibt es, denn erstmals hat die SPÖ gleich vier Mitbewerber (ÖVP, FPÖ, Grüne und die Liste Zukunft Mattersburg). Und alle haben dasselbe Ziel: die Absolute der SPÖ zu brechen. Gleichzeitig treten auch fünf Kandidaten – und damit zwei mehr als noch 2012 – zur Bürgermeisterwahl an. Damit könnte es auch für Ingrid Salamon spannend werden – jedenfalls bis zur Stichwahl.

Eine der „heißesten“ Gemeinden des Bezirks ist mit Sicherheit Pöttsching. Hier hofft die ÖVP auf einen politischen Wechsel zu ihren Gunsten. Die Chancen sind da, denn zum einen sind die Stimmen und zwei Mandate der Liste BIKuS neu zu vergeben – diese tritt nicht mehr an. Und zum anderen gibt es in den beiden verbleibenden Parteien, SPÖ und ÖVP, eine neue Führung. Bürgermeister Herbert Gelbmann (SPÖ) trat aus gesundheitlichen Gründen zurück, interimistisch übernahm Karin Lehner das Bürgermeisteramt, stellte aber von Anfang an klar, dass sie zur Wahl nicht antreten werde.

Petra Pankl. Die Vizebürgermeisterin will Ortschefin werden.
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Gegen den aus Kärnten stammenden SPÖ-Kandidaten Martin Mitteregger geht ÖVP-Vize Petra Pankl ins Rennen. Sie meint: „Die ÖVP besucht alle Pöttschingerinnen und Pöttschinger zu Hause und ich selbst bemühe mich, mit so vielen Leuten, wie möglich ins Gespräch zu kommen. Dadurch hat sich mein Eindruck noch verstärkt, dass es die Bürger sehr schätzen würden, jemanden, der schon immer in Pöttsching lebt und die Leute gut kennt, als Bürgermeisterin zu haben.“

In Forchtenstein geht es um ein Mandat, das die Absolute der SPÖ brechen würde. Auch hier tritt eine Partei, die Grünen, nicht mehr an. Bürgermeisterin Riki Reismüller meint: „Die Frage ist, nachdem die Grünen nicht mehr kandidieren, wohin diese Wähler abwandern werden. Wir streben natürlich danach, unser Mandat zu halten und auch die Grün-Wähler zu überzeugen.“

Riki Reismüller. Die Bürgermeisterin will auch Grün-Wähler überzeugen.
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Auch in Wiesen geht es um ein Mandat, das die ÖVP für die Absolute braucht. Bürgermeister Matthias Weghofer ist zuversichtlich: „Die Stimmung bei dieser Wahl ist wesentlich besser als vor fünf Jahren, daher gehe ich nicht davon aus, dass wir ein Mandat verlieren werden. Im Gegenteil, ich glaube, dass wir eines dazugewinnen werden.“

Ziel ist: Absolute der SPÖ zu brechen

In Neudörfl erklärt der Mediziner und Spitzenkanditat von Pro Neudörfl, Andreas Schramm: „Natürlich ist es unser Wahlziel, ein Mandat dazuzugewinnen und somit die Absolute der SPÖ zu brechen. Das sollten sich aber alle anderen Fraktionen auch auf ihre Fahnen heften. Allerdings, fürchte ich, dass dieses eine Mandat bei der SPÖ sehr gut abgesichert sein wird.“ Auch in Krensdorf steht nur ein Mandat zwischen der SPÖ und ÖVP.

Derzeit haben die Schwarzen den Vorsitz in der Gemeinde mit sieben Mandaten. Bürgermeister und Spitzenkandidat der ÖVP, Karl Izmenyi, meint zu den bevorstehenden Wahlen: „Ich denke, dass die Arbeit, die wir in den letzten Jahren geleistet haben, seitens der Bürger geschätzt wird und wir unseren Mandatsstand erhalten können. Schlussendlich entscheiden aber die Wähler.“