Archäologische Funde in Bad Sauerbrunn

Die Relikte sind laut Experten mehr als 9.000 Jahre alt. Der Bereich bei Bad Sauerbrunn zählt zu den ältesten, fix besiedelten Regionen des Menschen in Mitteleuropa.

Erstellt am 07. Mai 2021 | 03:23
Archäologischer Fund
Fleißig bei der Arbeit. Die Archäologinnen Monika Winter, Stephanie Horvath, Grabungsleiter Kurt Fiebig sowie Michael Hohenegger und Karin Katzengruber von der Asfinag.
Foto: BVZ

Die Vorbereitungen für die Bauarbeiten für die S4 sind zurzeit voll im Gange. Dabei entstehen eine bauliche Mitteltrennung sowie eine Verbreiterung der Fahrbahn.

Da im Rahmen der Bautätigkeiten nicht ausgeschlossen werden kann, dass Bodendenkmäler angetroffen werden, lassen die Baufirmen, in diesem Fall die Asfinag, bereits im Vorfeld die Baubereiche auf Bodendenkmäler untersuchen.

Wie aufgrund der Lage im fruchtbaren Wulkabecken nicht anders zu erwarten, weist das Gebiet rund um Pöttsching und Bad Sauerbrunn zahlreiche urgeschichtliche Funde auf. Archäologen haben im burgenländischen Teil des Projektgebiets zahlreiche Reste des alltäglichen Lebens, wie Keramikbruchstücke und Steinwerkzeuge und die Reste einer jungsteinzeitlichen Siedlung entdeckt. Diese Funde bestätigen, dass der Bereich bei Pöttsching und Bad Sauerbrunn zu den ältesten, fix besiedelten Regionen des Menschen in Mitteleuropa ist. Die Funde sind laut Experten mehr als 9.000 Jahre alt.

Zeitlich können die bisherigen Funde mehreren Epochen zugewiesen werden. „Sie reichen vom frühen Neolithikum über die späte Eisenzeit sowie die provinzialrömische Besiedlung und setzen sich fort bis in die Zeit des Mittelalters“, bestätigt Kurt Fiebig, örtlicher Grabungsleiter. Die nachgewiesene Siedlung wurde etwa vor 7.500 Jahren bewohnt. Charakteristisch für derartige Siedlungen sind Hausgrundrisse von Langhäusern, errichtet als Pfostenbau. Das bisher größte Haus auf der Fundstelle hat eine Länge von etwa 17 Meter und eine Breite von etwa sechs Meter. Bisher wurden acht derartige Hausgrundrisse dokumentiert. Auch aus der späten Phase der Eisenzeit konnten zahlreiche Objekte gefunden werden. Die bisher freigelegten Haustypen dieser Zeit sind klassisch mit Eck- und Firstpfosten ausgeführt. Funktionell lassen sich die Häuser als Werkstätten und Wohnhäuser unterscheiden. Als bis dato jüngster Fund konnte ein Backofen freigelegt werden, welcher zwischen dem neunten Jahrhundert und Ende des zehnten Jahrhunderts datiert wird.

Das Team rund um Kurt Fiebig besteht aus 20 nationalen und internationalen Expertinnen und Experten. Alle beweglichen Funde werden genauestens sortiert, gesäubert und zusammengesetzt, wie Keramikbruchstücke und Steinwerkzeuge.

„Es ist immer wieder faszinierend, einen Blick in die Vergangenheit machen zu können. Wir kartieren und dokumentieren alle Funde und bewahren damit ein Stück Menschheitsgeschichte für die Nachwelt auf“, so Archäologe Fiebig.

Alle archäologisch relevanten Funde werden nun ausgegraben, dokumentiert, geborgen und bis Ende heurigen Jahres untersucht.