Aufgeben ist keine Option für Thomas Tschurlovich. Seit 2016 führt Thomas Tschurlovich aus Neudörfl neben dem „Bierkistl“ auch das „Hotel Garni“. Unternehmerisch ist er dadurch von der Pandemie gleich doppelt betroffen.

Von Christian Artner. Erstellt am 06. Februar 2021 (04:36)
Wandern zählt zur neuen Freizeitbeschäftigung von Thomas Tschurlovich. Seit 3. November stehen die Stühle in seinem Lokal, dem Bierkistl, auf den Tischen. Und auch sein „Hotel Garni“ ist nur mit Berufsreisenden belegt.
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Neun Monate fehlten ihm im vergangenen Jahr mit normalem Umsatz, dieses Jahr werden es zumindest zwei sein. Bis Ende Feber ist das Beherbergungsverbot in der Hotellerie noch aufrecht, Mitte Feber soll neu evauliert werden. „Ab wann ich denke, dass es wieder möglich sein wird, Gäste zu beherbergen, traue ich mich noch nicht zu sagen.“

Derzeit darf Tschurlovich zwar Gäste in seinem Hotel unterbringen, die aus beruflichen Gründen anreisen, beispielsweise Monteure, Außendienstler oder Geschäftsleute, das aber auch nur unter strengen Auflagen und jeweils einzeln in den Zimmern. Bis zu höchstens 25 Prozent sei sein Hotel momentan mit Berufsreisenden ausgelastet. „Neudörfl ist zum Glück gesegnet mit vielen Arbeitsplätzen von auswärts. Aber das ist trotzdem nur sporadisch und spontan, keine langfristige Möglichkeit.“

Im Frühling beginnt im Hotel Garni, das Tschurlovich 2016 nach Vorbild englischer „Bed & Breakfast“-Unterkünfte gegründet hat, mit lediglich einer kleiner Rezeption, Übernachtung und einem Frühstück, die Hochsaison vor allem mit Wochenendgästen. Hochzeiten in der Umgebung bedeuten regelmäßig gute Belegungszahlen. Aber auch von kleineren und größeren Veranstaltungen profitiert Tschurlovich, etwa vom Wiesen-Festival oder vom Rock n‘ Roll im Kurpark in Bad Sauerbrunn. Und sogar Gäste der Seefestspiele in Mörbisch und St. Margarethen übernachten bei ihm. All das hat im vergangenen Jahr gefehlt und steht, wenn es nach Tschurlovich geht, auch heuer auf der Kippe. Ihn ärgert deshalb auch die seiner Meinung nach zu lasche Krisenpolitik der Regierung.

„In Wirklichkeit ist es eine Frechheit, dass Schifahrer noch zusammengepfercht in Gondeln sitzen oder massenhaft bei den Liften anstehen. Wir im Osten halten uns an die Regeln und im Westen darf man tun, was man will, nur weil die Schilobby so stark ist.“ Genauso dürfe man zwar zuhauf am Rathausplatz eislaufen, aber auf zugefrorenen Seen sei zum Bespiel Eisstockschießen untersagt. „Es gibt eben gleich und gleicher in Österreich“, sagt Tschurlovich.

„Ich will nicht von Förderungen leben. Das bin ich nicht. Ich möchte mein Lokal, mein Hotel haben, ich möchte mir selbst etwas erwirtschaften“, sagt Thomas Tschurlovich, der auf einen Frühling mit weniger Einschränkungen hofft.

Kompensationszahlungen hat es für ihn zwar gegeben. Ob die allerdings ausreichend sind, lässt er offen. „Im ersten Lockdown habe ich dreimal fünfhundert Euro bekommen und die Kurzarbeit meiner Mitarbeiterinnen. Der zweite Lockdown ist überhaupt ganz untergegangen. Und vom dritten Lockdown habe ich letzte Woche die achtzig Prozent Umsatzersatz für November bekommen und die Kurzarbeit, für den Dezember aber noch gar nichts.“ Außerdem schrumpfe der Umsatzersatz von Monat zu Monat. „Wenn ich eine Belegung habe, bekomme ich sogar noch weniger. Das heißt, man wird auch noch für das Arbeiten bestraft.“

Noch dazu trifft Tschurlovich die Pandemie gleich doppelt. 150 Meter die Straße hinauf betreibt er sein Pub, das Bierkistl. „Das Hotel Garni habe ich als zweites Standbein eröffnet, als die Nichtraucherlösung angestanden ist. Mein Lokal ist eben ein typisches Raucherlokal, wo nach der Arbeit Bier oder Kaffee getrunken und dazu eine Zigarette geraucht wird. Deswegen habe ich mir auch noch etwas anderes gesucht.“

Wandern zählt zur neuen Freizeitbeschäftigung von Thomas Tschurlovich. Seit 3. November stehen die Stühle in seinem Lokal, dem Bierkistl, auf den Tischen. Und auch sein „Hotel Garni“ ist nur mit Berufsreisenden belegt.
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Allen Schwierigkeiten zum Trotz, aufgeben will Tschurlovich nicht. Einerseits weil es gar keine Option ist. „Wer kauft oder wer pachtet jetzt ein Hotel?“ Andererseits weil Tschurlovich jemand ist, der stets anpackt. „Ich will nicht von Förderungen leben. Das bin ich nicht. Ich möchte mein Lokal, mein Hotel haben, ich möchte mir selbst etwas erwirtschaften.

Es ist alles leider sehr traurig.“ Seinen trockenen Humor hat Tschurlovich jedenfalls in den letzten Monaten nicht verloren. Was er mit der gewonnen freien Zeit jetzt anfängt? Neben kleineren Renovierungen am Hotel, Lokal und Haus und wandern: „Meinen Hund trainieren. Ich habe so einen Wirtshaushund. Dem bringe ich ein wenig bei, damit er endlich mal was lernt.“