Mattersburger Florianihof ist geschlossen. Das Hotel-Restaurant hatte am vergangenen Wochenende zum letzten Mal geöffnet: 21 Personen ohne Arbeit.

Von Richard Vogler. Erstellt am 27. August 2020 (05:30)
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Der Draßburger Alfred Bandat war seit 1998 Geschäfsführer des Hotel-Restaurants.
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Am Freitag vergangener Woche war es soweit: Der Florianihof hatte das letzte Mal geöffnet. Am 12. August wurde das Konkursverfahren eröffnet. Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie wurde als Grund dafür vor allem der Konkurs der Commerzialbank angegeben (der Florianihof steht zu 100 Prozent im Besitz der Bank). Als Passiva wurden 3,3 Millionen Euro angegeben. „Ursprünglich war angedacht, bis Ende September geöffnet zu haben. Nach einer erneuten Kalkulation war es fraglich, ob dies wirtschaftlich sinnvoll ist. Wir haben uns dann entschlossen, den Betrieb früher zu schließen“, berichtet Masseverwalter Christian Supper (Radel Stampf Supper Rechtsanwälte). 16 Mitarbeiter sind bereits am 17. August aus dem Unternehmen ausgetreten, fünf weitere hatten am Samstag vergangener Woche ihren letzten Arbeitstag beim „Flurl“.

Schätzbericht in Auftrag gegeben

Von Seiten des Masseverwalters wurde ein Schätzbericht für das Gebäude samt Liegenschaft in Auftrag gegeben. In weiterer Folge wird versucht, dies bestmöglich zu verwerten. Wann es einen Verkauf gibt, ist noch offen. „Dies ist aktuell schwer abzuschätzen“, so Supper.

Der Florianihof wurde 1957 von Florian und Resi Morawitz eröffnet. Tochter Josefine Hödl übernahm gemeinsam mit Ehemann Hans Hödl in den 1970er-Jahren den Betrieb. Nach dem tödlichen Autounfall von Hans Hödl führte Josefine Hödl den Betrieb alleine weiter. Im Jahre 1998 kaufte die Commerzialbank das Hotel-Restaurant und Alfred Bandat wurde von Martin Pucher als Geschäftsführer eingesetzt. Bandat ist Draßburger, ist seit seiner Lehre im Jahre 1974 im Eisenstädter „Schwechaterhof“ in der Gastronomie – darunter zwölf Jahre im Ausland, und zwar in Italien, Spanien, der Türkei, Griechenland, der Schweiz und Deutschland – tätig. Als der Bankbetrieb am 15. Juli eingestellt wurde, war „natürlich schon ein gewisses Gefühl da, dass es mit dem ‚Florianihof‘ zu Ende gehen könnte.

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Der Draßburger Alfred Bandat war seit 1998 Geschäfsführer des Hotel-Restaurants.
BVZ

Wenn es der Mutter schlecht geht, geht es dem Sohn ebenso schlecht. Trotzdem habe ich zu Beginn gehofft, dass es irgendwie weitergehen könnte“, berichtet Bandat. Der Konkurs war bald gewiss, 21 Menschen verlieren ihre Arbeit. „Es ist einfach eine Tragödie. Einige haben seit ihrer Lehrzeit im Florianihof gearbeitet, ein Dienstnehmer etwa war 35 Jahre beschäftigt. Ich möchte auf diesem Weg ein großes Dankeschön an meine Mitarbeiter aussprechen, sie waren einfach Spitze. Und auch bei unseren Gästen, die uns über die Jahre besucht haben, möchte ich mich bedanken“, berichtet der Gastronom.

Geht es nach Bandat, so hat er den Florianihof „aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Ich hatte viele Ideen, diese konnte ich jedoch nur umsetzen, weil ich so tolle Mitarbeiter hatte.“ Bandat und sein Team veranstalteten die vergangenen Jahre ein Oktoberfest am Parkplatz vor dem Hotel, sorgte für die Gastronomie beim Mattersburger Musiksommer und war federführend bei der Organisation des „Bella Italia“. Die Besucher im VIP-Zelt wurden vom Florianihof mit Essen versorgt, Bandat und sein Team verköstigten die Spieler des SV Mattersburg bei ihrem Europacup-Auswärtsspiel in Astana. Jener Auftrag der ungarischen Botschaft in Wien, 1.000 Personen mit Essen zu versorgen, wurde ebenso bewältigt.

Bandat selbst will sich nun einmal eine Auszeit nehmen. „Zunächst Corona mit ihren Auswirkungen auf die Gastronomie und nun das – da braucht man einfach Zeit.“