Drogenring: Plantage auch in Forchtenstein

630 Cannabispflanzen entdeckt. Weitere drei Männer in U-Haft.

Erstellt am 24. Dezember 2021 | 05:46
Lesezeit: 3 Min
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In Indoorplantagen wurden hunderte Cannabispflanzen gezüchtet. Hinter der burgenländischen Produktion soll ein international tätiger Drogenring stecken.
Foto: Symbolfoto: Avirut S, shutterstock.com

Im Juni 2021 hatte die Polizei eine Drogenplantage in einem gemieteten Haus in Oberpullendorf gestürmt. Kürzlich statteten die Kriminalbeamten einer weiteren Plantage in Forchtenstein einen Besuch ab.

Dass die Drogenbande, die offenbar hinter den Plantagen steckt, aufflog, ist dem vom FBI in kriminellen Kreisen eingeschleusten Krypto-Messengerdienst „Anon“ zu verdanken. Die amerikanische Sicherheitsbehörde zeichnete die angeblich „abhörsicheren“ Gespräche und Chats auf und informierte die nationalen Behörden, die daraufhin Observationen starteten.

Drogen-Züchter bedienten sich Krypto-Handys

Anfang Juni ließ die Polizei die Indoor-Plantage im Bezirk Oberpullendorf auffliegen, drei Männer wurden verhaftet. Sie hatten sich zweier „Anon“-Handys bedient.

Bei der Forchtensteiner Plantage klickten kürzlich für drei weitere Beteiligte die Handschellen.

Für zwei „Gärtner“, Serben im Alter von 38 und 44 Jahren, die in der Plantage im Bezirk Oberpullendorf Dienst versehen hatten, endete der Drogenprozess in der Vorwoche mit einem Schuldspruch.

Sie wurden wegen ihrer Beteiligung an der Drogenproduktion im Rahmen einer kriminellen Vereinigung zu 20 bzw. 24 Monaten Haft verurteilt. Der Jüngere nahm das Urteil an, der Ältere meldete Berufung dagegen an. Fortgesetzt wurde der Prozess gegen den 41-jährigen Hauptangeklagten, der das Haus im Bezirk Oberpullendorf gemietet hatte.

Dieser hatte sich prinzipiell schuldig bekannt, aber angegeben, er habe nur mit maximal acht Personen zusammengearbeitet.

Hauptangeklagter zog es vor, zu schweigen

Weitere Fragen werde er auf Anraten seines Anwalts nicht beantworten, so der Angeklagte.

Ein Beamter des Bundeskriminalamtes berichtete, dass in Österreich ca. 5000 „Anon“-Handys benutzt wurden. Pro Monat und Handy waren dafür 750 Euro Gebühr zu entrichten.

Als besonders attraktiv dürfte den Benützern erschienen sein, dass man die über „Anon“ geführten Chatverläufe sogar aus der Ferne löschen konnte. Tatsächlich wurden die Chats jedoch vom FBI gesichert. Den Behörden stehe nun eine „riesige Datenmenge“ zur Verfügung, von der bislang ein Drittel ausgewertet sei, so der BKA-Beamte.

„Unser Mann in Österreich“

Der Hauptangeklagte habe, so der BKA-Beamte, Kontakt zu zehn bis fünfzehn Personen in Serbien gehabt, die „sehr relevant“ seien und den 41-Jährigen als „ihren Mann in Österreich“ bezeichnet hätten.

Es handle sich um eine große Drogenorganisation, die in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und in Serbien Indoorplantagen betreibe.

Dabei würden die „Gärtner“ in den Plantagen „wie Tiere“ gehalten, so der Kriminalbeamte.

Der Hauptangeklagte hatte die Aufgabe, für Indoorplantagen geeignete Häuser auszukundschaften. Voraussetzung dafür, dass der immense Stromverbrauch nicht gleich auffallen sollte, war dabei, dass sich in der Umgebung ein anderer größerer Stromverbraucher befand. Bei dem Haus im Bezirk Oberpullendorf war der Stromzähler der Energie Burgenland überbrückt und der Strombedarf für die Plantage illegal bezogen worden.

Der Hauptangeklagte habe unzählige Objekte besichtigt. Er verwendete gefälschte Dokumente und organisierte die teuren Lampen für die Indoorplantagen.

Haus in Forchtenstein besichtigt

Er soll auch das Haus in Forchtenstein besichtigt, dieses aber nicht selbst angemietet haben.

Gemietet wurde dieses Haus später von anderen Personen. Kürzlich stattete die Polizei dem Objekt einen Besuch ab, fand dort eine florierende Cannabisplantage mit 630 Pflanzen und 10 Kilogramm verkaufsbereitem Cannabis vor und verhaftete drei mutmaßliche Mittäter. Ein weiterer Verdächtiger ist auf freiem Fuß.

Der Prozess gegen den 41-Jährigen wurde ein weiteres Mal vertagt, weil der Verteidiger darauf bestand, dass der Sachverständige sein Gutachten zum Reinheitsgehalt des im Haus im Bezirk Oberpullendorf aufgefundenen Cannabis persönlich vor Gericht erläutert.