Wohnungen zu billig in Neudörfl?

Der Großteil der etwa 300 Gemeindebauwohnungen in Neudörfl gelangte bereits ins Eigentum ihrer Mieter. Die FPÖ ist der Ansicht, dass sie zu billig verkauft werden.

Christian Artner Erstellt am 24. Juli 2019 | 03:04
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Symbolbild Modellhaus auf Euroscheinen
Foto: NOEN, Erwin Wodicka (www.BilderBox.com)

Ein Haus oder eine Wohnung sein Eigen zu nennen, ist für viele Menschen ein erstrebenswertes Ziel. Nicht immer ist das begehrte Objekt allerdings finanziell erschwinglich. Neudörfl schlägt hier, jedenfalls seine Gemeindewohnungen betreffend, einen Weg ein, der auf Mieter entgegenkommend wirkt – ein wenig zu entgegenkommend, wie die FPÖ Neudörfl findet, die deshalb auch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats einem Beschluss, eine Gemeindewohnung an dessen Mieter zu verkaufen, als einzige Partei nicht mitgetragen hat.

„18.000 Euro für eine Wohnung mit zirka 90 m² ist weit unter Wert und entspricht weder dem freien Wettbewerb noch kann es im Sinne der Gemeindefinanzen sein“, begründet Robert Peterlik von der FPÖ die Entscheidung seiner Fraktion, dem Antrag nicht zuzustimmen. Der FPÖ-Ortsvorsitzende schätzt, dass auf dem freien Markt eine solche Wohnung um etwa 80.000 Euro zu haben wäre.

„Es gab bereits vor Jahrzehnten einen Grundsatzbeschluss, dass diese Wohnungen gekauft werden können"

Für SPÖ-Vizebürgermeister Michael Sgarz ist die Sache jedoch klar: „Es gab bereits vor Jahrzehnten einen Grundsatzbeschluss, dass diese Wohnungen gekauft werden können. In diesem Beschluss wurde angeführt, dass die Gemeinde aus dem Verkauf keinen Gewinn ziehen wird. Mir ist klar, dass Peterlik das anders sieht und meint, man könne diese Wohnungen viel gewinnbringender verkaufen. Aber die Aufgabe der Gemeinde ist es nicht, gewinnbringend zu verkaufen, sondern den sozialen Wohnbau zu fördern.“ Es müsse aber auch betont werden, dass der Gemeinde dadurch kein Verlust entstehe.

„All die Kosten, die sie in den Bau investiert hat, sind durch Mieteinkünfte und Verkaufspreis zurückgezahlt. Die Realkosten, die bezahlt worden sind, zuzüglich der Verbraucherpreisindizierung werden abgegolten. Wesentlich ist also, dass der Gemeinde kein Verlust entsteht. Wir sind aber darüber hinaus kein Immobilienmakler“, fasst Sgarz zusammen.

„All die Kosten, die sie in den Bau investiert hat, sind durch Mieteinkünfte und Verkaufspreis zurückgezahlt"

Der Käufer übernimmt zusätzlich noch die ausstehende Wohnbauförderung. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass diese Wohnungen anschließend sofort teuer weiterverkauft werden könnten. Dies liege allerdings nicht mehr im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde: „Was die Käufer mit der Wohnung machen, ob sie sie weiterverkaufen oder vermieten ist nicht mehr Gegenstand unseres Interesses“, gibt Sgarz an.

In Neudörfl wurden etwa 300 Gemeindewohnungen gebaut. Die meisten dieser Wohnungen sind schon in das Eigentum der Mieter übergegangen. Im Durchschnitt zwei- bis dreimal pro Jahr trete jemand mit dem Wunsch, eine solche Wohnung zu erwerben, an die Gemeinde heran.