Bezirk Mattersburg: Zuckerrübenanbau geht zurück. Markus Fröch, Präsident des Burgenländischen Rübenbauernbundes, sieht wie Insektizidverbote, aber auch Importe und die Coronakrise der heimischen Rübenproduktion zusetzen.

Von Tina Wohlfarth. Erstellt am 13. Februar 2021 (04:12)
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Am 28. Jänner fand die 58. Vollversammlung des Burgenländischen Rübenbauernbundes coronabedingt erstmals in digitaler Form statt. Die Rübenbauern forderten dabei einmal mehr von der Politik ein Bekenntnis zur produzierenden Landwirtschaft und zum modernen Pflanzenschutz.

Ausgebracht werden die Samen der Zuckerrübe von März bis April. Sobald diese im Herbst ihren höchsten Zuckergehalt erreicht haben, werden die Zuckerrüben geerntet. Abhängig von der Witterung geschieht dies etwa von Mitte September bis Ende Dezember. Per Traktor oder Lkw erreichen die Zuckerrüben eine der beiden Zuckerfabriken im niederösterreichischen Tulln oder Leopoldsdorf. Diese werden dort zu hochqualitativem Zucker, entweder für den Endkonsumenten oder für die weiterverarbeitende Industrie, verarbeitet.

Im Burgenland wurden 2020 auf 2.430 Hektar Ackerfläche von 238 Landwirten Zuckerrüben angebaut. Aufgrund von Schädlingen wurden österreichweit 20 Prozent der konventionellen und über 50 Prozent der ursprünglich 2.099 Hektar Biorüben vernichtet. „Das ist überdurchschnittlich viel“, erzählt Markus Fröch. Dieser ist seit 2017 Präsident des Burgenländischen Rübenbauernbundes. Der Kleinfrauenhaider bewirtschaftet selber 70 Hektar.

„In den letzten 10 Jahren ist die Anbaufläche im Burgenland weniger geworden“, schildert Fröch. So sind es in Mattersburg derzeit 313 Hektar Rüben-Anbaufläche. Das Verbot der Neonicotinoide, einem Insektizid, sei das Hauptproblem. Dieses dürfe man durch Sondergenehmigungen in anderen Bundesländern ausbringen, im Burgenland aber nicht. Schädlingen wie dem Rübenrüsselkäfer oder dem Erdfloh könne man ohne diesem Neonicotinoid kaum Herr werden. „Da sich das Land gegen eine Notfallzulassung ausgesprochen hat, gibt es für heimische Rübenbauern viele Nachteile und dies hat einen massiven Rückgang des burgenländischen Zuckerrübenanbaus zu Folge“, so Fröch. Aber auch durch Importe und die Coronakrise ist der Zuckermarkt unter starkem Druck. Die niedrigen Preise sorgen außerdem für einen reduzierten Anbau.

Zuckerversorgung ist gesichert

Heuer konnten 2,1 Millionen Tonnen Zuckerrüben geerntet werden. Diese Zahl liegt unter den früheren Spitzenwerten von 3 Millionen Tonnen. Die Versorgung in Österreich ist aber, vor allem nach dem letztjährigen Kraftakt mit dem Erhalt der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf, weiterhin gesichert. Um die heimischen Rübenbauern abzusichern gibt es seitens der AGRANA seit dem Vorjahr einen Drei-Jahres-Vertrag. Dieser garantiert einen Mindestpreis pro Tonne Zuckerrübe.

„Der Mindestpreis pro Tonne Zuckerrübe sichert nicht nur das Einkommen, sondern auch die Existenz unserer Rübenbauern. „Wir müssen sicherstellen, dass unsere Zuckerrübenbauern auch weiterhin diese regionstypische Pflanze anbauen können und sich die Bewirtschaftung lohnt. Ist das nicht der Fall, wird Ware aus dem Ausland importiert. Dies führt zu einem Verfall unserer Kulturlandschaft und ist nicht im Sinne des Klimaschutzes“, so Markus Fröch.

Da das Burgenland in den letzten Jahren überproportional stark vom Rückgang der Zuckerrübenflächen betroffen war und viele Lieferrechte in die Nachbarbundesländer wanderten, fordert Landwirtschaftskammer- Präsident Nikolaus Berlakovich eine konkrete Perspektive, um bei den burgenländischen Bauern die Anbauflächen zu erhalten und auch ausweiten zu können. „Die wichtigste Maßnahme wäre ein effektiver Pflanzenschutz. Dann können auch die burgenländischen Rübenbauern ihren Beitrag zur Sicherung der österreichischen Selbstversorgung mit Zucker leisten“.