Neues Projekt: „Das Gegenteil von einsam ist gemeinsam“

Erstellt am 10. Mai 2022 | 15:30
Lesezeit: 4 Min
Neues Projekt: „Das Gegenteil von einsam ist gemeinsam“
Pfarrer Jakob Kruse (Loipersbach, Projektpartner), Pfarrer Patrick Todjeras (Vertreter der Kirchenleitung und Leiter des Gesamtprojektes), Erna Fürst (Vizebürgermeisterin Loipersbach, Projektpartnerin), Pfarramtssekretärin Alexandra Hasler, Anneliese Heidinger und Elke Piff (beide Diakonie Burgenland und Projektpartner), Barbara Klawatsch, Hannelore Grössing (Gesundes Dorf, ebenso wie Ulli Zika, die nicht am Bild ist.).
Foto: zVg
Mit dem Projekt „Verbundenheit leben“ der Diakonie Burgenland soll der zunehmenden Vereinsamung von Menschen im ländlichen Raum entgegenwirkt werden. In Loipersbach wird das Projekt seit 1. Mai von Alexandra Hasler koordiniert.
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Durch Corona trat Einsamkeit und Vereinsamung wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Vor allem in der Anfangs- und den Hochphasen der Pandemie wurde dem Schutz vor dem Virus teilweise sogar mehr Bedeutung eingeräumt als den Folgen, die durch eine soziale Abgrenzung und Isolation entstehen .

„Manchmal schauen wir einfach nicht genau hin“, sagt die Loipersbacher Pfarramtssekretärin Alexandra Hasler – auch ganz unabhängig von der Pandemie. „Deshalb ist jetzt unser Ziel, dass wir wieder genau hinsehen.“ Die Gefahr einer Vereinsamung besteht vor allem bei den älteren Menschen, meint Hasler. „Dort, wo vielleicht die Kinder weggezogen sind und sie nur mehr am Wochenende Zeit haben.“

Auch die steigenden Anforderungen, die das Arbeitsleben an viele stellt, können dazu führen, dass man sich in der Familie nicht mehr so oft sieht. „Es muss also gar nicht so sein, dass man sich die Zeit nicht nehmen will, sondern dass sie ganz einfach schlichtweg fehlt.“

„Niemand muss sich dessen schämen“

Sehr oft leiden die Menschen an ihrer Vereinsamung. „Häufig entstehen Depressionen. Aber auch körperliches Leid kann eine Folge von Vereinsamung sein. Das soziale Umfeld und die sozialen Kontakte sind ein ganz wichtiger Bestandteil nicht nur für unsere seelische, sondern auch unsere körperliche Gesundheit.“

Hasler stimmt auch darin überein, dass es für Betroffene oftmals eine Überwindungen kosten kann, Hilfe in Anspruch zu nehmen, falls man sich einsam fühlt: „Natürlich ist das so. Ich denke aber, dass es im Dorf einfacher ist, sich Hilfe zu holen, als in der Anonymität einer Stadt.“ Sich dessen schämen müsse sich niemand. „Ich hoffe, dass der Zugang bei uns so niederschwellig wie möglich ist.“

Da das Projekt in Loipersbach noch sehr neu ist, müsse noch einiges in der Praxis genau erprobt werden. „Wir haben von der Diakonie Burgenland einen Baukasten an Hilfsmöglichkeiten bekommen, aus dem wir uns herausnehmen, was wir brauchen. Von unserer Seite geben wir dann noch das hinzu, wovon wir denken, dass es ebenfalls nützlich ist.“

Vor allem Ehrenamtliche werden hier eine wichtige Rolle spielen. „Wir werden jetzt gemeinsam mit der Diakonie Pläne und Termine erstellen, wer besucht werden möchte und wer wohin geht.“ Angedacht ist auch, dass eine Verbindung und gegenseitige Unterstützung zwischen Menschen, die sich einsam fühlen, stattfindet: „Ziel wird es sein, herauszufinden, wer ist einsam und kann gleichzeitig helfen.

Nicht nur, wem muss geholfen werden, sondern auch, wer ist einsam und kann helfen und ist dann nicht mehr einsam“, so Hasler. Der Zugang zu den Menschen könne im ländlichen Bereich auch über den Bereich der Tradition entstehen. „Zum Beispiel, dass man sich über ein Handwerk oder über Kochrezepte näher kommt. Das wäre auch eine Idee.“

„Viele arbeiten unentgeltlich, aber nicht umsonst“

Auch wenn in Loipersbach sich bereits viele Menschen ehrenamtlich engagieren, so ist dennoch auch beim Projekt „Verbundenheit leben“ keine helfende Hand und kein sorgende Seele zu viel. „Ehrenamtliche werden immer und überall gesucht, nicht nur in Loipersbach“. Ein Mangel bestehe aber keiner, weil es wirklich sehr viele gäbe, „die zwar unentgeltlich, aber keinesfalls umsonst arbeiten“, betont Hasler. „Wichtig ist zu erkennen, dass alles nur miteinander funktioniert. Das Gegenteil von einsam ist gemeinsam.“

Neben der Evangelischen Kirche Österreich, die das Projekt finanziert und der Evangelischen Pfarrgemeinde Loipersbach ist auch die politische Gemeinde Loipersbach, in Form des „Gesundes Dorfes“ in die Arbeit, involviert.

Wer sich selbst einsam fühlt, kann sich vertrauensvoll an Alexandra Hasler wenden, die bereits annähernd zwanzig Jahre als Pfarramtssekretärin tätig ist. (Montag und Mittwoch Vormittag 02686/7201, PG.Loipersbach@evang.at)

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