Obmannwechsel bei „Gärtnern Burgenlands“ nach zweieinhalb Jahrzehntem

Erstellt am 29. Januar 2022 | 03:09
Lesezeit: 4 Min
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Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich, Gerald Zetter (3. Obmann), scheidender Obmann Albert Trinkl, Horst Sauer (2. Obmann), Johannes Igler (Bürgermeister Neckenmarkt). Foto: LK Bgld
Foto: LK Bgld
24 Jahre lang war der Loipersbacher Albert Trinkl Obmann des Vereins „Die Gärtner Burgenlands“. Jetzt trat er zurück und kann sich intensiver seinen Faibles für Pflanzenstärkung und für den Nützlingseinsatz im Familienbetrieb in Loipersbach widmen.
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1933, als der Verein „Die Gärtner Burgenlands“, gegründet wurde, wurde in einer Zeitung festgehalten, dass der Gartenbau im Burgenland bis in die „allerletzte Zeit ein Schattendasein“ geführt hat. Für den Bezug von Gemüsepflanzen und Blumen mussten die Burgenländer nach Ödenburg und Umgebung ausweichen, hieß es in dem Artikel. Seitdem hat sich natürlich einiges geändert.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag in der jüngsten burgenländischen, aber auch österreichweiten Gartenbauhistorie hat auch der Loipersbacher Albert Trinkl geleistet. Elf Jahre lang war er Präsident des „Bundesverbandes Österreichischer Gärtner“, acht Jahre war er als Obmann des Vereins „Blumenmarketing Austria“ tätig und stolze 24 Jahre führte er den Verein „Die Gärtner Burgenlands“. Nachdem er in den vergangenen Jahren bereits die ersten beiden Ämter abgegeben hatte, war für den 65-Jährigen am 11. Jänner bei der Jahreshauptversammlung des Vereins in Neckenmarkt auch der Zeitpunkt gekommen, dort seinen Abschied zu verkünden.

Die Hauptaufgabe des Vereins ist es, so erklärt Trinkl, sich für die Belange der burgenländischen Gärtnereien einzusetzen. Durch die Mitgliedschaft beim BMA (Blumenmarketing Austria) wird auch an einer einheitlichen Blumenwerbung für die landwirtschaftlichen Gärtner mitgefeilt. Über dreißig burgenländische Gärtnereien sind derzeit Mitglieder im Verein. „Es waren aber auch schon einmal mehr“, bedauert Trinkl, „aber das Burgenland ist in puncto Gartenbau immer noch sehr gut aufgestellt.“ Ins benachbarte Ödenburg bzw. Sopron muss man, wie noch in den Jahren vor 1933, also nicht mehr ausweisen.

Ich glaube nicht, dass man sich das in der Bundesregierung gut überlegt hat. Albert Trinkl

Bei der Jahreshauptversammlung wurden neben der Neuaufstellung im Vorstand (Andreas Pomper aus Güssing übernimmt) auch drei inhaltliche Schwerpunkte behandelt. Neben den Coronamaßnahmen für produzierende Gartenbaubetriebe und der Torfreduktion für Substrate im Gartenbau wurde auch die bevorstehende CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe diskutiert.

Vor allem dieser Punkt macht Trinkl Sorgen: „Der Großteil der Gartenbaubetriebe heizt mit Gas. Aktuell gibt es einen Kollegen aus der Steiermark, von dem wir unsere Schnittblumen bekommen, der müsste im Jahr durch diese CO2-Bepreisung zweihundertausend Euro mehr bezahlen. Wie soll sich das ausgehen?“ Trinkl befürchtet, dass deshalb vor allem größere Betriebe an die Grenzen ihrer finanziellen Mittel kommen werden. „Ich glaube nicht, dass man sich das in der Regierung gut überlegt hat. Einerseits möchte man starke regionale Unternehmen und andererseits wird man durch solche Regeln bestraft.“

Diese Auseinandersetzung wird Trinkl nicht mehr führen müssen, jedenfalls nicht mehr als Obmann. Stattdessen kann er auch viel Positives berichten: „Aktuell gehen wir zum Beispiel in Richtung umweltbewusste Töpfe, die aus Recyclingmaterial bestehen oder in den Versuch mit einem verrottbaren Holzfasertopf.“ Außerdem soll es heuer neben dem Tag der Offenen Tür in den Gärtnereien im April auch einen Tag des Nützlings im März geben. „Die Kunden und vor allem die Kinder können in Schaukästen die kleinen Tierchen mit der Lupe beobachten. Außerdem wird beschrieben, wie der Nützling wirkt und wie man ihn auch im privaten Bereich einsetzen kann.“

Gleich zu Beginn seiner langjährigen Obmannschaft wurde auch die Züchtung einer eigenen Burgenland-Pelargonie, die auf das pannonische Klima optimal abgestimmt ist, in Angriff genommen. Die ist auch weiterhin sehr beliebt, sagt Trinkl, „weil sie sehr robust ist.“ Und auch das Gemüse des Jahres wurde unter ihm eingeführt. „Voriges Jahr war es die doppelt veredelte Cocktailparadeis, mit roten und gelben Früchten – wegen hundert Jahre Burgenland. Heuer wird es ein Grillpaprika sein.“

Auch wenn der Obmannposten viel Zeit in Anspruch genommen hat, langweilig wird es Trinkl ab sofort sicher nicht werden. Die Familien-Gärtnerei in Loipersbach hat er zwar bereits mit sechzig an seine Frau übergeben, dort ist er aber immer noch anzutreffen: „Was sollte ich denn sonst auch tun? Ich beschäftige mich zum Beispiel viel mit Pflanzenstärkung und Nützlingseinsatz, denn wir verwenden überhaupt keine Chemie mehr.“

Und wem der Winter schon zu lange dauert, für den hat Trinkl eine gute Nachricht: „Die ersten Primeln sind schon in der Blüte.“

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