Pfarrer als Schauspieler. Theateraufführungen haben in Loipersbach lange Tradition. Seit einigen Jahren gehört auch Pfarrer Jakob Kruse zum Ensemble.

Von Christian Artner. Erstellt am 23. März 2019 (04:22)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7524870_mat12ca_kruse2.jpg
Laiendarsteller der Theatergruppe Loipersbach. Stehend: Pfarrer Jakob Kruse, Werner Hollndonner sen., Christian Mayer, Gabriela Aminger, Ferenc Hamvai. Sitzend: Andy Gruber, Inge Straßmayer, Nicole Bauer, Roswitha Bauer, Ingrid Tschürtz.
zVg

Bereits seit 1992 werden in der Gemeinde Loipersbach regelmäßig Komödien gespielt. Heuer fiel die Wahl auf das Stück „Heiße Zeiten“. Der Inhalt der lustigen Posse, die von den fünf Frauen und fünf Männern der Laienschauspielgruppe an den zwei Wochenenden von 29. bis 31. März und am 5. und 6. April im Café-Restaurant Hauer aufgeführt wird, lässt sich nur schwer in wenige Sätze fassen.

Zu dicht und ereignisreich ist der Reigen in der Bäckerstube rund um Bäckermeister Franz Müller. Da gerät schon einmal ein Ofen in Brand, fliegen Brote durch die Lüfte oder beißt ein Hund in so manches Bein. Eines ist also gewiss: Es wird auch dieses Mal wieder turbulent zugehen.

Viele der Schauspieler sind schon jahrelang dabei; vier davon gehören seit Anbeginn zum Kreis der Akteure. Seit 2012 zeigt auch der evangelische Pfarrer der Gemeinde, Jakob Kruse, auf der Bühne sein schauspielerisches Talent. Nachdem er voriges Jahr in die Rolle des Jungteufels Diavolo geschlüpft war, spielt er in „Heiße Zeiten“ den Elektriker und Backofenmonteur Kuno.

„Ich darf jetzt auch mal brummig sein.“

„Im aktuellen Stück spiele ich jemanden, der sich mit heißen Öfen auskennen muss – heißen Öfen sowohl im übertragenen Sinne als auch im Sinne von Bäckereiöfen“, gibt Kruse einen kleinen Einblick in seine Rollenbeschreibung und führt weiter aus: „An Kuno gefällt mir, dass ich jetzt mal brummig sein darf, was ich im echten Leben weniger bin.“

Zur Schauspielgruppe stieß Kruse vor sieben Jahren als damals eine männliche Rolle nicht besetzt werden konnte und sie ihm von der damaligen Leitung angeboten wurde. „Da ich Theater sehr mag, habe ich natürlich sofort zugestimmt. Schon als kleines Kind mochte ich Rollenspiele.“

Parallelen zu seiner Tätigkeit als Pfarrer sieht Kruse durchaus: „Auf der einen Seite ist zwar die Seelsorge, der Gottesdienst und der Unterricht etwas sehr Ernsthaftes. Auf der anderen Seite ist es allerdings so: Wenn man einen Inhalt zu Gehör bringen und die Menschen ansprechen möchte, dann darf man nicht langweilen. Zu unserer Ausbildung als Pfarrer gehört es deshalb auch, dass wir Stimmtraining haben.

Und bei Fortbildungen kommen tatsächlich auch Schauspieler, um uns zu zeigen, wie wir bestimmte Inhalte authentisch vermitteln können. Das hilft mir natürlich jetzt bei der Schauspielerei.“ Lampenfieber hat Kruse deshalb auch nur bedingt: „Eine gewisse Spannung und Nervosität ist schon vorhanden. Die habe ich aber auch bei jedem Gottesdienst. Wenn man vor Leuten öffentlich spricht, braucht es diese Anspannung, sonst würde es nicht gelingen.“

„Gelernt habe ich während des Bügelns“

Textsicher fühlt er sich zwei Wochen vor der ersten Vorstellung bereits. „Es gibt im Moment zwar noch zwei, drei Sätze, die ich immer vergesse. Wenn ich aber das richtige Stichwort bekomme, kann ich meinen Text recht gut.“ Gelernt hat der schauspielbegeisterte Pfarrer nicht etwa am Schreibtisch sitzend oder auf der Couch liegend, sondern – zur Freude seiner Frau – während des Bügelns. „Meine Frau freut sich, wenn ich Stücke spiele. Ich bin zwar die Abende dann oft weg, aber die Wäsche ist gebügelt. Dabei kann man wunderbar lernen.“

„Das Leben ist schon ernst genug“

Laut Kruse wird sein Ausflug in die Schauspielerei von den Gemeindebürgern Loipersbachs sehr gut geheißen. „Bisher habe ich noch keine negativen Rückmeldungen bekommen. Die Schauspielerei ändert nichts daran, dass ich im Hauptberuf als Pfarrer trotzdem ernst genommen werde.“

Kerstin Gerdenitsch, die die Theatergruppe lange Zeit geleitet hat und heuer als Souffleuse tätig ist, ist froh darüber, Pfarrer Kruse für die Gruppe gewonnen zu haben, und hofft auch dieses Mal wieder auf gelungene Abende: „Wir bekommen oft von den Zuschauern zu hören, dass sie bei den Vorstellungen ihre Alltagssorgen vergessen und abschalten können. Daher spielen wir nur lustige Stücke, denn das Leben ist ernst genug“.