Den Wald hautnah erleben. Mit Schulbeginn starten in der Werkstatt Natur wieder viele waldpädagogische Führungen für Kinder.

Von Christian Artner. Erstellt am 29. September 2019 (10:21)
zVg
Roman Bunyai (r.) leitet auf einem Barfußpfad Kinder an, gemeinsam mit ihm die Erde zu erfühlen.

Warum bekommt eigentlich der Specht beim Klopfen gegen den Baum keine Kopfschmerzen? Oder: Ist das Geweih eines Hirsches aus Holz? Förster Roman Bunyai und 18 Waldpädagogen und -pädagoginnen wissen auf diese und ähnliche Fragen die passende Antwort und präsentieren sie zugleich in kindgerechter Verpackung.

„Das Gehirn des Spechts ist von weniger Gehirnflüssigkeit umgeben als das des Menschen und hat deshalb nicht so viel Spielraum, um gegen die Schädeldecke zu knallen. Aus diesem Grund bekommt der Bursche keine Kopfweh.“

Bunyai leitet in Marz die wild- und waldpädagogische Erlebnisstätte „Werkstatt Natur“, in der Kinder über das heimische Wild und den Wald aufgeklärt werden und in der versucht wird, deren Begeisterung für diesen vielfältigen Lebensraum zu wecken. 2003 gestartet, als mehr oder minder One-Man-Show, wie Bunyai ausführt, mit 600 kleinen Besuchern jährlich, ist die Werkstatt Natur mittlerweile zur „größten waldpädagogischen Einrichtung Mitteleuropas“ herangewachsen. Über 10.000 Kinder und Jugendliche nahmen im letzten Jahr an den monatlichen und vierteljährlichen Führungen teil. Mit Schulbeginn laufen nun wieder viele neue Waldprojekte an.

„Bei unserem Projekt, der Wald zu jeder Jahreszeit, kommen Schulen und Kindergärten einmal zu jeder Jahreszeit zu uns. Bei unserem zweiten großen Projekt, dem Waldjahr, werden bei monatlichen Führungen der Wald und seine Bewohner intensiv behandelt.

Im Herbst steht die Blätterfärbung auf dem Programm oder Tiere wie das Eichhörnchen, im November behandeln wir die Früchte des Waldes und im Dezember gibt es auch eine Waldweihnacht, in der es für die Waldtiere eine Bescherung gibt.“

„Bei unserem Projekt, der Wald zu jeder Jahreszeit, kommen Schulen und Kindergärten einmal zu jeder Jahreszeit zu uns"

Was Bunyai in den letzten Jahren mit einiger Sorge beobachtet und wogegen die Werkstatt Natur mit ihren Lehrstunden entgegenwirken möchte, ist eine stark voranschreitende Naturentfremdung bei den Kleinsten. „Als ich ein Kind war, ist es noch selbstverständlich gewesen, dass wir in der Natur unterwegs waren, im Bach und Wald spielten und am Abend dreckig und speckig nach Hause kamen. Wenn ich heute Volksschulkinder frage, wer denn schon einmal im Wald war und es zeigen in einer Klasse nur sechs Kinder auf, ist das schon erschreckend.“

Und auch wenn es den wissbegierigen Kindern, die noch am Anfang ihres Lernens stehen, verzeihbar ist und auch andere erzieherische Instanzen in die Pflicht genommen werden müssen, so könne man auch feststellen, dass das Wissen etwa über die heimischen Waldbewohner bei einigen Kindern manchmal etwas verzerrt ist: „Im Begrüßungskreis frage ich immer, welche Waldtiere die Kinder kennen. Manchmal kommen interessante Antworten: Komodowaran oder Kapuzineräffchen. Marder, Iltis oder Dachs kennen viele gar nicht“.

Der Werkstatt Natur gehe es aber nicht nur um Wissensvermittlung zur Waldflora und -fauna, sondern auch Naturschutz sowie das richtige Verhalten im Wald werden besprochen. „Das Thema behandeln wir, weil es uns sehr wichtig ist, dementsprechend plakativ, zum Beispiel mit Präparaten, mit denen wir zeigen, was passieren kann, wenn ein Frischling in eine Glasscheibe tritt oder ein Marder in einer Konservendose gefangen ist. Damit die Kinder sehen, was durch unachtsames Verhalten passiert.“

Betrieben wird die Werkstatt Natur vom Burgenländischen Landesjagdverband. „Darüber sind viele oft verwundert“, berichtet Bunyai, „dass die Jägerschaft so eine Einrichtung betreut und spielerisch versucht, den Kindern den Wald näher zu bringen.“

Jäger genießen, wie Bunyai, der selbst von Kindesbeinen an in die Jagd eingeweiht wurde, selbst eingesteht, nicht den vortrefflichsten Ruf. „Was viele aber gar nicht wissen, ist, dass wir behördlich vorgeschriebene Abschusszahlen erfüllen müssen. Außerdem ist die Jagd genau genommen die humanste Form der Fleischgewinnung, ohne Massentiertransporte oder riesigen Schlachthallen.“

Wer sich den ganzen Artikel hindurch frug, ob nun das Hirschgeweih aus Holz bestehe, dem kann Bunyai die selbständige Suche nach einer Antwort schließlich noch abnehmen: „Das Geweih ist eine Knochensubstanz und besteht aus Kalkablagerungen und Mineralien.“